Everybody's fucked in his own special way

Mittwoch, 27. Januar 2016

Bedeutende Dienstreisen (4)

(Ja, ich weiß, aber gerade ist nichts Spannenderes los hier.)

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Im Taxi läuft "Arno und die Morgencrew", quälend, quälend. Um 5.40 Uhr am Flughafen, am Gate trotzdem schon einige Leute. Mir gegenüber eine englische Familie, der etwa vierjährige Sohn nimmt seine Pflichten besonders ernst und kotzt bereits in die Lounge. Neben dem möchte man beim Flug eher nicht sitzen. 

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Beim Boarding kurz den Mantel verstaut und ein Blick auf meinen Platz. Oh... war ja klar gewesen (der Flug bleibt aber störungsfrei). Die aufgehende Sonne lässt ihr Licht zwischen den Wolkenmassen wie flüssige Lava fließen. Wie üblich ist die Telefonkamera nicht in der Lage, den Eindruck auch nur annähernd wieder zu geben, aber eigentlich halte ich das ja für richtig. Abbilder sollten der Realität nicht zu ähnlich werden, das verwirrt nur. Die wirklichen Wunder sind bei mir im Kopf gespeichert. 

Zunächst eine dichte Wolkendecke, beruhigend für die Augen. Da fällt mir etwas auf, was ich so noch nicht gesehen habe. In einer Wolke sieht man ein goldenes Glimmen, als sei dort eine helle Glut oder ein Topf voll Gold versteckt. Zunächst kann ich's mir nicht erklären, aber die Antwort ist recht einfach: Die Wolkendecke hat kleine Risse, durch die man die Lichter der Orte tief unter den Wolken glitzern sehen kann.  Schön.


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Während die Sprüche an den Berliner Mülleimern eher defätistisch sind, versucht Frankfurt mich emotional aufzubauen.

Nützt nicht so richtig, auch Kollege S., den ich ermuntere, sich nach der Aufforderung zu richten, bemängelt, dass er sich in meiner Gegenwart dazu nicht in der Lage fühle. 

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Ich erzähle irgendeinen Kram, an den Fragen kann ich nicht so richtig erkennen, ob es für das Publikum noch zu früh war oder ich zu unverständlich. In alter Tradition der Dienstreisen-Posts ein irrelevanter Hinweis auf irgendwelche Inhalte der Expedition: Ich erfahre einiges über IT-Sicherheit und verstehe in ebenfalls guter Tradition kein Wort davon. 

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Während des Tages eine Geschichte über Kollegen M. gehört. Normalerweise gehört es zu meinen Voraussetzungen, um einigermaßen bei Verstand zu bleiben, sich von nichts, was von dieser Person kommt, irgendwie berühren zu lassen, sondern das Geschehen so zu betrachten, als wäre es eine alte geschichtliche Aufzeichnung. Erstaunlicherweise gelingt mir das heute für eine Viertelstunde nicht und ich ärgere mich, obwohl ich doch in der Zeit viel schöner die Wolken betrachten hätte können.

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Am Flughafen Tegel stehen vor dem Burgerking ein paar Männer in glitzernden Anzügen und diesen Elferratshüten. Wie immer, wenn ich Karnevalisten sehe, fällt mir auf, wie ernsthaft diese Menschen sind. Und wie akkurat die Bärte gestutzt sind. Kurze Überlegung, ob ich aus dem Hinterhalt ein Foto machen sollte, entscheide mich aber dagegen und schäme mich dann für den Gedanken. 

Kommentare:

  1. Stirbt ein Bediensteter während seiner Dienstreise, so ist damit seine Dienstreise beendet.

    unbekannt

    ...hast aber schon -> den HIMMEL gesehen (ړײ)

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    1. Bei meinem Bruder in der WG hing lange Zeit eine Postkarte am Küchenschrank auf der stand: "Die beste Reise machen Sie zuletzt." Da hoffe ich ja ein bisschen drauf.

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  2. Ich erinnere mich an viele schöne Dienstreisen vom Zentralflughafen, z.B. nach Wien, über dessen Lebensrhythmus ich einen Aufsatz schreiben sollte. Mit Turboprop-Maschinen flog man so flach über diese Scheibenwelt, dass man permanent die Landschaft unter sich sehen konnte. Großartig!

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    1. Ich bin von Tempelhof auch noch ab und zu mit Propellermaschinen irgendwohin geflogen, teilweise waren da nur knapp 10 Plätze. Lang ist's her. Schlechtes Wetter sollte da besser nicht sein.

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  3. Ohoh, ich las "Bürgerkrieg" statt "Burgerking"... Gab es schon mal einen Beitrag über Erwartungsfehler?

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    1. Noch kein Burgerkrieg am Flughafen Tegel, bleibt hoffentlich so. Die Verleser lassen tief blicken....

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    2. Na, sagen wir mal so: Die neue Arbeit im Publikumsverkehr ist eine große Herausforderung, wenn gleichzeitig Vollmond ist, ganz Berlin menstruiert und jeder zweite Kunde sagt: "Das habe ich doch immer so gemacht"... (Anmerkung d. Red: schon immer falsch, heißt das)!

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    3. (Vielleicht gewöhnt man sich daran?)

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  4. Mir gefällt die Serie "Dienstreisen" wirklich gut. Das Ungesagte, das Aussparen der dienstlichen Details macht eine Geheimmission daraus ^_^ Für mich sinds eine Art Roadmovies...

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