Everybody's fucked in his own special way

Donnerstag, 5. Mai 2016

Bedeutende Dienstreisen (12) - Die zwei Türme

Motto: Bert Brecht - Der Radwechsel

Auf dem Weg nach Tegel, warten an der Beusselbrücke. Der TXL-Bus kommt nicht, obwohl schon über 20 Minuten vergangen sind. Viele Leute warten, die ersten werden nervös und versuchen Taxis anzuhalten, die über die Beusselstraße fahren. Leider kommen hier nur lauter Taxis vorbei, die schon besetzt sind. Endlich kommt ein Bus, er hält, aber er ist praktisch schon voll. Kein Durchkommen. Fünf Minuten später der nächste, auch hier komme ich nicht hinein. Langsam wird es knapp. Beim dritten ist endlich Platz. Leider muss ich mir noch eine Bordkarte holen, in Tegel eine lange Schlange vor dem Check-in-Schalter. Ich gehe zum Priority-Schalter und lasse mich nicht wegscheuchen. Zwei joviale Geschäftsreisende lassen mich freundlich vor, weisen aber darauf hin, dass die Reisenden vor mir schon seit ca. 10 Minuten am Schalter stünden. "Entweder der Typ am Schalter ist bekloppt oder die wollen die Airline kaufen." Als ich endlich dran bin, kann er mir keine Bordkarte geben, begleitet mich aber zu einem anderen Schalter. Als ich in der Sicherheitskontrolle stehe, höre ich meinen Namen im "Last call" durchgesagt. Da es aber eigentlich immer relativ wurscht ist, ob ich zu meinem Ziel komme oder nicht, bin ich relativ ruhig. Allerdings müsste ich, wenn ich den Flug verpasse, wohl wieder zurück ins Büro und hätte gleich ein Meeting.  Ich schaffe es aber gerade noch, ernte missbilligende Blicke der anderen Passagiere, die in dem Bus auf mich warten mussten. Im Bus liegt ein leichter Geruch nach schalem Bier. Ich stelle fest, dass ich nicht die Jacke anziehen hätte sollen, die ich schon auf dem Skeptiker-Konzert anhatte. 

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Ankunft in Saarbrücken, auf dem Flugplatz steht bereits eine große Bundeswehrmaschine, an der Reihen von schwarzen Limousinen vorbeifahren. Später erfahre ich, dass kurz vor mir der BuPrä mit ein paar hundert Diplomaten angekommen ist. Immerhin werde ich auch abgeholt, wenn auch nicht ganz so formell.

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Ich bekomme ein Mittagessen spendiert, im Schatten von Industriedenkmälern. Beides gefällt mir gut.


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Ich erledige meine Aufgabe und mache mich auf zum Bahnhof. Nichts schöner, als mit dem Regionalexpress mit dreimal Umsteigen durch die Republik zu gondeln. Im ersten Zug in etwas Entfernung zwei junge Frauen, die in ihre Handys hacken. Plötzlich hält es die eine nicht mehr aus: "Hier riecht's total nach Scheiße" - "Kicher, kicher, kicher." - "Riechst du das nicht?" - "Kicher, kicher, kicher." - "Mann, tauschen wir mal die Plätze, wenn du das nicht riechst." - "Kicher, kicher, kicher." - "Oder ist das dein Parfüm?" - "Kicher, kicher, kicher." Leider steigen die beiden aus, bevor sich die Sache vollständig klären lässt.

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Seltsame Dinge begeben sich auf der Bahnfahrt: 

Winden (Pfalz)

Neustadt an der Weinstraße

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In Pforzheim empfängt mich ein Bahnsteig, wie er sein sollte:



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Erstaunlich gutes Hotel,  erstaunlich gutes Wetter. Ich gehe ein bisschen an der Enz spazieren. Pforzheim zeigt sich von der malerischen Seite. 

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An den Namen der Läden muss die Stadt allerdings noch arbeiten:

(Spannender ist allerdings, dass das Haus einem zuzwinkert.)

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Dieses Schild gefällt mir besonders gut, wegen der gewissen eindringlichen Redundanz der Aufforderung. Noch besser wäre es natürlich, wenn am Schluss noch "Jetzt ehrlich. Also ohne Scheiß." stünde. 

(Es muss aber demütigend sein, wenn man nur "Geschäftsführung 2" ist.)

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Ich sitze in der Dämmerung am Ufer der Enz und lese im Internet, dass die gute Friederike über den geheimen Friedhof der Eichelhäher nachsinnt. Gut, dass ich alle wichtigen Dinge auf meinem Handy gespeichert habe und aushelfen kann.

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Bei dem Meeting am nächsten Tag treffen zwei beleidigte Gruppen aufeinander. Es folgt das erwachsene Äquivalent des Kindergarten-Sandkastenstreits. Nachdem alle erklärt haben, dass die anderen zuerst mit dem Schäufelchen zugeschlagen haben, kommt der Satz, für den sich die Reise eigentlich gelohnt hat. Man regt sich über irgendetwas auf und führt aus: "Das ist doch nicht tragfähig. Das kann doch nicht funktionieren, das wird ja von Berlin gesteuert." Konsternierte Blicke, weil ich plötzlich lauthals lachen muss. 

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Ereignisloser Rückflug, auf dem Rollfeld in Tegel kann ein Fuchs gerade noch vor dem Flugzeug ausreißen. 

Kommentare:

  1. Lebe nie, ohne zu lachen. Denn es gibt Menschen, die von deinem Lachen leben.

    Autor: unbekannt

    -> in diesem SINNE -> alles GUTE zum heutigen -> so himmlischen Vatertag (ړײ) *tollerBeitragmitWortundBild-WITZ*

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  2. Bin ich froh, dass die Menschen endlich sehen, dass immer alles aus Berlin kommt! O je,.." bei Licht betrachtet, sind wir immer noch die alten Affen...", wer schrieb das?
    Schön dass diese Reise so unterhaltsam war.

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    1. Erich Kästner muss ich nicht googlen....
      Wenn man Spaß an stundenlangen Regionalexpress-Reisen und der Architektur Pforzheims hat, dann wird alles unterhaltsam. Aber das ist meine Superkraft.

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  3. Dein Dienstreisenbericht (was für ein Wort) ist so amüsant...Und die Haltestelle Beusselstrasse meide ich nach Möglichkeit, da habe ich auch schon Stunden zugebracht.

    LG
    Elke

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    1. Meine internen Berichte sehen dann doch meist anders und nicht so amüsant aus. Bei der Beusselstraße hatte ich eigentlich meistens Glück, so langsam muss ich aber die notwendigen Zeiten noch einmal überdenken, damit ich nicht doch einmal den Flug verpasse.

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