Everybody's fucked in his own special way

Samstag, 31. Dezember 2016

Rust is coming home

(Zugleich ein Beitrag für Frau Tonaris Rost-Paraden-Projekt.)

Was bei der Rost-Parade eigentlich auffällt, ist, dass unter den Unmengen von Rost, die jetzt schon von vielen verschiedenen Leuten fotografiert worden sind, nur wenige Bilder sind, die den Rost zeigen, an den man eigentlich als allererstes denkt. Ich meine den Rost an Autos, und zwar nicht den an Autos, die schon jahrelang irgendwo rumstehen, sondern an Autos, mit denen man eigentlich noch lange fahren will. Ich kann mich noch gut an meinen ersten R4 erinnern, bei dem die Heckklappe nach und nach abbröselte. Und an Parkplätze, auf denen früher kleine Rosthäufchen lagen, wo vorher die Autos gestanden hatten. Diese Art von Rost sieht man auch allgemein immer weniger und in der Rost-Parade schon gar nicht. 

Umso größer meine Freude als ich nicht weit von uns entfernt folgendes Fahrzeug entdeckt habe. Ein VW, die ja immer schon rostaffin waren. Der Halter hat anscheinend aus der Not eine Tugend gemacht und einfach allen Lack durch Rost ersetzt. So findet er sein Auto leicht wieder und stehlen wird es ihm so leicht auch keiner.


Wie begleitet man diesen Rost musikalisch? Lieder über Autos gibt es genügend, man könnte eine recht ausführliche Rock'n'Roll-Playlist erstellen. Da aber heute Silvester ist, ein Lied für's neue und alte Jahr, Ghost on the Highway vom Gun Club. Fahren wir mal los ins neue Jahr, bei schlechter Sicht und vielleicht auf der falschen Straßenseite. Wir werden schon sehen, was es bringt. 

Freitag, 30. Dezember 2016

Das Blogjahr

" 's ist nicht das Schlimmste, solang' man sagen kann: dies ist das Schlimmste." (Shakespeare, König Lear)

So, zur allgemeinen Weltlage und zum Ausblick 2017 nur das Shakespeare-Zitat (die moderne Variante davon wären dann wohl Bachman-Turner-Overdrive). Hier soll es um einen Blogrückblick gehen, wie jedes Jahr. Ich habe das unangenehme Gefühl, dass ich wahrscheinlich auch jedes Jahr in etwa dasselbe schreibe, aber macht ja nichts. Die Natur kommt auch jedes Jahr mit den gleichen Jahreszeiten und die Empörung hält sich in Grenzen. 


(Der Blogautor bei ausgelassener Feier.)

Der Blog ist im fünften Jahr und mir scheint, dass das Wachstumspotenzial weitgehend ausgereizt sei. Soweit sich das derzeit beurteilen lässt, ist das das erste Jahr, in dem die Zugriffe nicht steigen (wenn man einmal von den wahnsinnigen Spamzugriffen der letzten Wochen absieht, aber das hier wird ja im Wesentlichen für menschliche Leser und nicht für Spambots geschrieben). Letztlich ist das aber auch eher egal, ich mag es gerne, dass es hier treue Leser gibt, aber wie viele das sind, ist nicht wirklich wichtig. Ich fürchte fast, dass das hier sogar eher ein Hipster-Blog ist, in dem Sinne, dass ich nie besonders große Lust habe, Ästhetik oder Ordnungsprinzip dieses Blogs zu erklären oder zu ändern. "Wenn ihr's  nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen." Andererseits ist das hier dann doch wahrhaft demokratisch: Jeder darf sich hier seinen eigenen Reim auf alles machen, wie man auch in den Kommentaren sieht. Für die an- und aufregenden, mysteriösen und witzigen Kommentare bin ich auch immer dankbar. Ohne wäre das hier seeeehr langweilig (für mich zumindest).

