Everybody's fucked in his own special way

Sonntag, 30. April 2017

Not fade away

(Zugleich ein Beitrag zu Frau Tonaris "Rost-Parade"-Projekt.)

Der Rost zerstört metallische Gegenstände, er verformt und verfärbt sie. Manchmal belässt er auch die Form und macht Dinge auf andere Art unbrauchbar. So ist das zum Beispiel mit verrosteten Schildern. Sie wollten einem irgendetwas mitteilen; was es war, ist nicht mehr zu erkennen.  Ein Unglück, weil einem die wichtige Warnung, der entscheidende Hinweis entgeht? Oder Glück, weil man sich einfach selbst ausdenken kann, was da stehen sollte? (Was davon meine Meinung ist, wird sich leicht erraten lassen.)






Musikalisch war dieses Thema eine harte Nuss. Eine erste furchtbare Assoziation war U2 mit "Where the streets have no name", aber wenn ich hier jemals U2 verlinken sollte, dann nennt mich Malo Vox, erschießt mich und vergrabt mich bitte im Kartoffelbeet (oder meinetwegen auch dort, wo die Straßen keine Namen haben). Schöner und passender ist das Lied "Not fade away", also etwa "Nicht verblassen". Das Stückchen haben Buddy Holly und die Rolling Stones gespielt, aber das Original ist von Bo Diddley. Ich habe zwar keine Bo Diddley-Version gefunden, da seine Lieder aber ohnehin alle ähnlich klingen, kann man auch hierauf verlinken. Meine Güte! Man sollte den ganzen Tag Bo Diddley hören, unglaublich.

Samstag, 29. April 2017

Besuch im Nebenzimmer (24)

Was war in den letzten Wochen so im Zweitblog los? Es gab eine Sammlung von durchgängig unpopulären Themen (also alles wie immer). 


Es begann mit zwei merkwürdigen Posts, Fake Interviews mit dem legendären, weil vollkommen imaginären deutschen Underground-Filmemacher F.X. Wanzl. Der Auslöser für diese Reihe war, dass ich seit Monaten der Auffassung war, dass die "Schraubenziehermann"-Reihe des Kollegen Eberling eigentlich einen Vorspann verdiente, der so ähnlich wie der Vorspann der alten Batman-Fernsehserie sein müsste. Die Musik dazu ging mir monatelang durch den Kopf, bis ich dann endlich eine Musik-App fürs IPad gekauft habe, um das, was mir durch den Kopf ging, aufzunehmen. Dann musste ich nur noch wieder das Programm für Stop&Go-Animation wieder rauskramen, um zumindest ein passendes very low budget Video zu drehen. Als das endlich geschehen war, spukte mir plötzlich andauernd die Geschichte von F.X. Wanzl durch den Kopf, die ich nur dadurch loswerden konnte, dass ich sie aufschrieb. Mit einem zweiten schnell geschriebenen Stückchen nebst haarsträubenden Bürgerpark-Splatter-Video gab's dann einen zweiten Teil; nachdem es ziemlich aufwendig ist, für jeden Post ein Liedchen zu schreiben und ein Video zu drehen, ist jetzt aber erst einmal Schluss. Es ist relativ selten, dass ich etwas hier veröffentliche, was mir zwanghaft durch den Kopf geht, seltsam genug, dass es dann so merkwürdige Geschichtchen sind.  Danach wieder etwas griechische Musik, bei der Musterung meiner CDs habe ich mir mal wieder Rita Abatzi angehört, die ein sehr charmantes Lied mit dem Titel "Schlag alles zusammen für mich" aufgenommen hat. Das war für mich auch Anlass, mich wieder mit den Rembetika-Sängerinnen aus der Smyrna-Schule zu beschäftigen; Resultat war der weitere Post über die unglaubliche Roza Eskenazi, "Ouzo, Morphium und Haschisch". Posts über griechische Musik sind hier singulär unbeliebt, ich kann das ja gut nachvollziehen, aber wenn in 15 Jahren dieser Kram mal hip ist, werdet Ihr mir dankbar sein. Doch, doch, werdet Ihr.  Danach ein kurzes trauriges Nikki Sudden Lied an dem Tag, an dem die Briten ihren Austrittsantrag gestellt haben. Das wird alles nicht gut enden. Dann, wie jedes Jahr, die Erinnerung an den Todestag von Jeffrey Lee Pierce, mit dem Gun Club-Lied Mother of Earth. Ein kleiner Stimmungswechsel: Ein Post zu der Frage, was Heino mit Testikeln auf spanisch zu tun hat. Caramba! Never mind the bollocks, here is the old Heino. Dann ein paar Posts für das private Archiv: zum 33jährigen Bandjubiläum ein paar Lieder der Bäckar (hinterlegt mit ein paar netten Konzertplakaten der späten 80er) sowie ein altes Lied aus Folkpunk-Zeiten. Zuletzt noch ein anderer Blick auf den süddeutschen Punk der Achtziger: a+p mit einem vogelfeindlichen Lied. Eigentlich wollte ich eine Reihe von ornithokritischen Liedern beginnen, um ein Gegengewicht zu dem amselophilen Blog hier zu schaffen, aber bislang habe ich nur zwei solche Lieder gefunden (und Taubenvergiften mag ich nicht). Mal gucken.

