Everybody's fucked in his own special way

Freitag, 8. April 2016

Besuch im Nebenzimmer (18)

Was war denn in den letzten Wochen im Zweitblog los? Viel Musik, nicht ausschließlich der merkwürdigen Sorte. Und leider zu viele Nachrufe.
(Kommando "Reibekuchen")

Es beginnt mit einem Filmchen der von mir ja geschätzten Cyanide & Happiness. Zunächst die Ballade vom "Railroad Man", gefolgt von einer Nachrichtensendung am Tag der Apokalypse. Meine Begeisterung für die geschmacklosen Spaßvögel können anscheinend nicht viele teilen, aber: Jeder mit einem Amazon Prime-Account muss sich zumindest einmal diesen Kurzfilm ansehen. Dann ein Nachruf, auf die jüngst verstorbene Vi Subversa, Sängerin der Poison Girls. Verlinkt ist einer der schönsten Auftritte einer 80-Jährigen, den man im Netz finden kann. Nicht geschafft habe ich es, einen Nachruf auf Eric Hysteric zu schreiben, Frankfurter Mastermind hinter den Vomit Visions, Eric Hysteric & the Esoterics und dem Durstigen Mann, der auch neulich gestorben ist. Nie werde ich den Beilagezettel zu der ersten LP vergessen, auf dem stand: "Wenn Eric Hysteric eine Botschaft hätte, würde er sie per Post versenden. Und dann ganz sicher nicht an dich." Es geht weiter zurück in die 80er, zu einer Sendung des Bayrischen Rundfunks "München in Rock", bei der immerhin Liveauftritte von Bands wie Intimspray und FKK-Strandwixer zu sehen sind. Die Sendung ist von mir kenntnisreich kommentiert. Ja, auf geht's in die 80er, zu Liedern wie "Tote Omas fliegen tief" oder "Verpiss dich". Für mich eine neue Erfahrung, dass eine sehr zaghafte Bandbeschimpfung im Post einen geschätzten Besucher dazu gebracht hat, die geschmähte Band zu googeln. Dann eine kurze Bemerkung zu den Untertiteln bei Youtube, die manchmal etwas rätselhaft sind. Vorgeführt am Beispiel von zwei Otto Reutter-Liedern, auf die mich Michali aufmerksam gemacht hat. Rätselhaft ist, dass das bei weitem der am meisten besuchte Post im letzten Monat ist, da waren etwa 15 mal so viele Besucher wie beim "Eisenbahnmann". Liegt es am Titel "Herrschaft der Maschinen", der irgendetwas Bedeutsames oder Kulturkritisches verspricht? Vielleicht lockt ein solcher Titel aber ja auch Spambots an? Ich weiß es nicht. Weiter geht es zu den Byrds mit "Eight Miles High", nebst Würdigung der Hüsker Dü-Coverversion (beide Versionen machen mich regelmäßig fassungslos). Als Nachklapp zu dem München in Rock-Post ein Lied von a+p, die auch auf das Konzert gepasst hätten. "Flieg mit der Lufthansa nach Sumatra, lieg faul am Strand, von der Sonne braun gebrannt." Vor fünf Jahren ist auch Zoogz Rift gestorben, ein merkwürdiger bemerkenswerter Musiker, der Platten mit Titeln wie "Insel der lebenden Kotze" herausgebracht hat. Sehr merkwürdiger Jazz, aber durchaus, sagte ich es schon?, bemerkenswert. Wesentlicher leichter zu verdauen sind Gene mit "We could be kings", ein Lied zu dem ich einmal in Schottland Geschirr abgespült habe, jeder wird begreifen, dass das zu einer tiefen emotionalen Bindung führt. Ich bin begeistert, dass zumindest eine sehr geschätzte Leserin hier meine Begeisterung (für die Band, nicht für das Geschirrspülen) teilt. Auch schön zu hören sind natürlich immer die Monkees, hier mit einem Lied, das man überraschender Weise als Proto-Punk ansehen muss. Seht und hört selbst. Die Minutemen spielen das Lied vom kleinen Mann mit dem Gewehr in der Hand, das auf wenige Zeilen mehr erklärt als tausende Zeitungsartikel. Am 27.3. eine kurze Erinnerung an Jelly Roll Morton mit "Dr. Jazz". Vor 20 Jahren ist Jeffrey Lee Pierce, der Mann, den einige Bandmitglieder am liebsten mit dem Golfschläger erschlagen hätten, gestorben. Mir fehlt er, aber es gibt noch seine Musik, die aus der Zeit gefallen erscheint. Vor über 30 Jahren kamen die Damned im Bayerischen Rundfunk, nun habe ich das Lied auf Youtube wieder gefunden. Gitarristen in Küken-Pullovern! Flausch und Puscheligkeit! Häßliche Leute und schöne Musik! Und zuletzt noch ein Toter, Merle Haggard, der mit 79 Jahren gestorben ist. Knastbruder und Verfasser einiger der reaktionärsten Countrysongs ever. Er ruhe in Frieden. 

(Die gesammelten Inhaltsverzeichnisse des Zweitblogs findet man wie immer unter dem Tag "Nebenzimmer")

Kommentare:

  1. Da ich mich generell nicht in NEBENZIMMERn aufhalte ...hüstel (ړײ)
    haste MIR - für heute - aber genug MUSIK mit auf den weg gegeben... und zum Lesen auch -> DANKEschöön ♥ mit Gruß & Kuss ☞ Annette ✿

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Deswegen ist's ja ein Nebenzimmer, um die braven Gäste nicht zu belästigen...

      Löschen
  2. Ja, vielen dank auch für die geschätzte Leserin. Hier noch ein Link auf einen recht gehaltvollen Musikblog ( machmal bisschen zuviel Ambient ..., aber sonst sehr hörenswert. Kennste bestimmt schon. Wenn nicht, hier : http://www.nicorola.de/hers-dorothy-zwischen-euphorie-und-traenen/ LG Gitta

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Kannte ich noch nicht, sieht ganz interessant aus. Und es gibt zumindest ein Lied, das dort und auch bei mir auftaucht...

      Löschen