Eigentlich müsste jetzt eine Auflistung der beliebtesten Posts kommen, die wird mir aber dieses Jahr durch die Spambots komplett zunichte gemacht. Wahrscheinlich sind die Posts, auf die der Kiezneurotiker verlinkt hat, wieder diejenigen, die am meisten Zugriffe hatten. Darunter ist zumindest einer, den ich selbst auch sehr gerne mag, nämlich "Der Gartennazi" (der wurde häufiger verlinkt, von einem Blogger auch mit einer niederschmetternden Einleitung, die mich daran erinnert hat, dass man selbst dann falsch verstanden wird, wenn man sich ausnahmsweise einigermaßen Mühe gibt, einen inhaltlichen Punkt verständlich darzustellen). Eine weitere Auflistung von Posts, die ich selbst ganz gut fand, scheitert nicht zuletzt daran, dass ich mir tatsächlich fast alles wieder durchlesen müsste, weil ich die Überschriften ja meistens so wähle, dass ich mich selbst nach einer Woche nicht mehr erinnere, was das eigentlich war. Die unappetitliche Jugenderinnerung "Sommer mit 15" liegt mir aber aus verschiedenen Gründen am Herzen, das mysteriöse "Zeichen des Piranha" hat seine Wurzeln auch in dieser Zeit.  Ach ja, meinen ersten Sponsored Post fand ich auch recht gelungen. Der geneigte Leser hat dieses Jahr vielleicht gemerkt, dass ich mich in diesem Jahr mehr mit Internetwirtschaft beschäftigen musste als mir eigentlich lieb ist. 

2016 war zumindest auch das Jahr der Dienstreisen, wenn ich richtig rechne, habe ich über zwanzig Dienstreisen berichtet. Diese Stückchen machen mir meistens großen Spaß, sie sind auch eine Möglichkeit, über die Arbeit zu schreiben (ansonsten ist das hier ja nicht annähernd anonym genug, um Arbeitsgeschichtchen zu erzählen). Allerdings sind da ja immer Geschichten, aus denen das wesentliche entfernt wurde (das ist auch etwas, was mir immer gut gefällt). Eine gewisse Befriedigung gibt mir, dass der Trottel, der vor einer Woche getönt hat, in Deutschland herrsche der "Kriegszustand", in einem meiner Dienstreiseposts mit wirklich einem der dümmsten Zitate vorkommt, das ich dieses Jahr gehört habe. Man mag ja alt und wunderlich werden, aber der Bullshit Detector funktioniert noch. 

Eine weitere Erfahrung in diesem Jahr: Längere Pausen schaden den Zugriffen enorm. Die Leser stellen fest, dass ihnen auch nicht viel fehlt, wenn hier nix kommt. Anders herum ist es aber ähnlich: Längere Blogpausen sind zunächst extrem befreiend, weil man sich nicht jeden Abend überlegen muss, was man denn morgen veröffentlichen will. Das ist dann aber eher so, wie wenn man mit regelmäßigem Sport aufhört: Zunächst befreiend, langfristig schädlich. Und ich stelle eben auch fest, dass ich das tägliche Korsett brauche. Ansonsten würde ich vielleicht alle Wochen mal was machen (keine Ahnung, ob das aus Sicht der Leser vorzugswürdig wäre - mir täte es nicht gut).


Wie jedes Jahr würde das alles nicht funktionieren ohne eine weite Blogger-Community, die sich gegenseitig verlinkt, E-Mails oder Briefchen schreibt oder gar ab und zu besucht (ich kann jedem nur empfehlen, immer wieder in der Blogroll zu stöbern). Darauf freue ich mich auch im nächsten Jahr. Und ich hoffe, dass ihr alle weiter fleißig Blogposts schreibt, damit ich auch etwas zu lesen habe!





Und immer dran denken: "Bloggen ist ein Kuchen-Ess-Wettbewerb, bei dem der erste Preis noch mehr Kuchen ist." (Max Kennerly)

(So, jetzt noch ein paar Bildchen dazuschmeißen, die vom letzten Jahr übrig geblieben sind und fertig ist das Jahr.)

