Everybody's fucked in his own special way

Sonntag, 31. Januar 2016

Rostiges Werkzeug

(Zugleich ein Beitrag für Frau Tonaris "Rost-Parade"-Projekt.)


Vor knapp zwei Jahren ging die Rost-Parade los und mein erstes Bild war ein rostiger Rechen, aus einem Thüringer Klostergarten. Der Januar war jetzt der erste Monat, in dem ich bei meinen ganzen merkwürdigen Bildern, die ich auf meinen Wegen aufnehme, keinen Rost dabei hatte. Zum einen eine Nachwirkung davon, dass es auf der Invalidenstraße keine Baustellen mehr gibt, aber es liegt auch daran, dass ich wahrscheinlich die meisten Rostmotive, die sich innerhalb meines beschränkten Berliner Wirkungskreises befinden, irgendwann schon aufgenommen habe.

Also dachte ich, dass ich dann eben mal bei uns in der Garage nach rostigem Gartengerät nachsehe, nach knapp zwei Jahren kann man das ja noch einmal machen. Nun ist es grundsätzlich keine gute Idee, im Winter in unsere Garage zu gehen, in die schon von Anfang an kein Auto mehr reinpassen würde. Zu meinem Erstaunen sah auch unser Gartengerät noch recht ordentlich aus, einen rostigen Rechen wie aus dem Klostergarten konnte ich nicht finden. Also halten wir uns an meine fleißige Gartenschere, die  an verschiedenen Stellen rostet. Nicht mehr die neueste, optisch etwas beeinträchtigt, nicht richtig sachgemäß gelagert und behandelt, aber grundsätzlich noch brauchbar und wenn schon nicht sonnig, dann doch ein heiteres Gemüt - mein Gartenscherchen und ich haben so einiges gemeinsam.

Zum rostigen Rechen hatte ich damals passend das Lied "Rusty Rake" der kanadischen Punkveteranen SNFU verlinkt, von mir damals als säkulares Danklied beschriebe, eines das  ich seit langer Zeit vor mir hinsinge, wenn ich nicht so recht weiter weiß. Im Text bittet der Sänger, ihm doch einen rostigen Rechen über den Kopp zu hauen, wenn er sich über etwas beklagen sollte, denn es sei ja nicht so, dass er auf der Straße lebte oder in einem Kriegsgebiet, es sei doch nicht so, dass er sich kein Essen leisten könnte oder kein Zuhause hätte. Ich hatte bei dem Lied immer mehr über die persönlichen Schläge nachgedacht, von denen man verschont geblieben ist, aber in den letzten zwei Jahren sind die Dinge, die in dem Lied genannt werden, doch um einiges näher gerückt. 

Also: Haut mir die Gartenschere über den Kopf, wenn ich mich über mein Los beklagen sollte. 
  

Freitag, 29. Januar 2016

Business Kasper

Anne hat in den Kommentaren geschrieben, dass sie die Dienstreise-Posts wegen des Aussparen der dienstlichen Details gerne liest. Das hat mich ein bisschen zum Nachdenken gebracht, wahrscheinlich ist das aber auch das, was mir beim Schreiben Spaß macht, bei der Beschreibung des Tages den eigentlichen Grund für die Reise komplett im Dunkeln zu lassen (sofern es Hinweise gibt, sind es regelmäßig zwar zutreffende, aber komplett irreführende Details). Meine Tätigkeit ist jetzt nicht so geheimnisvoll, dass ich nicht darüber schreiben könnte, ohne mich strafbar zu machen oder dem Bann der internationalen Geldfälscher-Community zu verfallen, aber ich lasse diese Aspekte hier im Blog aus verschiedenen Gründen besser weg. Das Erstaunliche ist, dass die Dienstreise-Posts, die wohl jetzt schon nicht der große Spannungsträger sind, bei einem vollständigem Bericht aber definitiv todlangweilig wären. Alte Faustregel: Normalerweise ist man selbst der einzige, der seinen Beruf spannend findet. Noch erstaunlicher ist, dass die eigentlichen Anlässe der Reisen im Rückblick tatsächlich auch egal werden, insofern sind die Berichte dann schon fast wieder vollständig. Es ist eben aus verschiedenen Gründen ab und zu nötig, persönlich irgendwo hinzuzockeln. Nicht alle Gründe dafür sind nachvollziehbar, aber so lange man noch ein Dienstreisenbudget hat, fährt man halt irgendwohin. 