Definitiv ein Randgruppenprogramm, demnächst geht es aber sicher mit mainstreamigsten Mainstream weiter. Versprochen. Naja. Die gesammelten Inhaltsverzeichnisse für den Zweitblog findet man wie immer, wenn man auf den Tag "Nebenzimmer" klickt.

Donnerstag, 27. April 2017

Bedeutende Dienstreisen (28)

Ausnahmsweise muss ich nicht mitten in der Nacht aufstehen, da ich einen etwas späteren Flug habe. Ich bin trotzdem um 4 Uhr wach, weil die Katzen dann beginnen an der Schlafzimmertür zu kratzen; sie haben keinen Hunger, aber anscheinend das Bedürfnis nach menschlicher Zuneigung. Tja.

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An der Beusselstraße muss ich nur kurz auf den TXL-Bus warten, genug Zeit aber, um ein schönes Beusselbrückenfoto zu machen. Häufigere Leser dieses Blogs wissen ja, dass ich ein gewisses Faible für Voll-auf-die-Sonne-halten-Handyfotos habe. 

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Es folgt eine Sitzung mit vielen Abschieden. Einer, der bleibt, hat mich  bei unserer ersten Begegnung mit dem Satz begrüßt, ob ich denn glaube, dass er die Hose mit der Kneifzange anziehe. Diese Diskussion führen wir jetzt eigentlich seit über sieben Jahren, inzwischen finde ich das gar nicht so schlecht. Ich mag ja nicht so weit gehen zu sagen, dass ich inzwischen gerne streite, aber wenn es mal ein paar Tage zu ruhig ist, fange ich von selbst irgendeinen Ärger in der Abteilung an. 

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Der Rückflug ist verspätet, trotzdem bin ich aber zu absolut früher Zeit in Berlin. Auf dem Flug gibt es einiges anzusehen. Wie immer bin ich fasziniert von dem Blick auf die Felder und Kiesgruben. Bei den Feldern sieht man, dass das Getreide langsam wächst. Aber am schönsten sind die Bau- und Kiesgruben, wie Narben auf der Erde. 

Und schon an der Stadtgrenze Berlins sieht man dieses Steampunk-Ornament. Sind Kläranlagen nicht auch wunderschön?

(Und hier die Kirschbäume am S-Bahndamm Wollankstraße von oben.)


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Ich bin dann tatsächlich früh genug zuhause, um noch zum Postamt zu gehen. Irgendjemand hat mir ein Einschreiben geschickt. Um es abzuholen, muss man zur Post, die ein paar Kilometer entfernt ist. Eigentlich wäre es der ideale Plan, berufstätige Großstädter fertigzumachen, dass man ihnen alle zwei Tage Übergabeeinschreiben schickt. Das kostet Zeit und Nerven. Wenigstens ist mir am Tag vorher rechtzeitig klar geworden, dass es keine Kündigung sein kann, so etwas kommt nämlich mit Einwurf- und nicht mit Übergabeeinschreiben.  Der Brief stellt sich dann als Schreiben an J.S. heraus, mit sehr erfreulichem Inhalt. Der Postbote hatte aber keinen Vornamen draufgeschrieben, der Frau am Postschalter war's aber wurscht, dass nicht der Adressat das Schreiben abholte. 

