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Donnerstag, 22. August 2013

Bo-ead

(Eine Erklärung der rätselhaften Überschrift folgt am Schluss)

Meine Söhne sind überzeugt, dass ich nicht richtig deutsch kann (wahrscheinlich haben sie ja Recht). Das hängt damit zusammen, dass ich aus Süddeutschland komme, und meine Söhne Berliner sind. In Berlin spreche ich eigentlich durchgängig hochdeutsch (man würde mich sonst auch nicht verstehen). 

Unvergessen, als wir vor ein paar Jahren mit dem Zug von Berlin ins Allgäu fuhren und in München in den ALX (Allgäu Express) umstiegen. Der Schaffner kam mit Heimatklängen, so dass ich auch wieder ins heimatliche Idiom zurückfiel. Strafender Blick von J.J.: "Wir sind Berliner, mit uns kannst du richtig reden, nicht so wie mit diesen Leuten hier." (weiß Gott, ich wollte, ich dächte mir das aus).

(J.S. beim Abendessen:  Ich versteh dich nicht, du redest wieder bairisch)

Zu den Sünden der Süddeutschen gehört es, das Perfekt mit "sein" zu konstruieren in Fällen, in denen "haben" richtig wäre, falsche Artikel zu verwenden (wer zwei Minuten Zeit hat, muss sich unbedingt dieses Video zum Thema "der Butter" ansehen,* einer meiner Lieblingssätze fällt hier) oder grandios in der Aussprache zu versagen (ich sage nur "stimmloses s"). Manche in Berlin erbittert dieser falsche süddeutsche Zungenschlag sehr.

Auch wenn ich um meine Defizite weiß, war ich letzthin überrascht, als F., der Schulkollege von J.J., mich in der S-Bahn bat, doch einmal "China" zu sagen. Nun, wenn's mir einer vorsagt, krieg ich's ja auch hin, und sagte "China" und nicht "Kina", wie ich's sonst gewohnt bin. F. bat mich noch um "Chemie", auch da war ich brav. F. sah dann verwirrt J.J. an: "Aber du hast mir doch erzählt, dein Vater kann nicht..."

Da war ich dann doch bo-ead (für meine Berliner Söhne: stinksauer).


*Der Dialekt ist zwar von der falschen Seite der Iller, aber das Problem des richtigen Artikels für Butter besteht in dieser Form auch in meiner alten Heimat.  

6 Kommentare:

  1. Als schwäbisch-bernerische Coproduktion kann ich dererlei Sprachverhältnisse gut verstehen ^_^

    Pflege mit meiner Mutter ein einzigartiges Idiom einer Mischsprache, derweil ich mit den Schwaben schwäbisch und mit den Bernern berndeutsch spreche..

    Ich meine Herr Ackerbau: Ihr Sohn kann nur berlinerisch während Sie den Vorteil der Mehrsprachigkeit geniessen ...

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  2. Danke! Ich hatte schon gedacht, niemand habe Mitgefühl mit mir als Vater auf verlorenem Posten. Die Kombination schwäbisch/berndeutsch ist aber auch nicht ganz einfach (zumindest müssten es die gleichen allemannischen Wurzeln sein, oder?)

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  3. Ich weiss nicht recht, wie es sich mit den Sprachwuzeln verhält. Jedenfalls funktioniert es bei uns nur in einer Richtung: Wir verstehen die Schwaben, aber diese verstehen uns Berner nicht. So ists jedenfalls in meiner Verwandtschaft... ^-^

    LG Anne

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    1. Ich habe früher gerne DRS 3 gehört, die damals wirklich tolle Musik hatten. Selbst das war manchmal schwer zu verstehen (gibt's eigentlich Jodok Kobelt und Francis Mürner noch? Die habe ich damals gerne gehört)

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  4. Der Buttern ist aber auch im (zumindest kulmbacher) Fränkischen männlich, ebenso wie der Schneck, übrigens.

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    1. Der Butter stand früher auch mal als regionale Nebenform im Duden (wenn ich mich recht erinnere).

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