Road Movies ergeben sich dabei allerdings nicht. Beim Road Movie bricht man ja zu einem fernen Ziel auf und erfährt auf dem Weg allerlei Läuterung. Ich breche auf und bin innerhalb von maximal 36 Stunden wieder zurück, nix hat sich geändert, aber ich konnte vielleicht ein paar Wolken ansehen. Keine Entwicklung, keine Entfernung, Bewegung nur im Kreis. 

Mittwoch, 27. Januar 2016

Bedeutende Dienstreisen (4)

(Ja, ich weiß, aber gerade ist nichts Spannenderes los hier.)

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Im Taxi läuft "Arno und die Morgencrew", quälend, quälend. Um 5.40 Uhr am Flughafen, am Gate trotzdem schon einige Leute. Mir gegenüber eine englische Familie, der etwa vierjährige Sohn nimmt seine Pflichten besonders ernst und kotzt bereits in die Lounge. Neben dem möchte man beim Flug eher nicht sitzen. 

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Beim Boarding kurz den Mantel verstaut und ein Blick auf meinen Platz. Oh... war ja klar gewesen (der Flug bleibt aber störungsfrei). Die aufgehende Sonne lässt ihr Licht zwischen den Wolkenmassen wie flüssige Lava fließen. Wie üblich ist die Telefonkamera nicht in der Lage, den Eindruck auch nur annähernd wieder zu geben, aber eigentlich halte ich das ja für richtig. Abbilder sollten der Realität nicht zu ähnlich werden, das verwirrt nur. Die wirklichen Wunder sind bei mir im Kopf gespeichert. 

Zunächst eine dichte Wolkendecke, beruhigend für die Augen. Da fällt mir etwas auf, was ich so noch nicht gesehen habe. In einer Wolke sieht man ein goldenes Glimmen, als sei dort eine helle Glut oder ein Topf voll Gold versteckt. Zunächst kann ich's mir nicht erklären, aber die Antwort ist recht einfach: Die Wolkendecke hat kleine Risse, durch die man die Lichter der Orte tief unter den Wolken glitzern sehen kann.  Schön.


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Während die Sprüche an den Berliner Mülleimern eher defätistisch sind, versucht Frankfurt mich emotional aufzubauen.

Nützt nicht so richtig, auch Kollege S., den ich ermuntere, sich nach der Aufforderung zu richten, bemängelt, dass er sich in meiner Gegenwart dazu nicht in der Lage fühle. 

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Ich erzähle irgendeinen Kram, an den Fragen kann ich nicht so richtig erkennen, ob es für das Publikum noch zu früh war oder ich zu unverständlich. In alter Tradition der Dienstreisen-Posts ein irrelevanter Hinweis auf irgendwelche Inhalte der Expedition: Ich erfahre einiges über IT-Sicherheit und verstehe in ebenfalls guter Tradition kein Wort davon. 

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Während des Tages eine Geschichte über Kollegen M. gehört. Normalerweise gehört es zu meinen Voraussetzungen, um einigermaßen bei Verstand zu bleiben, sich von nichts, was von dieser Person kommt, irgendwie berühren zu lassen, sondern das Geschehen so zu betrachten, als wäre es eine alte geschichtliche Aufzeichnung. Erstaunlicherweise gelingt mir das heute für eine Viertelstunde nicht und ich ärgere mich, obwohl ich doch in der Zeit viel schöner die Wolken betrachten hätte können.

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Am Flughafen Tegel stehen vor dem Burgerking ein paar Männer in glitzernden Anzügen und diesen Elferratshüten. Wie immer, wenn ich Karnevalisten sehe, fällt mir auf, wie ernsthaft diese Menschen sind. Und wie akkurat die Bärte gestutzt sind. Kurze Überlegung, ob ich aus dem Hinterhalt ein Foto machen sollte, entscheide mich aber dagegen und schäme mich dann für den Gedanken. 

Dienstag, 26. Januar 2016

Warten auf den TXL-Bus (3)

Auf Schienen starren kann man auch, wenn gerade kein Tag der urbanen Schönheit ist. Ausnahmsweise mal etwas weiter nach links gegangen an der Beusselstraße, damit sind die Behala-Gebäude besser im Bild. Mit dem Schnee auf dem Schienen ist es ein besonders schöner Anblick.