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Auf dem Rückweg ein paar rätselhafte Botschaften aus Pankow. Wer meint, die jungen Leuten kommunizierten mit WhatsApp, sei eines besseren belehrt: Sie schreiben sich Botschaften an die Wände und Fensterbretter. 



Mittwoch, 26. April 2017

Frühling in Reinickendorf


Am spannendsten finde ich folgendes Detail:


Das sieht aus, wie etwas, das sich selbst aus Metallschrott zusammen gebastelt hat, und nun auf dem Weg in die Stadt ist.

Dienstag, 25. April 2017

Elternabend

Seit langem mal wieder ein Elternabend. Sagen wir mal so, die Qualität der Tischbeschmierung ist seit meinen Zeiten nicht viel besser geworden. 



Die Klassenlehrerin weiß zwar nicht, wie mein Sohn heißt, ist aber ansonsten sehr strukturiert und gut vorbereitet, so dass die Veranstaltung nach rekordverdächtigen 90 Minuten abgeschlossen werden kann. Dazwischen sehr viel Aufregung auf Elternseite. Ich bin für so etwas komplett unbrauchbar, da ich denke, dass man viele Sachen nicht wegen, sondern trotz der Schule lernt. Und vielleicht ist es nicht das schlechteste, wenn man in der Schule lernt, dass manchmal merkwürdige Leute über einen bestimmen können und wie man damit umgeht. 

Als die Versammlung zu Ende ist, ist es draußen schon dunkel. Ich habe etwas weiter von der Schule weg geparkt, weil dort eine wunderbare große Baugrube ist. Die Luft ist überraschend mild und erfüllt von Amselgesang, es müssen Dutzende Amsleriche unterwegs sein. Ich kann zwar keinen Flieder sehen, aber ich kann ihn dunkel und schwer in der Luft riechen. Sollte Reinickendorf Pankow fliedertechnisch ein paar Wochen voraus sein?

Sonntag, 23. April 2017

Frostopfer und Heimatnachrichten

Vor ein paar Tagen war es um 6 Uhr als ich aufstand 3 Grad minus draußen, die Nacht wird also eher noch ein bisschen kälter gewesen sein. Ich habe gleich nach den Salatpflänzchen, die Frau Ackerbau gesetzt hatte, gesehen; die haben das aber gut überstanden. 

Weniger gut sieht es allerdings bei unserer Kiwi aus, von der ich schon gedacht hatte, ich hätte sie im Herbst vertrocknen lassen. Sie hat Anfang April wieder schön ausgetrieben, jetzt sind alle Blätter erfroren. Mal sehen, ob sie noch einmal kommt. Ganz schlecht sieht auch unsere Feige aus, alle Blätter erfroren. Die Feige kommt sicher wieder, fragt sich nur wann. Die eine Weinrebe, die schon ausgetrieben hatte, ist an ein paar Stellen erfroren, aber nicht weiter wild. 

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Seit langem einmal wieder etwas über meinen Heimatort in der Berliner Zeitung gelesen. Merkwürdigerweise auf der Vermischten Seite eine Meldung über ein Pärchen, das nachts auf einem fremden Auto Geschlechtsverkehr haben wollte, und dabei so laut war, dass die Polizei kam. Offenbar haben sich die Sitten im Allgäu in den letzten dreißig Jahren geändert. 

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Im Auto habe ich - auch durch Zufall - im Radio eine Sendung mit sehr unangenehmem Moderator gehört. Nach etwa fünf Minuten wurde mir klar, dass der Moderator jemand ist, der mit mir studiert hat, zwei Semester über mir. Damals schon ein unangenehmer Mensch, jetzt ein sehr unangenehmer Mensch mit eigener Sendung im Radio. Ich wusste, dass er in Berlin irgendetwas mit Radio macht, hatte bis dahin aber noch nichts gehört. Das hat sich jetzt leider geändert.

Freitag, 21. April 2017

Amsliges (2)

Die Büroamsel hat sich inzwischen an die täglich Fütterung gewöhnt. Sie fliegt aufs Fensterbrett, guckt zu mir rein und pickt auf, was so auf dem Fensterbrett rumliegt. Ich sortiere immer ein paar Rosinen aus meinem Frühstücksmüsli, die werden gerne genommen. Sonnenblumenkerne werden auch nicht verschmäht. Als es über Ostern mal fünf Tage nichts gab, war sie schon ein bisschen sauer.