Mittwoch, 28. Dezember 2016

Das leere Zimmer


Er trat aus der Kneipe in die kalte Nacht hinaus. Seinen Begleitern hatte er gesagt, er wolle noch mit den Kindern telefonieren, aber in Wirklichkeit hatte er das nicht vor. Er sah sich um, ob irgendwo ein Anzeichen für die unsichtbaren Spinnenfäden gab, deren leichteste Erschütterung demjenigen, der im Zentrum des Netzes saß, Informationen über alle lieferte, die sich ihm entgegenstellen wollten. Er hatte die verschiedenen Lokale, von denen er wusste, dass sein schemenhafter Gegenspieler dort verkehrte, besucht, mit den zitternden Kellnern gesprochen und unglaubliche Geschichten über Berge von Essen und rohe Gewalt gehört. Nein, in Berlin war sein Gegner, dieser Napoleon des Verbrechens nicht mehr, so viel schien klar. Vielleicht konnte er sich hier dann auch wieder sicher fühlen. Er dachte nach. Was hatte ihm gestern der Kellner im Tian Fu noch gesagt, mit blanker Angst in den Augen: "Das leere Zimmer ist nicht leer." Er war sich nicht sicher, ob der alte Asiate überhaupt noch wusste, was er sagte. Auf die Frage, wer der Gegenspieler sei, hatte er seine Hand umklammert und ein paar Mal "Ebi Ling" geflüstert, wie er jetzt wusste, ein kantonesischer Ausdruck für "gerissener Eber". Er verscheuchte diese Gedanken und sah sich noch einmal um. Nein, hier war alles  in Ordnung. Da plötzlich blieb sein Blick an dem erleuchteten Fenster des Hauses gegenüber hängen. "Das leere Zimmer ist nicht leer." 

Er hatte schon häufiger von den todbringenden Fahrrädern des Ebi Ling gehört, jetzt sah er zum ersten Mal selbst eines. Keine Minute zu früh versteckte er sich hinter den Kolonnaden und lief im Schatten zur Zinnowitzer Straße, das Geschrei und die Sirenen, ignorierend. 
"Noch ist es nicht vorbei, Ebi Ling," flüsterte er sich selbst zu.

Montag, 19. Dezember 2016

Tag der urbanen Schönheit

Die Rückmeldungen letzthin nehme ich mal als Hinweis darauf, dass man das Projekt wiederholen sollte. Allerdings wird die vorgesehene Frist als zu kurz angesehen; ich hätte mich tatsächlich früher darum kümmern müssen. Da der relevante Tag allerdings immer durch komplexe Berchnungen bestimmt werden muss, ist guter Rat teuer. Ich habe kurz Rücksprache mit dem Ackerbau in Pankow-Justiziariat gehalten, das der Auffassung war, dass man auch irgendeinen anderen Tag nehmen kann, solange einen niemand bei der Blogprojektterminpolizei verpetzt. Also, ich zähle auf eure Diskretion, wir machen den Tag der urbanen Schönheit 2016 dann eben am

Sonntag, den 22. Januar 2017.

Thema soll dieses Mal Brücken sein.

Wer will, kann gerne den Projektaufruf verbreiten, am 22. Januar 2017 dann bitte eine Verlinkung in den Kommentaren; wer keinen Blog hat, schickt einfach mir seine Bilder. 


(Hier hätte eine Brücke sein können, wenn der böse Bagger nicht alles kaputt gemacht hätte.)

Sonntag, 18. Dezember 2016

Unsere schnelllebige Zeit (2)

Es ist ja eine gängige Klage, dass der Weihnachtsrummel jedes Jahr noch früher beginnt. Ich sehe mich mit ganz anderen Problemen konfrontiert: Offenbar muss er jedes Jahr auch ein bisschen früher aufhören, damit genug Platz für die Osterdekorationen ist. Während letztes Jahr in der Invalidenstraße die ersten Weihnachtsbäume am 21. Dezember am Straßenrand lagen, ging es dieses Jahr bereits am 16. Dezember los. Irgendwie richtig, man hat sich an dem Kram ja auch schon satt gesehen. Ich nehme an, das sind Pioniere einer neuen Bewegung, die in wenigen Jahren dazu führt, dass die Adventszeit schon Mitte Dezember abgeschlossen ist und alle endlich Zeit für wichtigere Dinge (z.B. Fakenews, Designer-Piercings und Mett-Herstellung) haben. 



Samstag, 17. Dezember 2016

Zwei Tage zu spät

... für den fünfzigsten Todestag von Walt Disney.


(Walt Disney starb übrigens zu der Zeit, in der die Beatles im Studio an "Strawberry Fields" bastelten. Zufall? Ich glaube nicht.)

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Tag der urbanen Schönheit 2016?