Mir gefällt auch dieser Blick in die Ferne, wie auf eine alte Stadt mit großen Türmen und grünen Feuern. 

(Irgendwie erinnert mich das Bild an den "Herrn der Ringe", weiß auch nicht warum)

Montag, 25. Januar 2016

Crushed Ice


(Einer der schönen Nebeneffekte der tiefen Temperaturen ist, dass man sich das Eis auf den Flüssen ansehen kann. Auf der Spree ist es schon wieder gebrochen und ergibt Bilder wie Satellitenfotos der Ozeane....) 

Sonntag, 24. Januar 2016

Gestalten aus einem halben Jahrtausend (2)

Vor 500 Jahren ist Hieronymus Bosch gestorben, ein faszinierender und rätselhafter Maler, der weder in das 15. Jahrhundert noch in das 21. Jahrhundert zu passen scheint.

Über die Deutung seiner Gemälde streiten sich die Gelehrten, ich möchte mich in diesem Jahr auf anderem Weg dem Meister nähern. Bosch ist vor allem bekannt für die Vielzahl von bizarren Figuren, die seine Bilder bevölkern, Chimären wie aus Fieberträumen entstiegen. Ein paar von denjenigen, die mich am meisten beeindrucken, möchte ich hier vorstellen. Um die Gestalten in die Neuzeit zu bringen, habe ich mich an Nachbildungen versucht. Ich hoffe, dass das nicht als Sakrileg verstanden wird.

Das Tryptichon "Das jüngste Gericht" (auch "Weltgericht") zeigt die typische Bosch-Altarbild-Struktur, links das Paradies, in der Mitteltafel die Erde mit dem Jüngsten Gericht, rechts die Hölle. Wenn man genauer hinsieht, werden beim Jüngsten Gericht allerdings nicht allzu viele Menschen gerettet und das Treiben auf der Erde unterscheidet sich nicht allzu sehr vom Höllenspuk. Etwas links der Mitte der Tafel findet sich die Szene, um die es im Folgenden gehen soll (einen Blick auf das Original findet man hier). 

Man sieht ein metallisch glänzendes Gebilde, das einen zunächst an einen Dampfkessel erinnert, bis einem einfällt, dass es so etwas zu Bosch' Zeiten noch gar nicht gab. Tatsächlich ist es wohl so eine Art überlebensgroße Vase, an deren beiden Seiten große Treträder angebracht sind, die miteinander verbunden sind. Die Treträder sind mit käfigartigen Streben verschlossen, die Außen- und Innenflächen sind mit metallenen Dornen übersät. In den Treträdern sind Menschen, man sieht, wie der eine es antreibt, mit Armen und Füßen; vom anderen sieht man nur den Kopf und eine Hand. Die Arbeit scheint keinem Zweck zu dienen, außer die Menschen zu quälen, beide sind an eine Kette gebunden, die ein anderer Mensch von oben hält und wohl daran zieht. Dieser Vorgesetzte wird selbst nur von zwei dämonischen Gestalten im Uniformrock gehalten, er beugt sich weit aus einer Art Korb, der das Oberteil der merkwürdigen Vase darstellt. Man sieht, dass er auch bald fallen gelassen wird, ein Nachfolger klettert schon durch eine gezackte Öffnung nach, angetrieben oder gequält durch einen Affen, der ihm mit einem Stock in den Hintern sticht. Ein weiterer Mensch sieht durch ein vergittertes Fenster des Gefäßes. 

Alptraumartige Arbeitsszenen, zunächst dachte ich, dass damit aber etwas vorweg genommen wurde, was es erst in späteren Jahrhunderten gab. Mir war nur bekannt, dass man im 19. Jahrhundert in England Gefangene in Tretmühlen gesteckt und mit harter Arbeit zermürbt hat. Allerdings habe ich jetzt festgestellt, dass ein Zeitgenosse von Bosch, der Ingenieur Agricola in einem Buch zum Bergbau auch schon Tretmühlen dargestellt hat. Unabhängig von der historischen Verortung ein zutiefst beunruhigendes Bild. 

Das Blatt ist ein Linoldruck, wobei ich inzwischen einigermaßen aus der Übung bin. Beim Bild habe ich etwas geschummelt, da ich das Foto gespiegelt habe; der Originaldruck ist seitenverkehrt.

