Everybody's fucked in his own special way

Montag, 30. November 2015

Hinter Gittern

(Zugleich ein Beitrag zu Frau Tonaris "Rost-Parade")



Vergitterte Fenster in der Invalidenstraße, an einem Haus, das nicht so aussieht, als würde noch jemand drin wohnen. Die Gitter rosten, wahrscheinlich hat das Haus auch zum Charité-Campus gehört, ich habe keine Ahnung und bin auch zu faul, hier nachzuforschen. Weshalb die Gitter? Das niemand ausbrechen konnte, zum Schutz der Bewohner, ich weiß es nicht.


Die passende Musik dazu zu finden ist nicht so einfach. Eigentlich dachte ich, ich muss nur "Rostige Gitter" als Suchbegriff eingeben und bekomme ein paar Musikvorschläge, aber es finden sich nur Anleitungsvideos zur Rostentfernung. Auch schön. Auf englisch auch nicht besser, bei "rusty bars" stellt man fest, dass es wohl sehr viele Leute namens Rusty gibt, die eine Bar haben. Hilft mir auch nicht weiter. Eine mögliche Wahl wären ja immer Black Flag mit "The bars", über die Gitterstäbe des inneren Gefängnisses, aber das ist mir gerade etwas zu düster und destruktiv. Auf der anderen Seite sind mir dann die Soggy Bottom Boys mit ihrem Bluegrass "In the jailhouse now" ein bisschen zu harmlos und romantisierend. Damit gewinnt der Freundeskreis "Griechische Rembetikamusik der frühen, aber nicht zu frühen Dreißiger Jahre":* Der große Markos Vamvakaris mit Antilaloun i filakes**, dem Geflüster im Gefängnis. Vielleicht kommen in dem Text ja rostige Gitter vor, wer weiß. Schönes Lied und von der Stimmung her passend.

*d.h., Michali und ich.
** Für OLe: Αντιλαλούν οι φυλακές.

Sonntag, 29. November 2015

Samstag, 28. November 2015

Und langsam weama wia ma san...

Am Montag mal wieder auf einem Punkkonzert, wie jedes Jahr kommen Stiff little fingers im November nach Berlin. Deren Musik habe ich vor 35 Jahren geliebt. "Nobody's heroes" war eine meiner ersten LPs, auf dem Cover war der Titel in Buchstaben, die wie ein großer Barcode aussehen sollten, geschrieben. Diese Buchstaben hatte ich mir damals liebevoll abgemalt, mit Deckweiß hinten auf meine Lederjacke.

Irgendwie übermannte mich die Rührung, als ich die bekannte Grafik am Montag auch wieder am Merchandising-Stand sah. Allerdings nicht auf einem T-Shirt. Was da verkauft wurde, war ein Geschirrtuch. Nobody's heroes Geschirrtuch. Oben steht noch "Be what you are". Also derjenige, der in der Familie den Abwasch macht. Gibt Sinn, kann ich inzwischen gut gebrauchen. 


Vor dem Merchandising-Stand hatte ich noch einen Disput mit F., der es hasst, in diesem Blog vorzukommen, da er den Blog aber andererseits auch nicht liest, macht es jetzt auch nichts, wenn ich doch über ihn schreibe, wobei es heute ja ganz passend wäre, wenn er ihn läse, weil ich ihm dann hier zum Geburtstag gratulieren könnte (Bitte alle zusammen: Happy birthday, F.!). F. glaubte mir nicht, dass die Striche eigentlich Buchstaben darstellen sollen, er behauptete, das sei ein Barcode und drohte sogar, eine Barcode-Scanner-App daran auszuprobieren. Ich dachte, ich spiele einen sicheren Trumpf und bat den Merch-Man, F. doch bitte zu erklären, was auf dem Geschirrtuch zu sehen sei. Merch-Man, der den Job wohl machte, um seine britische Rente aufzubessern, war aber untröstlich, da er sagte, er könne sich auch nicht mehr so richtig erinnern, was das eigentlich sein solle. Buchstaben, ja könne sein, aber wer wisse das schon so genau. F. fing dann schon wieder mit seiner Barcode-Scanner-App an, also kauften wir uns lieber alle noch ein Bier und ließen den Abend mit einem Klingeln in den Ohren ausklingen. 