Letztes Jahr hatte ich am 13.12. ein kleines Blogprojekt, mit starker Hilfe von vielen Mitstreitern: Der Tag der urbanen Schönheit. Damals hatte ich geschrieben, dass dieser Tag jeweils am ersten Sonntag nach dem letzten Herbstneumond sei, dieses Jahr wäre das dann der 4.12. gewesen, weil der letzte Herbstneumond bereits am 29.11. war. Das Schöne am Bloggen ist aber, dass man selbst die Regeln bestimmen kann, deswegen könnte man den Tag der urbanen Schönheit dieses Jahr auch wieder an einem ganz anderen Tag machen. 

Die Frage ist: Sollte man? Hat jemand Lust mitzumachen? Wieder Schienen von oben? Oder andere urbane Schönheiten? Meinungen und Hinweise bitte in den Kommentaren. 

Wenn er wieder stattfinden soll, würde ich den Tag zeitlich in die Woche nach Weihnachten schieben. Wahrscheinlich auf den 30.12., weil ja bekanntlich in Jahren, deren Jahreszahl durch vier teilbar ist, anstelle des ersten Sonntags nach dem letzten Herbstneumond, der erste Freitag nach dem ersten Winterneumond tritt. (Das ist doch einsichtig, Kinder! Denkt doch auch mal ein bisschen nach!)

Montag, 12. Dezember 2016

Influencer-Schicksal

Die Zugriffszahlen auf den Blog gehen gerade durch die Decke, aber soweit ich es beurteilen kann, sind das nur russische und französische Bots, die zu hunderten Informationen zu dem Müll auf der Invalidenstraße anklicken. Früher mal waren das irische Zugriffe, gerne auch auf Posts, die Jahre alt waren. Vielleicht sucht der KGB auf diese Weise Material für die Bundestagswahl, immerhin berichte ich ja praktisch aus dem Zentrum der Macht, dem geheimen Politnexus der Invalidenstraße. (Kundige wissen natürlich schon lang, dass diese merkwürdige Posts nichts anderes als verschlüsselte Nachrichten für zahlende Interessenten zum Stand PKW-Maut, Abgasaffäre und Etablierung der wohlmeinenden Echsenmenschen-Diktatur waren).*

Zu diesem traurigen Stand passt auch ganz gut mein Blog-E-Mail-Posteingang:

Influencer-Schicksal. 

*Preisliste auf Anfrage, wir nehmen auch Renminbi und Rubel. 

Sonntag, 11. Dezember 2016

Samstag, 10. Dezember 2016

Nachtspaziergang

Betriebsweihnachtsfeier. Eigentlich eine Vorlage, eine ebenso vorhersehbare wie spitze Abhandlung über schlechtes Essen und dumme Kollegen zu schreiben. Aber das Essen war nicht schlecht und die meisten meiner Kollegen mag ich auch. Deswegen nur kurz etwas zur Musik. Der DJ war fantastisch, bzw. er sah fantastisch aus. Etwa so, wie der bayrische Komiker Grünwald, wenn er den Character Joe Waschl spielt. Der Sound war katastrophal, angeblich war die Endstufe kaputt, der DJ legte aber ungerührt weiter auf. Es war in der Tat ganz reizvoll zu versuchen, die Lieder zu identifizieren, die alle mit Brummelbass und Knattermitten kamen. Getanzt hat niemand, obwohl der DJ von Weihnachtsklassikern zu Dance Klassikern zu Achtziger-Jahre-Musik zu Helene Fischer nichts ausließ. Ich ging, bevor die Schweinerockphase kam.

Ein Kollege begleitete mich bei dem Spaziergang zur S-Bahn am Potsdamer Platz, ein paar Kilometer durch die milde Winternacht. Man muss jetzt sagen, dass Lützowstraße und Potsdamer Straße nicht unbedingt die malerischste Ecke von Berlin sind. Macht nix. 

Dafür findet man einsame Einkaufswagen, in denen abgesägte Birkenstämme liegen. 

(Es gibt sicher einen Grund dafür.)

Zum Grübeln brachte uns auch dieser Gummireifen am Brückengeländer.