Samstag, 23. Januar 2016

Bedeutende Dienstreisen (3)

Letztes Jahr habe ich ja den Vorsatz, über jede Dienstreise zu berichten, nicht durchgehalten. Was ganz gut war, aus verschiedenen Gründen. Aber dieses Jahr mache ich noch einmal einen Anlauf.

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Wie immer stand zunächst die Belehrung im Vordergrund und wie immer konnte ich sehr merkwürdig Dinge erfahren, bei denen mir eigentlich auch nicht klar ist, was ich damit zu tun habe. Aber solange ich dafür gezahlt werde, fahre ich überall hin und höre mir alles an. Kaum zu glauben, was man alles über Abstumpfende Streumittel erfahren kann (wäre auch ein gute Name für eine Funpunk-Band, aber ich bin zu alt für so Zeug). Danach gab es Literatur-Vorlesungen. Und nun dürft Ihr mal raten, aus welchem Büchlein diese nette Illustration ist, die immerhin zum Blog passt (im kurzen Hemdchen Bäume hacken war auch schon immer ein Traum):


(Wer's rausfindet, darf sich etwas wünschen; offizielles Rätsel mache ich nicht, die Frage ist mal wieder zu schwierig....). Auf jeden Fall gibt's im gleichen Buch auch diese netten Gänschen im Haberstroh:


Am nächsten Tag auf dem Weg zum Bahnhof dann auf einmal großes Geschrei. Auf einem kahlen Baum sitzen hunderte von Vögeln, die einen infernalischen Krach machen. Es ist leider noch zu dunkel, um festzustellen, was für Vögel es sein könnten. Kollege S. sagt plötzlich: Das sind doch Wellensittiche. Tatsächlich, die scheinen sehr bunt zu sein. 



(Und so sieht es unter dem Baum aus.)

Es handelt sich tatsächlich um wilde Halsbandsittiche. Ich überlege mal, auch in Pankow ein Pärchen auszusetzen. Dann wird's wenigstens nicht so ruhig, wenn der Flughafen schließt.

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Am Flughafen stelle ich fest, dass ich im gleichen Flug wie Sascha Lobo bin. Das ist ein deutlicher Anwärter für meine Top-Flughafen-Erlebnisse, gleich nach der Begegnung mit Howard Carpendale auf dem Münchner Flughafen und damals, als mich Peter Altmeier in Tegel begrüßt hat, weil er mich mit irgendjemand verwechselt hat. 

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Auf dem Flug ein schöner Blick auf die verschneite Landschaft.


                                                                       
(Merkwürdig, dass im unteren Bild ein chinesischer Drachen versteckt ist.)

Donnerstag, 21. Januar 2016

Moderne Zeiten

Gestern bei Bekannten zu Besuch, deren kleine Tochter das Alphabet rülpsen konnte (naja, zumindest bis G). Zuhause habe ich das J.J. erzählt. Er (mäßig interessiert): "Ach. Ist das jetzt so ein Mädchen-Ding?"

Dienstag, 19. Januar 2016

Vorsätze für's neue Jahr

Frau Kirschblüte war so nett, mir ein Foto zu schicken, auf dem man sieht, wie die Häuserfront neben dem im letzten Post vorgestellten Rasiersalon aussieht. Man muss sagen, auch eine interessante Aufschrift, die mir bei meinem abendlichen Vorbeigehen gar nicht aufgefallen war:


Ob das der gleiche Künstler war, weiß ich nicht. (Längere Erwägungen, wie die beiden Graffiti zusammenhängen könnten, werden aus verschiedensten Gründen hier wieder gestrichen). 

Ich habe tatsächlich auch noch ein Foto von dem Haus rechts neben dem Rasiersalon. Vielleicht grabe ich das auch nochmal aus. 