Freitag, 27. November 2015

Donnerstag, 26. November 2015

Passende Adresse


(Foto: Dearest pen-pal A., z.Z. Florenz)

(Was bekommt ein Bewohner dieser Straße wohl bei Blogverlosungen?)

Mittwoch, 25. November 2015

Dienstag, 24. November 2015

Eine Gewinnerin!

Vorgestern habe ich gefragt, welcher Baum die Nr. 3 bei "Wie erkennt man verschiedene Bäume aus großen Entfernungen?" ist. Frau Hafensonne kannte die Antwort. Nr. 3 ist die (Roß-)kastanie (warum? Hier ist die äh Erklärung.) Michali hatte auch fast recht gehabt, aber Angehörige und Mitarbeiter sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Tut mir leid. 


Herzlichen Glückwunsch, Frau Hafensonne! Du kannst dir einen der folgenden Preise auswählen. Ich habe folgende Dinge zur Auswahl:*

- Ein Exemplar des (englischen) Comics "Double D" von Eddie Argos und Steven Horry, von Eddie Argos signiert;
- Ein Tomatensamen-Überraschungspaket im nächsten Februar (Sonderwünsche werden gerne angenommen);
- Ein Exemplar des Buches "Das Königliche Invalidenhaus zu Berlin" von Laurenz Demp;
- 10 Setzkartoffeln schöner Sorten im nächsten März/April;
- Eine Doppel-CD "Samlingen" von Ebba Grön, der schwedischen Punkband, die 1978-82 Lieder aufgenommen hat, die überall Powerpop-Klassiker wären, wenn sie damals jemand außerhalb von Schweden gehört hätte; oder
- ein Baumkuchen. 
(Alle Hauptthemen des Blogs vertreten: Tomaten, Kartoffeln, Invalidenstraße, Comics, Punkrock und  äh.. Baumkuchen.)

Also, liebe Frau Hafensonne, triff eine kluge Auswahl!

(Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben! Ich bitte um kurzen Hinweis: Soll ich mal ein richtiges Bloggewinnspiel machen? Bislang dachte ich immer, dass da keiner mitmacht, aber sieht ja nicht so aus.)

*Um etwaige Fragen erst gar nicht aufkommen zu lassen: Von jedem Stück der Liste habe ich selbst noch ein Exemplar, das ich schätze und nutze. Eine Entrümpelung des Ackerbau'schen Bücher- und CD-Schrankes würde anders aussehen (wäre aber wohl auch lustig).


Montag, 23. November 2015

Besuch

Großneffe B. ist zu Besuch. Wir stellen fest, dass der Enthusiasmus eines Vierjährigen im Haushalt schon länger fehlt. 

***

B. rennt gerne durch das Wohnzimmer, tritt gegen die Kiste mit den Spielzeugautos (die zum ersten Mal seit Jahren wieder im Wohnzimmer steht) und schreit dann laut: "Wacken!" Wenn ich nur ein bisschen Affinität zu Heavy Metal hätte, erwöge ich, das auch einmal im Büro zu versuchen (dann natürlich mit Tritt gegen irgendein Büroutensil). Muss meine Nichte allerdings vor ihrem nächsten Wackenbesuch vor Berlinern warnen, die Mike heißen und im Bulli schlafen. 

***

Es ist wahrscheinlich auch einige Zeit her, dass in Pankow jemand jedes Flugzeug im Landeanflug mit einem lauten "Flugzeug! Juhuuuu!" begrüßt hat.

***



(Dieses Foto ist nicht von mir, sondern von B.s Mutter. Das Bild sagt hoffentlich deutlich, dass man sich mit meiner Familie besser nicht anlegt.)

Sonntag, 22. November 2015

Aus der Reihe "Seltenes Getreide"

Heute: der schwarze Emmer.



