Everybody's fucked in his own special way

Montag, 7. März 2016

Bedeutende Dienstreisen (9)

Motto: "Something is happening here, but you don't know what it is or do you, Mr. Ackerbau?" (Bob Dylan). (Der heutige Reisebericht ist eher okkulter Natur.)

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In der S-Bahn zur Beusselstraße. Ein älterer Asiate steigt ein, nimmt sein Handy und beginnt zu telefonieren. Er redet laut und nach einiger Zeit stelle ich fest, dass er deutsch redet. Irgendetwas scheint ihn sehr aufzuregen: "Lug und Betrug! Lug und Betrug! Ich bin Berliner, wo sind die Millionen? Russenmafia, jaa. Deutsche Beamten, Arscheloche. Interpol, Lug und Betrug? Hahaha, Probleme mit Drogen? Millionär, Millionär!" Er redet unentwegt die gleichen Sätze, ich kann nicht entscheiden, ob er weiß, was er da redet, oder nur Gehörtes nachplappert. Aber er streut immer meckerndes Lachen in das Telefonat, so als rede er über lauter Idioten und sei der einzige, der die Sache durchschaut. "Lug und Betrug. Hahahaha. Deutsche Beamte, wo sind die Millionen?" Ich bin inzwischen überzeugt, dass er gar nicht telefoniert, sondern das Handy nur als Vorwand hat, die Sätze in den Waggon zu schreien. Man ist ja viel gewohnt in der S-Bahn, aber das war bei weitem das Gruseligste, was ich in der letzten Zeit gehört habe. 

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Der Himmel am Flughafen Tegel zeigt deutlich, dass die Machthaber die Matrix nicht mehr im Griff haben. Es gibt Lücken in der Realitätssimulation. (Eigentlich wollte ich ja deshalb als Motto ein Zitat aus "Eight Miles High" von den Byrds nehmen, aber die singen ja "signs in the streets" und nicht "signs in the sky", Blödsinn eigentlich bei einem Lied über einen Flug. Eight Miles High ist ja ein unglaubliches Lied, diese Mischung aus Gitarre, die das Free Jazz-Saxophon nachahmen will, deutlich hörbar bei der 17 Minuten Liveversion auf der Untitled, und den Folk-Harmonie-Chören der wunderbaren Melodie, noch einmal gedreht in der unglaublichen Coverversion von Hüsker Dü, wo aus der Harmonie der Schrei der gequälten Kreatur... äh... zorry, falscher Blog, tut mir leid.)

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Der Flughafen Köln-Bonn versucht mich  zu warnen: Augen auf! Gefahr lauert überall! Noch wusste ich nicht, dass die nächsten Tage noch ganz andere als diese drei Gefahren bereit hielten. 

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Auf der Autobahn durch NRW. Wir überholen das Kanalauge (kurze Verneigung vor Torsten, dem Erfinder der FvRvLKW. Hier nur Transporter mit Anhänger). Leider habe ich Internetabstinenz und mein Lexikon des Aberglaubens nicht dabei, sonst hätte ich rausfinden können, ob das Kanalauge Unglück bringt.)

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Rechtzeitig zur Sitzung. Wie üblich kein Fortschritt zu den Fragen, für die man sich eigentlich getroffen hat, aber am Rande ein völlig irrelevanter ausgedehnter Streit darüber, ob ein alter Gartenstuhl Sperrmüll sei. Ich habe die Gelegenheit, von Ferne Weltkulturerbe und eine CO2-Schleuder zu sehen (weiß jetzt gerade nicht mehr, was was war). 

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Die folgenden Fotos entstanden beim nächtlichen Stadtrundgang, ich kann sie im Nachhinein auch nicht mehr erklären.

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Beim sehr guten Abendessen bin ich der einzige, der auf Alkohol und auf Nachspeise verzichtet, obwohl alles sehr lecker aussieht. Nein, nicht der einzige, neben mir sitzt noch ein Mann, der etwa ein Vierteljahrhundert älter ist. Er erzählt mir, dass der Alkohol die Nerven in seinen Beinen beeinträchtigt, so dass er vom Saufen taube Beine bekäme. Allerdings hätte er in seinem Leben auch schon genug getrunken, so dass es auch nicht so schlimm sei. Wir prosten uns mit Pfefferminztee und Wasser zu. 

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Vor dem Hotel sehe ich dieses rührende Bild bürgerschaftlichen Engagements. Wage nicht, mir auszumalen, wie es ohne die Patenschaft aussehen würde. 

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Wieder zurück in Berlin. Die Beusselstraße zeigt, dass die Machthaber die Matrix immer noch nicht reparieren konnten (Herr der Ringe-Fans können an diesem Bild erkennen, wer hinter dem Ganzen steckt).

Kommentare:

  1. -> HERRLICH <- unterhaltsamer POST/Beitrag (ړײ)

    „What is „real“? How do you define „real“?“
    (Zitat aus „The Matrix“)

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  2. Positiv ist doch, dass es am Flughafen Köln-Bonn keine Absturzgefahr gibt. Gefahren lauern nur auf Menschen, die gerade nicht in einem Flugzeug sitzen.

    Fun Fact 4 Fans: Laut Versicherungsstatistik ist das Gehen auf ebener Erde die sicherste Fortbewegungsart.

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    1. So hatte ich das noch gar nicht gesehen...

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  3. Das ist doch kein Warnschild am Flughafen. So machen die immer, wenn sie im Flugzeug die Sicherheitshinweise in Gebärdensprache vorführen... *vielleicht*

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    1. Du bist auf lustigeren Flügen als ich...

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    2. Ich fliege immer mit der noch unbekannten Fluggesellschaft Air Obic, wo sie so lustige Sicherheitshinweise in Zumba-Manier tanzen. Ganz unterhaltsam, ja, vor allem für Gebärdedolmetscher.

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  4. Mich beschäftigt die Grünanlagen-Patenschaft: Nimm doch immer ein Tütchen Senfsamen o.ä. mit, damit es dort wirklich grün wird - fänd ich schön.
    Ja, ich weiß, Du bist nicht der Pate, sonst ständen da andere Pflanzen.

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    1. Die Paten werden schon Schönes anpflanzen - gerade ist es noch zu früh. Das Bild war (wie vieles hier) hochgradig unfair.

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