Everybody's fucked in his own special way

Dienstag, 1. Mai 2018

Bekanntmachung

Unerwartet und ungeplant kommen wir hier zu einem Ende. Ich fürchte, mit Ackerbau in Pankow wird es erstmal nicht weitergehen. Ich hatte einen Grund, eine Pause zu machen, ich finde gerade keinen Grund weiterzumachen. Was ich schreiben könnte, will ich gerade selbst nicht lesen. Das kann sich ändern, das wird sich ändern, ich weiß nur nicht, wann, wie und wo. 

Ich danke allen Leserinnen, Kommentatorinnen für die gute Zeit hier. Es wird weitergehen, irgendwie, irgendwo, irgendwann. 



(Illustration Grant Snider aus der Geschichte "Escape from the digital world".)

(Kein Grund sich Sorgen zu machen, mir geht es gut, ich habe nur gerade nichts mitzuteilen.)

Samstag, 24. März 2018

Michali

In diesem Blog steht einiges über ihn. Aber noch viel mehr Sätze hier wären ohne ihn nicht geschrieben worden, weil sie eine Anspielung oder einen Scherz enthielten, von denen ich wusste, dass nur er sie versteht. In der Zeit ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht gedacht habe, das muss ich Michali erzählen, das würde ihm auch gefallen, was er wohl dazu meint. Es wird auch in Zukunft kein Tag vergehen, ohne dass ich das denke, aber ich kann ihm nichts mehr erzählen. Sein großes, sanftes Herz hat heute zu schlagen aufgehört. Ich kann es noch nicht begreifen.

Freitag, 2. März 2018

Was bisher geschah (2)

Es ist Sommer. Herr Ackerbau gießt Tomaten und dann Kartoffeln. Zwischendrin beschwert er sich über irgendetwas. Auf der Invalidenstraße liegt Müll herum. Da hat doch jemand etwas Lustiges auf ein Verkehrsschild geklebt? Es ist Herbst. Herr Ackerbau erntet Tomaten und Kartoffeln. Welch Überraschung: die schmecken gut. Die Sonne geht farbig unter. Auf der Wollankstraße liegt Müll. Irgendwelche Kräuter wachsen. Ob das schon die letzte Ernte ist? Schau, da gibt es noch ein paar Paprika.  Der Kompost wird umgestochen, wahrscheinlich machen Spatzen etwas Lustiges oder etwas, was zumindest Herr Ackerbau lustig findet. Es ist Winter. Wahrscheinlich wird es dunkel. Ernten kann man jetzt nichts mehr, es sei denn, es gibt noch Feigen. Am S-Bahnhof Wollankstraße liegt Müll. Und dann auch noch Schienenersatzverkehr, Teufel, Teufel. Aus dem Flugzeugfenster kann man auch unscharfe Fotos machen. Es ist Frühling. Herr Ackerbau sät Tomaten aus und wartet auf die Saatkartoffeln. Auf der Invalidenstraße liegt Müll herum. Vielleicht gibt es auch eine Baustelle. Unkraut wächst, vielleicht auch ein Stechapfel. Dann wird wieder Sommer. 

Zwischendurch fährt man irgendwohin, macht Fotos, die nichts mit dem Ziel zu tun haben, und fährt wieder zurück. 

(Diese Aufzählung ist erschöpfend.)


Sonntag, 14. Januar 2018

Die Schmorgurke. Eine Erledigung.

(Zugleich ein Beitrag zu der "Let's talk about vegs"-Blogaktion. Wer denkt sich denn nur immer diesen Schwachsinn aus?)


Eines der wunderbarsten Gemüse ist die Gurke. Sie hat festes Fleisch, erfrischt im Sommer wie ein Glas kaltes Wasser und hat einen leichten, zarten Eigengeschmack, wie ein Windhauch über einen idyllischen See. Wenn man Glück hat, schmeckt sie leicht süßlich, nur selten ist sie muffig oder bitter. Eine geraspelte Gurke in Joghurt mit etwas Knoblauch - schöner kann es nicht werden. Ein Schälchen Glück muss sich so anfühlen.

Der Biologe sagt, die Gurke sei ein Kürbisgewächs und die Frucht eine Panzerbeere, aber davon muss man sich ja nicht stören lassen. We had enough of experts! Wikipedia meint, es gebe im Wesentlichen zwei Sortengruppen, die Salatgurke und die Einlegegurke. Wäre es doch nur so!

Es gibt noch eine weitere Sorte, die ich auch lange Zeit gar nicht kannte. Die sogenannte Schmorgurke. Allein der Name ist eine Unanständigkeit. Wer Gurken schmort, schlägt auch Kinder. Die EDEKA-Website sagt heimtückisch, es sei eine "erfrischende Frucht" mit einem "intensiveren Geschmack" als Salatgurken. So war ich anfangs auch arglos, dachte nicht weiter über den obszönen Namen nach und aß zum ersten Mal "Schmorgurkenragout" und merkte, was sich hinter dem intensiven Geschmack verbirgt: Was eigentlich klar und frisch schmecken sollte, war auf einmal muffig und von einer Konsistenz einer halbrohen Qualle. Wie als hätte man eine Salatgurke für eine Woche im Garten vergraben und danach mit Gelatine aufgekocht. Zuerst dachte ich, das Essen sei verdorben, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass jemand freiwillig so etwas essen könnte. Ich musste dann aber feststellen, dass das offenbar so schmecken soll. Allerdings wird der widerwärtige Geschmack auch von den Anhängern mit irgendwelchen ebenfalls blasphemischen Würzungen überdeckt. Man muss nur einen Blick auf die sog. Schmorgurken-"Rezepte" werfen, um festzustellen, was für eine Abnormität dieses Gemüse ist. Gemüse für Leute, die Gemüse hassen! Da ist die Rede von Geheimrezepten! Warum, ach warum, sind sie nicht geheim geblieben? 

Ich war den Tränen nahe: Ich hatte das erste, wirklich erste Gemüse gefunden, das mir nicht schmeckt.

(Theoretischer Nachklapp: Angenommen man wäre mit jemandem verheiratet, der Schmorgurken liebt, aber dafür so verehrungswürdiges Gemüse wie z.B. Lauch nicht mag, das muss dann echte Liebe sein, oder?)