Mir ist nicht so richtig klar, wie man den Reifen durch die Streben ziehen konnte. Aber so is Berlin: Magie im Alltag. Mein Kollege sieht den richtigen Rettungsring an der Brücke und erzählt mir, wie viele dieser Ringe pro Jahr ersetzt werden müssen, weil irgendwelche Trottel sie mitnehmen. In Paris hätte man dagegen eine einfachere Lösung gefunden: Vor einigen Jahren habe man beschlossen, die Ringe nicht mehr zu ersetzen, jetzt hingen da Schilder mit einer Telefonnummer, die man anrufen soll, wenn jemand am Ertrinken ist. Ich versuche darüber nachzudenken, ob diese Anekdote tiefe Weisheiten über irgendetwas offenbart, komme aber zu keinem rechten Ergebnis. Es bleibt auch wenig Zeit nachzudenken, denn es kommt der nächste Einkaufswagen. Diesmal hat jemand mit Stofffetzen Buchstaben in den Korb eingeflochten. Schwer zu entziffern, aber ich will ihn euch nicht vorenthalten.

Der Potsdamer Platz kommt näher, man sieht ihn von weitem leuchten. Kurz vor Mitternacht ist dort aber fast nichts mehr los. Wenn man sich die Weihnachtsdekoration so ansieht, kann man es aber auch niemanden verübeln.

Das blaue scheint mir ein großer Sauger zu sein, mit dem entweder Deppen oder das Hirn der Vorbeigehenden angesaugt werden kann. 

An der Bornholmer Straße muss ich eine Viertelstunde warten, bis mich die S1 die letzte Station mitnimmt. 

Dienstag, 6. Dezember 2016

Nikolaus

Ich bin schon ganz gespannt, was der Nikolaus hier an der Invalidenstraße für mich versteckt hat!

Montag, 5. Dezember 2016

Vorbereitungen für das nächste Jahr

Die liebe Roswitha, die hier öfter kommentiert und sich überlegen sollte, vielleicht auch selbst einen Blog zu starten, hat mir im Sommer folgendes Buch geschickt:



Das ist natürlich passende Lektüre und ich werde für nächstes Jahr überlegen, ob ich nicht ein paar Fotos für die nächste Auflage beisteuern kann. 

Sonntag, 4. Dezember 2016

Haustiere

Als ich letzthin die Hauskatzen vorgestellt habe, habe ich Markos das Motto "Töten oder Verstümmeln" zugeschrieben. Mir war selbst nicht klar, wie passend das ist. 

Die ersten Ausflüge in den Garten nutzte Markos, um einen Spatz zu erlegen. Unsere Spatzengang hat es sonst nur mit den dicken Nachbarskatzen zu tun, gegen den jungen und geschmeidigen Killer haben sie keine Chance. Als bekennenden Spatzophilen tut mir das natürlich in der Seele weh. 

Heute wollte ich meine Schuhe anziehen und fand folgendes Wesen auf dem Schuh:

Ich habe es weggescheucht, es humpelte in ein Eck des Flurs. Dem armen Weberknecht hatte irgendjemand Beine und Teile der Beine ausgerissen oder abgebissen. Ich habe da einen Verdacht. 


Freitag, 2. Dezember 2016

Bedeutende Dienstreisen (22)

Wenn  alles nach Plan läuft, die letzte Dienstreise in diesem Jahr. Da steht man auch noch einmal gerne um halb fünf auf. 

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Im Flugzeug die Mitteilung, dass noch eine Kontrolllampe rot sei und man das noch beheben müsse. Merkwürdiges Gefühl. Allerdings habe ich gar kein Problem damit, dass man dann noch ein bisschen länger rumsitzen muss. Brecht hat in seinem Gedicht "Radwechsel" das Problem geschildert, dass er während der Reparatur warten muss und ungeduldig ist, obwohl er weder gern dort war, wo er herkam, noch gern zu seinem Ziel will. Ich habe das Problem nicht. Mir ist es eigentlich wurscht, wo ich bin, also kann ich auch ein bisschen länger im Flugzeug sitzen bleiben. 