(Ja ich weiss, aber was soll ich machen? Wenn ich durch die Straßen trotte, ist's zum Fotografieren zu dunkel, los ist auch nichts, zumindest nichts erfreuliches, also bleibt mir nichts anderes übrig, als meine merkwürdigen alten Fotos durchzugehen und irgendetwas dazu zu schreiben. Immerhin ist Emmer Ackerbau und deshalb thematisch passend. Morgen: Wie man verschiedene Arten von Bäumen aus großen Entfernungen erkennen kann, Nr. 1: die Lärche.)*



*Wer weiss, was die Nr. 3 wäre, gewinnt etwas.

Freitag, 20. November 2015

Exklusiv: Hier kommt der neue Flughafen



Ebenso exklusiv: Es ist natürlich nur wieder die Invalidenstraße (ich kann die Fähigkeit dieser Straße, einen in schweren Zeiten mit merkwürdigen Artefakten zu beschäftigen und abzulenken, hier nicht genug preisen). Offenbar wird jetzt beim Humboldthafen aufgeräumt, dort stand früher eines dieser merkwürdigen Zirkus-Gourmetshow-Zelte, dann gab es da ein Zelt mit Cocktailbar, alles umrahmt von schönem Unkraut (von dem einiges hier auch schon einen eigenen Post bekommen hat). Sollte jetzt diese Zwischennutzung beendet sein? Wird aus dem Humboldthafen vielleicht tatsächlich noch ein Hafen (wenn auch eher kein Flughafen? Ich habe keine Ahnung, freue mich aber schon. Wenn hier aufgeräumt wird, dann kommen sicher auch bald wieder die Bagger und es ist mal wieder etwas los in der Straße. Allerdings bedeutet das wohl auch das Ende einer der letzten verwunschenen Brachen in dieser Gegend. 

(Und so sah es mit Cocktailbar aus. Das Foto hatte für mich immer so einen gewissen mexikanischen Flair und ich finde die Königskerzen, die durch die Ritzen der Bodenplatten wachsen, wirklich wunderbar.)

Donnerstag, 19. November 2015

.... dann würde ich noch so eine merkwürdige Hecke pflanzen

Es hat ja nicht so ganz gestimmt, wenn ich von der Invalidenstraße vermeldet habe, es gebe keine Baustellen mehr. Vor dem Naturkundemuseum und dem daneben gelegenen Gebäude der Humboldt-Uni wurde immer noch umgegraben. Jetzt werden Steinquader verlegt und Hecken gepflanzt. Mal schauen, wie lange sich das hält.

Mittwoch, 18. November 2015

Kein Wort mehr gegen Spam-Mails (2)

Lena_69 (ist die wohl schon so alt?) schickt mir eine E-Mail, in der sie mir etwas anpreist, mit dem ich die Nacht unvergesslich machen kann und der Traum jeder Frau werden kann. Wenn ich Zytax jeden Tag benutze, werde ich über einen vollen Monat der Sieger sein und sicher sein, dass ich nie müde werde. Dabei bin ich doch einigermaßen froh über meinen gesunden Schlaf. 

Was diese Spam-Mail allerdings dann doch besonders macht, ist die Rubrik: "Was Sie auch interessieren könnte". Dort findet sich:  
"Lebwohl Übergewicht, Hallo natürlicher Gewichtsverlust dank Green Coffee Plus!
Sie gewinnen: Der Haarausfall kann mit Follixin gestoppt werden!
Werden Sie selbstgefälliger: mit Impreskin sehen Sie ein paar Jahre jünger aus!"
(Die Originallinks zu diesen Wunderprodukten können auf Wunsch versendet werden.)

Naja, noch selbstgefälliger sollte ich nicht werden, ich finde es aber beeindruckend, dass ich offenbar auf einer Mailingliste für impotente, fette, glatzköpfige und hässliche alte Trottel stehe. Dabei habe ich doch noch volles Haar. 

(Passende Gelegenheit sich mal wieder das kurze Filmchen anzusehen, wie es wäre, wenn alle Spam-Mails wahr würden...)