Pfiffige Dienstleistungen in Kreuzberg


Nachtrag: Die Überschrift stimmt natürlich nicht. Das ist, wie Frau Kirschblüte richtig sagt, Neukölln und nicht mehr Kreuzberg. Die Überschrift in "Pfiffige Dienstleistungen in Kreuzkölln" zu ändern, ertrage ich allerdings nicht.
Zweiter Nachtrag: Das Dienstleistungsangebot hat natürlich Frau Kirschblüte lange vor mir entdeckt und verbloggt. Da sieht man auch das schönere Foto.  Das wird mir eine Lehre sein, irgendetwas südlich von Mitte aufzunehmen

Montag, 18. Januar 2016

Januarernte

Seit Herbst haben wir uns ja nicht viel um den Garten gekümmert, das einzige Gemüse, das blieb, ist der Rosenkohl. Der hat nun auch seinen Frost bekommen, ein paar Stangen sind auch recht gut gewachsen (andere mickern vor sich hin, an mangelnder Bewässerung kann das diesmal dann nicht liegen). Bin mal gespannt, wie er schmeckt. Wir hatten mal eine (nicht sonderlich ertragreiche) Sorte, deren Geschmack viel, viel besser war, als der von gängigem Rosenkohl.



Sonntag, 17. Januar 2016

Wertvolle Vorsätze

Sich nicht so hängen lassen. 

Auch mal die andere Seite sehen.

Nicht immer so verbissen sein (alternativ: Öfter mal schicken Hut tragen).



Samstag, 16. Januar 2016

Jetzt aber!


Diese Blog-Content-Fabrikationsmaschine habe ich in der Invalidenstraße gefunden, jetzt sollte dann wieder der Nachschub an bedeutenden Posts gesichert sein. (Drückt die Daumen. Ihr könnt nicht wollen, dass ich an meinen Entwürfe-Ordner muss...)

(Vielleicht ist morgen mal ein Post über Wombats dran.)

Freitag, 15. Januar 2016

Besuch im Nebenzimmer (16)

Was war die letzte Zeit so im Zweitblog los? Die letzte Übersicht hier war auch schon Anfang November, seitdem sind wieder ein paar erhellende und merkwürdige Posts dazu gekommen. 


Wir beginnen mit Jazz, Aufnahmen von Charles Mingus und seiner Band bei der Europatour vor 50 Jahren. Mingus war ja nicht nur ein extrem guter Bassist und Arrangeur, seine Truppe sah auch noch extrem cool aus. Auch mit 50 Jahren Abstand merkt man, dass das gefährliche Musik war. Danach ein kleiner geschichtlicher Ausflug in die frühen 80er Jahre und wie man sich in der Punkszene in Deutschland gegenseitig viele Briefe geschrieben hat. Ein paar Aufnahmen von überraschenden Brieffunden aus dieser Zeit sind auch dabei. Dann John Coltrane, mit Alabama, einem Lied, das er nach einem Anschlag auf eine Kirche in den Sechzigern geschrieben hat. Ein Trauerlied, leider gibt es gerade viele Anlässe es zu spielen. Auch die Damned singen dann "I just can't be happy today". Im Anschluss mal wieder etwas zu Comics, Peter Bagges "Apocalypse Nerd", eine böse Geschichte über das Überleben in der Wildnis nachdem die Zivilisation zusammengebrochen ist. Ich muss zugeben, dass mir es inzwischen schwerer fällt, das zu lesen als noch vor einigen Jahren. Ausnahmsweise mal wieder etwas eigene Musik. "Grottenstengel" von den Bäckärn. Natürlich habe ich den Tag der urbanen Schönheit auch im Zweitblog begangen, mit einem schönen Lied über Eisenbahnen, mit einem Video mit dicken Männern und vielen Gleisen. Wer R.E.M. mag, sollte sich "Driver 8" ohnehin gleich ansehen, wer die Band nicht mag, auch, weil dieses Lied wirklich das perfekt passende zu dem "Menschen, die auf Schienen starren"-Tag ist. Das Jahr wurde abgeschlossen mit einem Bericht vom Konzert der Hamburger Band Slime, verbunden mit ein paar Reminiszenzen an die frühen Achtziger. Da hier nicht alles zusammen passt, trägt der Post den Titel "Verwirrung". Das neue Jahr beginnt mit einem anderen Veteranen, Henry Rollins hat in der Apostel-Paulus-Kirche gesprochen und ich war dabei. Ganz in die Gegenwart katapultiert uns dagegen der "Raketenrucksack" der Band Peppone, die in der nächsten Woche ein paar Konzerte spielen werden. Zum Abschluss Sonic Boom Six aus Manchester, eine junge Band, die ich vor ein paar Jahren einmal live gesehen habe und die eine wilde Mischung verschiedener Stile spielen. Höre ich gerne, auch wenn ich dafür definitiv zu alt bin. 

