Everybody's fucked in his own special way

Montag, 31. August 2015

Sonne statt Reagan

(Zugleich ein Beitrag für Frau Tonaris Rost-Parade.)

Schon wieder ein Monat um? Habe ich ein Glück, dass ich offenbar von Rost umgeben bin und immer noch etwas für die Rost-Parade finde. Nachdem das Weltenmotto für die nächsten Jahre ja ohnehin "Everything falls apart", alles geht kaputt, zu sein scheint, findet sich aber immer genügend Korrosion. 

Bei unserer Urlaubsreise haben wir auch eine Station in dem Technikmuseum in Sinsheim gemacht, wo man sich viele Autos, Flugzeuge und Traktoren ansehen kann, wo es aber auch viel Militärgerät herumsteht. Man kann sich dabei Gedanken machen, was für Leute sich eine Re-Inszenierung eines Afrika-Korps-Camps mit Freude ansehen, aber was soll's. Den Rost an den vielen Panzern, die im Museum ausgestellt sind, sehe dann zumindest ich mit Freude. 

Damit bin ich das eine Mal einig mit Herrn J.B., über den ich seit Beginn der Rost-Parade nachgedacht habe, ganz einfach, weil er eines der wenigen Lieder gesungen hat, in denen das Wort Rost vorkommt. Da ich ja hier eine etwas lose Verpflichtung eingegangen bin, thematische Rost-Lieder zu liefern, hatte ich schon immer die Befürchtung, einmal auch darauf zurückgreifen zu müssen. Voila. Joseph Beuys, dessen Gesang ich die gleiche Wertschätzung entgegen bringe wie seinen sonstigen Werken, mit einem Lied, das uns noch einmal in die Achtziger Jahre bringt, vielleicht auch diejenigen, die wie ich niemals mehr dort hin wollen*: Sonne statt Reagan. Jetzt muss man sehr stark sein, das ist Kunst, das kann nicht weg. 

Kommentare:

  1. „Rast ich, so rost ich, sagt der Schlüssel.“

    „Rost frißt Eisen,
    sorge den Weisen.“

    „Neid ist dem Menschen, was Rost dem Eisen.“

    AntwortenLöschen
  2. Sonne statt Reagan fetzt aber eigentlich nur wirklich, wenn man das anmoderiert von Jürgen Kuttner als legendären Abschluss seiner, wenn überhaupt möglich, noch legendäreren Videoschnipselschauen in der Volksbühne erlebt hat.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Du bist zu jung. Ich habs noch unmittelbar erlebt, nicht als ironische Berlin-Performance. Da sind die Gefühle gemischter...

      Löschen
    2. Das war keine ironische Berlin-Performance. Das war reine Hermeneutik, jedes Mal wieder aufs neue. [*Zu jung* hört man in meinem Alter auch nicht mehr so häufig *rotwerd* Danke.]

      Löschen
  3. Ich bin nicht zu jung, ich habs auch erlebt.... Ein Stück Geschichte, wie die Scherben...
    LG Gitta

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das lief damals in irgendeiner Musiksendung, die ganze Familie vor dem Fernseher, Vater fand's unmöglich, man selbst hat's verteidigt, Familienfernsehen ging selten ohne Krach aus....

      Löschen
  4. Ich bin ja eigentlich großer Beuys-Fan, wobei ich ausgerechnet seinen Gesang jetzt nicht gerade als die Krönung seines Schaffens empfinde. Auch wenn jeder Mensch ein Künstler ist, ist nicht jeder auch automatisch ein Sänger.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ne, mit Beuys kann ich nicht viel anfangen, ich hab schon mit Warhol Probleme. Als altem Punkrocker stört mich aber an Beuys noch am wenigsten, dass er nicht singen kann....(Schöne Flattr-Aktion auf deinem Blog, übrigens!)

      Löschen
    2. Beuys und Warhols Kunst haben nicht viel gemeinsam, bei Beuys steht eine ganze, sehr menschen- und naturfreundliche Philosophie hinter allem, die Teil der Kunst ist. Das ist sehr spannend, weil dann die Werke plötzlich "sprechen", wenn man etwas mehr zum Hintergrund weiß. Hätte ich aber wohl auch keinen Zugang zu gefunden, wenn ich nicht Kunstwissenschaft (im Nebenfach) studiert hätte und aus Neugier ein Seminar zu Beuys belegt hätte.

      Löschen
  5. Also das Lied ist der Knaller, ich wußte gar nicht, dass J.B. mal gesungen hat. Obwohl seine Stimme nicht gerade melodisch ist, lach.
    Dein rostender Panzer gefällt mir gut.
    Viele Grüße Bärbel

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lied und Panzer sind Zeitdokumente.... Liebe Grüße, Andreas

      Löschen
  6. Bei meinem Besuch ins Sinsheim bin ich mit verachtendem Blick an der Militärecke vorbei gegangen. Irgendwie musste ich immer denken, dass man mit der Inszenierung vermutlich häufig mal das falsche Klientel anzieht. Also nicht so die Technikfreaks.
    Drum ist mir natürlich auch der Rost entgangen.
    Fein, dass Du ihn mitgebracht hast und dem Rest der Szene keine Bühne bietest.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Sammlung dort ist schon beeindruckend, aber ich fand es auch teilweise merkwürdig. Alle möglichen Mercedes-Limousinen von irgendwelchen Nazigrößen..... Aber zumindest findet man mit gutem Willen auch immer noch ein bisschen Rost....

      Löschen
    2. Ja, das ist mir auch echt sauer aufgestoßen...

      Löschen
  7. Über Kunst lässt sich streiten, oder doch nicht?
    Ich dachte auch sofort an Ton-Steine-Scherben. Meine Zeit ;-)
    Und ich lasse auch einiges links liegen - man muss nicht alles ausstellen ...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Über Kunst lässt sich sogar schön streiten. Die Scherben habe ich nur im Nachhinein mitbekommen....

      Löschen
  8. Diese Panzerkette darf ruhig ganz schnell verrosten, dann kann er keine Unheil mehr anrichten.

    Viele Grüße :-)

    AntwortenLöschen