Dienstag, 17. November 2015

Herbstsonne (2)

Es ist zwar schon Anfang November, aber die Herbstsonne hat immer noch einige Gewalt. Der Schattenriss am Wohnzimmerfenster ist allerdings etwas karger, die (Feigen-)Blätter sind gefallen, die Früchte, die noch hängen, werden wohl nicht mehr reif werden. 

(Noch einmal der Vergleich, ein paar Wochen vorher:)

Noch einmal Herbstsonne, in Münster am Hauptbahnhof. 

Montag, 16. November 2015

Ausstieg aus dem TXL-Bus

(Ausnahmsweise mal Schönes hier. Aber das muss ja auch einmal sein.)

Nachdem das Wartepanorama ja schon ein paar Mal gezeigt wurde, dachte ich mir, man sollte auch einmal den Blick in die andere Richtung zeigen, den man hat, wenn man vom Flughafen mit dem TXL-Bus wieder zur Beusselstraße fährt. Und offenbar habe ich da letzthin einen guten Zeitpunkt erwischt:


Und am Flughafen Tegel selbst kann's auch nett aussehen:

Sonntag, 15. November 2015

Grundsätzliches

Hier stehen normalerweise merkwürdige und lustige oder zumindest lustig gemeinte Dinge. Das war aber eigentlich nie die Idee hinter dem Blog, hat sich so ergeben, kann sich auch wieder ändern. Bei ernsteren Themen denke ich zumeist, dass es andere gibt, die das besser können, oder finde es schwierig, eine Form zu finden, mit der ich auch zufrieden bin. Allgemein streite ich mich nicht so gerne im Internet; das hat aber auch damit zu tun, dass ich mich beruflich schon genug streiten muss.

Dann gibt es Tage, an denen ich keine Scherze machen will. Gestern war so einer. Und da scheint es mir heute sinnvoll, ein paar grundsätzliche Dinge aufzuschreiben:

1. Ein Grundproblem der Menschheit ist, dass es um so viel einfacher ist, etwas zu zerstören, als etwas aufzubauen. Bestes Beispiel ist der Mensch: es braucht keine besondere Begabung dafür, andere zu verletzen oder zu töten, jeder kann in wenigen Sekunden soviel Schaden anrichten, dass fähige Ärzte es in Monaten nicht mehr heilen können. Wenn man es mit jemandem zu tun hat, dessen einziges Ziel ist, einem zu schaden oder Dinge zu sabotieren, führt man einen aussichtslosen Kampf. Unsere Gesellschaft ist verwundbar und wird es bleiben, gegenüber denjenigen, die einzig und allein zerstören wollen.  Was kann man daraus schließen? Als Gegenmittel unsere pluralistische Gesellschaft selbst kaputt machen, damit der IS sie nicht kaputt machen kann? Das scheint mir nicht sonderlich sinnvoll zu sein. Und man muss daran denken: Seit Beginn der Geschichte ist es richtig, dass es einfacher ist zu zerstören als etwas zu erschaffen. Alle paar Dekaden stellt die Menschheit dies auch eindrucksvoll unter Beweis. Und trotzdem hat die Menschheit immer weiter gebaut, geschaffen, versucht, ohne sich von den Rückschlägen entmutigen zu lassen. Und das sollten wir auch weiterhin tun. Oder wir müssten uns fragen, ob nicht wir selbst auch zu denjenigen gehören, die nicht mehr erschaffen, sondern nur zerstören können.

2. Bei allen Diskussionen darf man nicht dabei stehen bleiben, wogegen jemand ist. Es ist z.B. richtig, den IS abzulehnen und zu bekämpfen. Aber man muss auch weiter fragen, wofür die jeweiligen Bekämpfer sind. Wenn sich ergibt, dass die Abneigung nur einem muslimischen Totalitarismus gilt, ein anderer aber angestrebt wird, ist nicht viel gewonnen. Wer eine Bewegung unterstützt, die sich im Wesentlichen aus Hass auf andere speist, wird auch nur Hass ernten. Und  Hass als Haltung vergiftet nicht nur die Gesellschaft, sondern auch einen selbst. Jeder von uns kennt hasserfüllte Menschen, ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand mit ihnen tauschen wollte. Und trotzdem lassen sich gerade genügend Leute darauf ein, sich selber mit dem Hass zu vergiften. Auch wenn es vielleicht gerade passend oder einfach erscheint: Sei nicht derjenige, der Hass verbreitet. Und es ist ganz egal, ob es religiöser oder politischer Hass ist. Und nein, auch wenn "die anderen" auch schlimme Dinge machen, gibt dir das noch lange nicht das Recht. Und nein, auch religiöse Empfindlichkeiten rechtfertigen keinen Terror.