Der Amslerich hat die erste Zeit nur vorbeigeschaut, wohl um zu kontrollieren, wo seine Frau immer so abhängt. Inzwischen bedient er sich allerdings auch selbst. 

Wahrscheinlich hat das Pärchen wieder ein Nest im Innenhof. Muss mal ein bisschen besser aufpassen, wo sie hinfliegen. 

Ich muss mich etwas zusammenreißen, dass ich bei Besprechungen in meinem Büro nicht mittendrin aufspringe und mir das Amselchen ansehe. Muss ja nicht jeder mitbekommen, dass ich im Wesentlichen nur noch zum Vogelfüttern in die Arbeit komme.  


Montag, 17. April 2017

I felt like a tourist (3)

C. aus Schweden ist mit seiner Familie auf Besuch, also mache ich mich mit ihm auf den Weg in die Stadt. Er will nach Kreuzberg, schaut sich dort verschiedene Läden mit Vintage-Klamotten an, kauft sich aber nichts. A., seine Frau, erklärt mir, dass er erst dann wieder neue Sachen kaufen kann, wenn er alte aus dem Kleiderschrank entfernt. Solche Probleme habe ich nicht. Ausnahmsweise bin ich mal wieder auf Touristenpfaden unterwegs, in Pankow vergisst man ja manchmal, wie viele Besucher sich jedes Jahr durch Berlin schieben, bis in den Bürgerpark schafft es praktisch keiner. Und tatsächlich erwischt mich auch eine Touristenfalle: Als wir die Oberbaumbrücke überqueren, kommen wir an einem Typen mit Pferdemaske vorbei, der mit heruntergelassener Hose Gitarre spielt. Das ist sogar für meine Verhältnisse rätselhaft. Zuhause stelle ich allerdings fest, dass der Typ wohl ein bekanntes Phänomen ist. Wenn sogar die BZ schon 2013 schrieb, er sei von den Straßen nicht mehr wegzudenken, kann's ja nicht so spannend sein. Eigentlich hätte ich auch als Zugezogener wissen müssen, dass man bei so etwas desinteressiert bleiben muss. "The guy with the horse head? Well, he is normally at the Eastside Gallery." Mist. Selbst, als ich vor langer Zeit noch in Augsburg wohnte, konnte ich das schon besser. Da gab es einen etwa fünzigjährigen kleinen korpulenten Typen, der sich gerne als Tina Turner verkleidete. Er nannte sich CC Dynamite. Es war natürlich immer wunderbar, wenn irgendwelcher Besuch ganz aufgeregt ankam und sagte, da sei gerade so ein Typ in Pumps mit Lederpeitsche rumgelaufen und man ganz beiläufig und leicht gelangweilt antworten konnte, ach ja, CC Dynamite, hatte er wieder sein neonfarbenes Stretchkleid an?*

Der schwedische Besuch fand ohnehin eine andere Begebenheit interessanter, kurz vor der Oberbaumbrücke wurden wir Zeuge, wie ein Kellner einen Gast aus der Kneipe herausschleifte, nicht gewalttätig, aber bestimmt. So etwas sieht man anscheinend in Schweden nicht so häufig. 

*Manchmal muss man das Internet lieben. Ich habe gerade rausfinden können, dass es CC Dynamite immer noch gibt, wenn er auch anscheinend seine Tina Turner-Phase hinter sich hat. Aber er behauptet von sich selbst, er habe das Kübelsaufen erfunden, bevor es in Mallorca modern wurde. 

Freitag, 14. April 2017

Kopfarbeit

Ein Aspekt des Bloggens, der mir ziemlich Spaß macht, ist die Erstellung des Blog-Headers. In unregelmäßigen Abständen schneide ich mir immer ein Bild zurecht, manche krame ich dann auch ein zweites Mal heraus. Wer sich den Blog nur mobil ansieht, bekommt davon gar nichts mit. 

Da ich bei diesen Fragen, wie bei eigentlich allen blogtechnischen Fragen, sehr erratisch bin, sind auf diese Art schon einige schöne Bildchen verschwunden. Grund genug, hier mal eine kleine Header-Parade zu machen (die Bloglieblingsthemen tauchen eigentlich alle auf, es lässt sich vielleicht auch eine gewisse karge Ästhetik erkennen).