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Ankunft in Köln/Bonn, im Flug habe ich zufällig Bekannte mit gleichem Ziel getroffen, die ein Taxi nehmen wollen. Das ist mir irgendwie nicht abenteuerlich genug, ich warte lieber auf den Regionalexpress, der zwar eine halbe Stunde Verspätung hat, was aber gut passt, da ja auch der Flug verspätet war. Im Regionalexpress unterhält sich ein Pärchen, sie erzählt, dass eine Freundin geweint habe, weil die Freundin gedacht habe, sie hätte ihn verärgert, und das habe sie zum Lachen gebracht, weil die andere ja geweint habe. Undurchsichtig. Offensichtlich muss er zum Amt und sehen, ob eine Überweisung, die zu Bewährungsauflagen gehört, angekommen sind. 

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In Bonn Oberkassel kann ich ein bisschen am Rhein entlang gehen. Es sieht ein bisschen so aus, wie der Mauerstreifen vor 20 Jahren, als wir an die Bernauer Straße gezogen sind. Ich sehe auch etwas, was mich hoch entzückt: Große bemooste Steine. Moose und Flechten sind wirklich fantastisch, diese Strukturen und diese Farben. Bei den Entwürfen gibt es relativ viele Moos-Posts, ich fürchte nur, das wäre eine Wendung, die das Publikum hier nicht wirklich goutieren würde. 

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Rätselhafte Überbleibsel am Bahndamm. Hier gefällt mir's.

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Im Tagungshotel gefällt es mir aber nicht. Ein nobles Designhotel. Ich war hier vor Jahren mal mit einem früheren Chef, der meinte, dass Kleinbürger damit nichts anfangen können. Ich habe ihm (nicht unstolz) mitteilen müssen, dass ich Kleinbürger bin. 

Am schlimmsten sind die Toiletten. Blutrot gestrichen (ausnahmsweise gibt es hier deswegen Toilettenfotos). Ich kann mir nicht vorstellen, dass das beim Defäkieren ein gutes Feng Shui gibt. Mich quält die Frage, an was mich dieses Rot erinnert, bis mir einfällt, dass das so ähnlich ist, wie bei der zweiten Big Star-LP. (Wunderbare Platte übrigens, so als ob die Beatles aus Tennessee gekommen wären und 1970 vergessen hätten, sich aufzulösen.) In der Spex war die Farbe auf dem Cover mal als "tomatenpornorot" beschrieben, was für mich einige Fragen aufwirft: Was ist denn ein Tomatenporno? Aber grundsätzlich passt das. Falls Bands die tomatenpornorote Toilette für ein Cover verwenden wollen (Mischung aus Big Star "Radio City" und dem Original-Cover der "Beggar`s Banquet" von den Stones), nur zu. 

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Auf der Toilette eine weitere neue Beobachtung. Ein Herr im grauen Anzug steht beim Strullen und hat seine Krawatte nach hinten über den Rücken geworfen. Das kenne ich eigentlich nur vom Suppeessen, wenn man die Krawatte nicht vollkleckern will. Ob er so einen guten Strahl hat oder ein paar steile Figuren pinkeln will? Da die kleinliche Konvention nicht zulässt, dass man sich hinstellt und Leuten beim Pinkeln zusieht, werde ich es nie erfahren. 

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Überhaupt eine Fachtagung zu einem Gebiet, mit dem ich mich vor einem Jahrzehnt ernsthaft befasst habe. Inzwischen bin ich eher Gast. Haufenweise junge Leute in grauen Anzügen, mit richtigen Frisuren und ernsthaften Brillen. Kompetent, eifrig, voller Adrenalin. Die etwas älteren sind schon nicht mehr so schick, verknitterter, aber oft von erstaunlicher Autorität. Ich bin ganz froh, dass ich aus dem Spiel inzwischen draußen bin.  

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Ich rede mit ein paar Leuten, mit denen ich reden wollte, aber es sind gar nicht mehr so viele, die ich kenne.  Ich lerne Dinge über Wurstlücken und über die Digitalisierung. Jemand der's wissen muss, teilt uns mit, dass wir uns alle mit Blockchain beschäftigen müssen. Na dann. 

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Wieder zurück. Tegel leuchtet. Als ich beim Gesundbrunnen aus der S-Bahn aussteige, dreht sich der Mann, der vor mir ausgestiegen ist, um und sagt "Arschloch". Ich habe keine Ahnung, warum. Um zu dieser Erkenntnis zu kommen, müsste er mich eigentlich länger kennen. 

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Jetzt langt's wieder bis Mitte Januar.