3. Wenn furchtbare Dinge geschehen, gibt es sofort Leute, die diese Dinge für ihre Sicht der Dinge instrumentalisieren. Dann ist Angela Merkel an den Toten von Paris schuld  oder die Toten in Paris sind dann Beleg dafür, dass die Vorratsdatenspeicherung nichts bringt. Manche Leute freuen sich dann sogar, dass ihre Weltsicht bestätigt wurde. Man merkt das dann an dem triumphierenden Ton der Botschaften, die verkündet werden (natürlich muss man die Ursachen der Anschläge und mögliche Gegenstrategien genau analysieren. Allerdings dann, wenn man einmal weiss, was genau passiert ist) . Genauso wenig, wie man im eigenen Interesse anstreben sollte, sich vom Hass leiten zu lassen, sollte man stolz darauf sein, ein Aasgeier zu sein. Wenn du stirbst, wird das hoffentlich auch nicht von irgendeinem Arschloch als Beleg für irgendeine These gebraucht. Sei selbst auch nicht dieses Arschloch.

4. In Bezug auf die ganzen Rechtspopulisten/Rechtsradikalen/Nazis, die in Deutschland wieder lauter werden (Hinweis: Ja, Ihr habt recht, wenn Ihr gegen IS seid. Nein, das bedeutet nicht, dass Ihr ansonsten mit irgendetwas recht hättet, siehe oben Ziffer 2. Und jetzt ab), wird oftmals behauptet, das sei ein Problem der mangelnden Intelligenz (höhö, deutsch können sie auch nicht). Ich glaube das nicht. Intelligenz hat leider gar nichts mit Herzensbildung zu tun. Es gibt genug intelligente Leute, die böse sind. Und es gibt genügend herzensgute Menschen, denen es an formaler Intelligenz mangelt. Das Problem sind nicht die kleinen Hirne, sondern die kleinen Herzen. Und es ist eigentümlich, dass man bislang eigentlich im eigenen Interesse eher ruhig war, wenn man eine empathie- und herzlose Wurst war, inzwischen aber genügend Menschen laut werden, die gerade auf ihre Herzlosigkeit stolz sind. Hauptsache, man ist nicht naiver Gutmensch. Und viele weder besonders böse noch besonders gute Menschen überlegen sich, ob nicht Herzensbildung und Mitgefühl ein Fehler sind in diesen Zeiten. Ob nicht diese harten Zeiten eine neue Härte gegenüber den anderen erfordert (manchmal habe ich das Gefühl, dass manche Leute "24" oder "Walking Dead" als Skript für die Realität ansehen - hier wir, dort die, alle Mittel sind erlaubt). Ein kleiner Service hier im Blog: Die Zeiten sind nicht anders, Herzlosigkeit ist immer noch scheiße und wer jetzt auf seine Härte stolz ist, wird es in nicht allzu langer Zeit verleugnen, wenn der Rausch sich gelegt hat. Das gab es schon mehr als einmal, dass der Bürger kurzzeitig meinte, blutrünstiger Unterstützer sein zu müssen, der Kater kam meist recht schnell. 

5. Was bleibt? Furcht vor dem, was uns in den nächsten Jahren noch bevorsteht. Aber hoffentlich bei uns allen auch Hoffnung, sei sie religiös gespeist, sei sie auch nur daraus geschöpft, dass der Mensch trotz aller Destruktivität und Bosheit doch immer wieder große und schöne Dinge vollbringt. Was um uns herum passiert, können wir nicht oder kaum beeinflussen. Ob wir selber dabei zu einem herzlosen Arschloch werden oder nicht, allerdings schon. 