Im Moment fehlt es mir etwas an Muße, den Zweitblog regelmäßiger zu bestücken; bei mir liegen aber wieder genügend Dinge herum, die um einen Blogpost betteln. Wer eine Übersicht über die bisherigen Zusammenfassung des Inhalts von "Something I learned today" haben will, kann hier auf den Tag "Nebenzimmer" klicken.


Donnerstag, 14. Januar 2016

Ein Traum

Ich komme in unsere Küche und sehe, wie unser Hund, unsere Katze, unser Hamster und unser zahmes Känguruh zusammen in einen großen Pappkarton steigen. Ich denke: "Mensch, da mache ich einfach ein paar Fotos, da habe ich dann genug Material für Blogposts für die nächste Woche", aber bevor ich Fotos machen kann, wache ich leider auf. 

(Das habe ich wirklich geträumt. Da sieht man, wie mich gerade die Sorge um die Bloginhalte bis in den Schlaf verfolgt. Im wachen Zustand habe ich keine Haustiere.)

Mittwoch, 13. Januar 2016

Nebelkräne



(Es gibt ein paar Witzchen, die mache ich gerne häufiger. Werden sicher durch Wiederholung besser. Die Familie kennt das schon, ich nehme mal an, die finden das gut, aber ich frage besser nicht. 
Die Nebelkräne konnte man bei der Charite sehen.)

Dienstag, 12. Januar 2016

Allein



(Der kleine Kerl sieht aus, als hätte man ihn bei der Verabredung versetzt, aber er wartet tapfer weiter.)

Samstag, 9. Januar 2016

Währenddessen in Berlin...


(Hier werden Drogen getestet, von denen der Rest der Welt noch keine Ahnung hat...)
Meine Lieblingsschlagzeile bleibt natürlich immer noch diese hier. 

Donnerstag, 7. Januar 2016

Die Amseln übernehmen den Haselnussstrauch


Letzthin komme ich nach Hause und anstelle der üblichen Spatzengang sitzen zwei Amselpärchen auf dem Haselnussstrauch. Meine 17.30-Amsel (eigentlich der Amslerich) habe ich schon lange nicht mehr gehört, der Platz in der Robinie ist seit längerem verwaist. Da der Amslerich schon mindestens fünf Jahre gesungen hat, kann es schon sein, dass er nicht mehr lebt. Der Reviergesang kann allerdings im Winter auch pausieren. Ich hoffe, dass im Frühjahr wieder jemand für uns singt.

Dienstag, 5. Januar 2016

Sherlock Holmes in Reinickendorf



"Welch furchtbarer Anblick, mein lieber Holmes."
"Fürwahr, eine schreckliche Tat, lieber Watson. Aber der Getötete scheint uns noch einen Hinweis geben zu wollen. Fällt Ihnen nichts an der Hand auf?"

Montag, 4. Januar 2016

Eistorte

Irgendwann fiel auf, dass nach dem Kurz-vor-Jahresende-Grillen am 30. noch ein paar Dinge im Garten liegen geblieben waren. So zum Beispiel auch die Schüssel mit dem Wasser, in dem die Bratwürste* lagen. Die Natur hat daraus eine wunderbare Wurstwasser-Eistorte gemacht, die Kinder wollten trotzdem nichts davon. 


*Es gab ja ein Süd-/Nordthüringer-Bratwurst-Battle hier. Ganz unabhängig davon, dass ich großen Ärger bekäme, wenn ich anderes schriebe, waren natürlich die Südthüringer Würste besser. 

Samstag, 2. Januar 2016

Gestalten aus einem halben Jahrtausend (1)

Vor 500 Jahren ist Hieronymus Bosch gestorben, ein faszinierender und rätselhafter Maler, der weder in das 15. Jahrhundert noch in das 21. Jahrhundert zu passen scheint. Ich hoffe, dass ich mir dieses Jahr die Jubiliäumsausstellung in 's Hertogenbosch, seiner Heimatstadt, ansehen kann. 

Über die Deutung seiner Gemälde streiten sich die Gelehrten, ich möchte mich in diesem Jahr auf anderem Weg dem Meister nähern. Bosch ist vor allem bekannt für die Vielzahl von bizarren Figuren, die seine Bilder bevölkern, Chimären wie aus Fieberträumen entstiegen. Ein paar von denjenigen, die mich am meisten beeindrucken, möchte ich hier vorstellen. Um die Gestalten in die Neuzeit zu bringen, habe ich mich an Nachbildungen versucht. Ich hoffe, dass das nicht als Sakrileg verstanden wird. 