Freitag, 13. November 2015

Ein alter Bekannter

Diese Woche musste ich zu einigen Abendterminen. Da springen dann ab und zu ein paar eher konventionelle Berlin-Fotos raus, wie das hier zum Beispiel:


(An solchen Bildern gefallen mir - fragt mich nicht warum - die roten Rücklichter der Autos in der Dunkelheit immer am Besten.)

Ich habe ohnehin noch einige von diesen Sehenswürdigkeits-Fotos, die ich hier ja sonst nicht bringe, die man aber mal wieder als eine Fortsetzung der "I felt like a tourist"-Reihe nehmen könnte. Mal sehen. 

Als ich dann später in unsere Straße einbog, kam mir aus Richtung Bürgerpark ein Hund entgegen gelaufen, relativ schnell. Weit und breit kein Herrchen oder Frauchen zu sehen. Als das Tier näher kam, schien es mir dann auch eher eine Katze zu sein, wenn auch eine verdammt große. Dann sah ich aber die weiße Schwanzspitze und der Fall war klar: Unser Fuchs war mal wieder unterwegs. Diesmal suchte er aber nicht nach alten Sandalen, sondern bog Richtung Seniorenresidenz ab. 

Donnerstag, 12. November 2015

Alle Jahre wieder

St. Martins-Zug gab es bei uns gestern keinen mehr, die Söhne sind dafür jetzt schon zu groß. Beide legen ohnehin keinen großen Wert darauf hier vorzukommen, das muss man auch respektieren. Ich hoffe mal, wenn beide irgendwann ein Weblog über lustige Aussprüche ihres greisen Vaters starten, dass ich dann auch ein Veto bekomme. 

Da aber nunmal St. Martin war, verweise ich auf den inzwischen drei Jahre alten Beitrag Rabimmel-rabammel-raBUMM. Kinder, wie die Zeit vergeht!

Mittwoch, 11. November 2015

"Ich war in Marseille"

Ich finde es relativ schwierig, sich beim Blick aus dem Flugzeug zu orientieren. Da ist es doch immer hilfreich, wenn man irgendwelche charakteristischen Inseln unter sich hat, die einem die Orientierung ermöglichen. Hier ist man über Marseille, auf dem kleinen Inselchen neben den beiden großen Inseln ist das Chateau d'If, wo ja der Graf von Monte Christo in der Zelle gesessen haben soll (Madame Ackerbau ist ein großer Fan des Buchs). 


Von unten sieht das so aus:



Und in den Zellen des Chateau d'If sieht man, dass man sich früher für die Graffiti noch etwas mehr Mühe geben musste. 


(Und beim Flug über die französischen Alpen hat man doch ein merkwürdiges Gefühl.)


(Die Fotos sind vom Frühling und vom letzten Jahr, so viel bin ich dann doch nicht unterwegs.)


Montag, 9. November 2015

Donnerstag, 5. November 2015

... auf'm Weg nach Minga...

Mal wieder  in München gewesen, dort das gemacht, was ich in Berlin jeden Tag mache: eine Distanz von knapp zwei Kilometern zu Fuß gehen. Während das in Berlin eigentlich überall interessante Spaziergänge ergibt, war das in München kein richtiges Vergnügen. Die Stadt ist eindeutig eher für Autofahrer konzipiert. Keine Plätze zum Herumlungern, die Straßen nur als Mittel des Transportes von A nach B. Auf die zwei Kilometer habe ich noch nicht einmal einen Papierkorb gefunden, um Kram aus meiner Manteltasche wegzuwerfen. 

Allerdings habe ich die Entdeckung gemacht, dass es in München klarere Anweisungen gibt. Das erste Schild scheint mir zwar grammatikalisch nicht falsch, die Aneinanderreihung von substantivierten Tätigkeiten und freilaufenden Hunden finde ich aber irgendwie unschön. Ich als Vorstandsschaft hätte das anders formuliert. Das zweite Schild halte ich aus philosophischer Sicht für problematisch: Genau gelesen und befolgt darf man nirgendwo auf der Welt mehr Abfälle ablagern, da das dann ja außerhalb der Umzäunung geschähe, sondern jeder muss alles zu diesem Wertstoffhof bringen, sonst gibt's Zoff mit den Abfallwirtschaftsbetrieben München (Ordnungswidrigkeit!). Derartig weitreichende Anweisungen als bloße "Infos für Sie" zu verkaufen, halte ich ja für ein bisschen frech.  


Danach in ein hohes Gebäude, leider war die Stadt neblig, sonst hätte man einen sehr schönen Blick gehabt. Allerdings war direkt vor dem Gebäude eine Baustelle, die man aus der Vogelperspektive im Blick hatte. Wunderbar! Das hätte ich gerne bei der Invalidenstraße gehabt. Ich habe in den Pausen jeweils ein Foto gemacht, um den Baustellenfortschritt zu dokumentieren. Das war hoffentlich unauffällig genug, dass mich die anderen Anwesenden nicht für noch bekloppter als ohnehin schon hielten. 



Mittwoch, 4. November 2015

Projekt: Urbane Schönheit



Bei meinem letzten München-Besuch (dazu später noch einmal mehr) ist auch dieses Bild entstanden, ein Blick von der Donnersberger Brücke auf die neblige Stadt. Bei diesem Bild ist mir bewusst geworden, dass aus irgendwelchen Gründen der Blick von Brücken über Eisenbahnlinien für mich der Inbegriff urbaner Schönheit ist (ein deutlicheres Beispiel dafür hier ). Im gleichen Moment hatte ich die Erkenntnis, dass viele Menschen sich unter einem perfekten Großstadtpanorama wahrscheinlich etwas anderes vorstellen. Tja, deren Pech. Da sich im Internet aber auch für die absonderlichsten Vorlieben Mitstreiter finden, soll es hier mal eine Premiere geben. Ich rufe zu einem Projekt auf:

Am 13. Dezember ist der Internationale "Blick von Brücken über Eisenbahnlinien"-Tag! 

Jeder, der mag, darf mitmachen und seine Fotos, Prosastücke oder musikalischen Skizzen zu diesem Thema im Internet veröffentlichen (wenn kein Blog vorhanden, nehme ich den Beitrag auch gerne auf diese Seite). Soweit es sich um Fotografien handelt, bitte ich um eher bescheidene Qualität, zu gute Fotos würden ja den Initiator, der auch noch irgendein Bild herauskramen muss, beschämen. Ich werde dann am 13.12. auf die weiteren Beiträge, so es welche geben sollte, verlinken. 

Dieser Aufruf kann natürlich gerne weiterverteilt werden, ich selbst werde nur noch eine Woche vorher dezent an das Projekt erinnern. So wie ich nunmal gestrickt bin, finde ich sowohl den Gedanken, dass dieser Tag der urbanen Schönheit nur von zwei, drei Leuten begangen wird, als auch, dass sich erheblich mehr Liebhaber der Schienen von oben finden könnten, reizvoll. Mal sehen, was passiert. 

Dienstag, 3. November 2015

Besuch im Nebenzimmer (15)

Was gab es in der letzten Zeit so  im Zweitblog?