Ich möchte beginnen mit einer rätselhaften Gestalt aus einem Spätwerk, dessen Zuschreibung allerdings nicht ganz unumstritten ist. "Der heilige Antonius", aus dem Prado in Madrid (zum besseren Verständnis des Folgenden wird empfohlen, sich das Link anzusehen). Der Heilige sitzt meditierend an einem See, im Hintergrund überraschend modern anmutende Architektur. Antonius und sein Schwein sehen sich den Angriffen verschiedener Dämonen ausgesetzt. Die Dämonen sind allerdings eher kleine Gesellen, ähnlich den Mucklas bei Petterson und Findus. Ein Gelehrter ist deswegen etwas enttäuscht vom Meister: "einige kleine unbedeutende Teufelchen, die auf Spielzeuggröße reduziert sind" (Combe). Kein Vergleich zu den höllischen Gestalten, die Grünewald St. Anton auf dem Isenheimer Altar zugemutet hat (und auch nicht zu denjenigen, die Bosch bei früheren Antonius-Altären gemalt hat).

Rechts neben Antonius findet sich allerdings eine Gestalt, die so verwunderlich ist, dass man auch auf anderen Bosch-Gemälden keine Entsprechung findet. Fraenger meint, es sei eine Bastion, ein Turm mit Füßen, ein Vogel und dann eine kopflose Gestalt mit Trichterhut, die einen Hammer schwingt. Mir scheint es sich um eine Gestalt zu handeln, die teils Burg, teils Vogel, teils Affe, teils Mensch ist. Die ganze Gestalt ist pure Aggression, der fauchende Vogelschnabel, der hoch erhobene Hammer. Seltsamerweise erscheinen weder Antonius Schwein, vor dessen Schnauze dieser Spuk geschieht, noch Antonius selbst, sonderlich beeindruckt. Beim Zeichnen fiel mir auch zunächst auf, dass die Fußstellung dieses Monsterchens eher lahm ist; mit dem linken Bein kniet es, die Zehen sind seltsam abgespreizt. Ich habe in der Zeichnung die Beine etwas mehr comicartig gefasst (im Original sieht man ein affenartig glattes Fell) und die Stellung des linken Beins versucht etwas dynamischer zu fassen: aber es funktioniert nicht. Diese Kampfburg ist lahm, da mag der Kranich noch so schreien. Insgesamt ist die Figur eine merkwürdige Mischung aus eigenem Schutz - mit einer Burg und einem Trichterhut (oder vielleicht einem Dach) - und dem Versuch eines Angriffs. Man fragt sich, wie die Arme mit dem Hammer treffen wollen - sehen sie ihr Ziel? Als ich an verschiedenen Bleistiftskizzen rumkritzelte, kam mir der Gedanke, dass diese Mischung aus eigener Absicherung und ineffizienter Aggression ein Wappen für viele Internetkommentatoren sein könnte. Möge man selbst dann so gelassen bleiben wie Antonius Schwein...

Der verehrte Mike Watt hat 2010 eine LP aufgenommen, Hyphenated-Man, auf der er kurze Lieder zu dreißig von Bosch'schen Höllengestalten aufgenommen hat. Ich schätze Mike Watt sehr, die Platte ist allerdings musikalisch nicht unbedingt seine beste. Ein Lied ist auch dem "Hammering-Castle-Bird-Man" gewidmet. Das Lied beschreibt den Angriff der Gestalt und endet mit den Worten: "Du bekommst eine Ahnung: Du hast den Feind getroffen. Und rate mal: Du bist es selbst." 

Freitag, 1. Januar 2016

Das neue Jahr

(Zugleich ein Beitrag zu Ruths I see Faces-Projekt)

Das neue Jahr hat den Mund noch fest verschlossen, es verrät nicht, was da auf uns zukommt. Sind die Augen freundlich, mitleidig oder warnend? Ich kann's noch nicht erkennen. Auf jeden Fall ist das neue Jahr schon von Anfang an etwas angeschmiert.

Und diese zwei haben Silvester nicht gut überstanden:


(Fotografiert Butternut-Kürbisse! Sie sehen aus, wie orangefarbener Samt!)