Ein Beginn mit Punkrock-Lebenshilfe, Captain Sensible singt davon, dass das Leben weitergeht. Die erste Synthese von Omasprüchen und weichem Postpunk, mit einem schönen Basslauf, den später dann auch Nirvana geklaut haben. Nach längerer Pause wieder einmal eine Buchrezension, die Teil einer kleinen Reihe über "Jugend in den 80ern" werden soll. Die Deutschpunk oral history "Verschwende deine Jugend" von Jürgen Teipel. Ein spannender und erschreckender Bericht. Ich hatte das Buch vor einem Jahrzehnt kurz nach dem Erscheinen gelesen und war beim Wiederlesen etwas erschreckt (so ging es mir noch bei ein paar anderen Büchern, die ich für die Reihe wiedergelesen habe). Aber als Freund des KFC (ehrlich gesagt, nach der Lektüre des Buches gibt es nicht mehr viele Rechtfertigungen für diese Freundschaft) muss ich es natürlich mögen. Passend dazu dann später der KFC mit "Nachts scheint die Sonne". Ein schönes, fast prophetisches Spätwerk einer Band, die zu diesem Zeitpunkt schon komplett menschlich ruiniert war. Zu "Jugend in den Achtzigern" passt auch Bov Bjergs Roman Auerhaus. Meinen Blogbeitrag dazu muss man nicht lesen, das Buch selbst allerdings schon. Zum Geburtstag von John Coltrane  eine schöne Aufnahme mit dem klassischen Coltrane-Quartett. 88 wäre er jetzt erst. Weiter geht's mit etwas Amipunkgeschichte, Saccharine Trust, die eigentlich dann doch lieber Jazzer gewesen wären. We became snakes ist ein klassisches Album, das vor dreißig Jahren irgendwie untergegangen ist. Tolle Platte (ich muss zugeben, dass ich derzeit niemand kenne, der diese Vorliebe mit mir teilt). Mit Jazz geht es weiter und zwar mit Sonny Rollins. Den großen alten Mann muss ich mir das nächste Mal, wenn er wieder unterwegs ist, dann doch noch einmal ansehen. Es geht weiter mit meinem "Vor 100 Jahren"-Projekt, in dem ich mit 100 Jahren Abstand die Ausgaben der Fackel von Karl Kraus kurz vorstelle. Nachdem Kraus im ersten Kriegsjahr nur wenig publiziert hatte, beginnt jetzt eine sehr produktive Phase. Wenn ich nicht wieder die nächsten Ausgaben verpasse, wäre das ein Projekt, dass man bis 2036 weiterführen könnte. Hoffen wir, dass die Jahre in diesem Jahrhundert nicht so ereignisreich werden wie die im letzten. Im Anschluss ein Entspannungsvideo von einem Menschen, der mit einer Küchenmaschine Iphones schreddert. Verschafft mir aus irgendwelchen Gründen eine tiefe innere Ruhe. Danach eine kurze Würdigung der eher als obskur zu bezeichnenden Band The Hated, nebst einer biograrischen Reminiszenz aus den Achtzigerjahren. Wunderbare verhobene Liedskizzen. Weiter mit Punkhistorie, die Bad Brains, erste schwarze Punkband, die wirklich musikalisch völlig neue Wege beschritten haben, gescheitert dann aber an religiösem Wahnsinn. Ein kurzes Kopfnicken zu Hüsker Dü, mit Books about UFOs. Nachdem hier die ganze Zeit irgendwelche außerirdischen Themen angesprochen werden, das passende Liedchen. Dann eine kurze Würdigung von Javier Mayoral, die jedem, der für kleines Geld originelle und schöne Kunst erwerben will, nur empfohlen werden kann. Bevorzugt Leute, die von dem Titel "Ein unnötiger Zaubertrick von Jean Paul Sartre" nicht abgeschreckt werden. Zum Abschluss dann ein weiteres Verbrechen auf Schallplatte, Karel Gott covert die Stones und das geht für alle Beteiligten nicht gut aus. 

Ich hoffe, dass ich diese thematische Streuung auch in der nächsten Zeit durchhalte, es gibt einige Dinge, die geschrieben werden müssten, für die mir aber momentan die Zeit fehlt. Wie üblich kann man die kommentierten Inhaltsverzeichnisse des Zweitblogs komplett ansehen, wenn man auf den Tag "Nebenzimmer" klickt. 

Montag, 2. November 2015

Akte X


(Dieser Post muss nicht kommentiert werden. Alles was man dazu sagen kann oder muss, wurde schon hier gesagt.)

Sonntag, 1. November 2015

Auf der Straße

(Zugleich ein Beitrag für Rosen-Ruthies "I see faces"-Projekt)


Es wird wieder kalt auf den Straßen und wenn Ihr gemütlich im Warmen sitzt, nehmt Euch  bitte einmal eine Viertelstunde Zeit, um diesen Text des Kiezneurotikers zu lesen.