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Donnerstag, 6. Februar 2014

Wer schmeißt denn da mit Lehm?

Vor zwei Wochen entspann sich in den Kommentaren ein netter Dialog zwischen Wiener Leserin Frau K.* und mir über Wiener und Berliner Durcheinander respektive Pallawatsch. Ich kramte in diesem Zusammenhang ein Zitat von Karl Kraus aus dem Jahre 1912 heraus, das aus einer Glosse stammt, in der er das Zusammentreffen Wiener Gemeinderäte mit Berliner Stadtverordneten schildert. Die Wiener und Berliner werden in der Glosse - wohl nach den jeweiligen damaligen Vorsitzenden - Sedlatscheks und Langerhänse genannt. Kraus schreibt dort: "Die Langerhänse, einzelweis (...) wasserfarbig wie die Seele des Berliners, bei dem es eben nicht auf die Seele ankommt, sondern auf die Straßenreinigung, die Langerhänse also bieten den Vorteil, dass sie die Straßen reine machen, während hingegen die Sedlatscheks mehr Gemüt haben und den Straßendreck vorziehen." Kraus, obgleich Wiener, zieht offensichtlich saubere Straßen dem Gemüt vor und schreibt an anderer Stelle: "In anderen Städten ist die Behauptung, dass man im Straßenkot erstickt, eine Metapher. In Wien ist sie ein Tatbestand." Ich hatte schon in meinem Kommentar angemerkt, dass das eine historische Betrachtung sei, die vielleicht heute nicht mehr ganz zutrifft. (Inzwischen hat man auch in Berlin Gemüt).

Wie zur Illustration kam ich die letzten Tage in der Invalidenstraße an einer Hausfront vorbei, die bis zur Höhe von ca. 2,50 m über eine Länge von etwa 50 Metern mit schwarzem Schlammbatzen verschönt war. Bei einem Friseur putzten zwei Leute die Schaufensterscheiben, die nicht mehr so richtig schön aussahen. Ich kann mir die Verwüstung nicht so recht erklären, vielleicht ist jemand mit einer kleinen Schneefräse in den Schneematsch gefahren.

Man kann sagen, was man will, die Invalidenstraße versucht einem jeden Tag neue Unterhaltung zu bieten.




*Ha! Allein, um ganz nonchalant hinschreiben zu können, "meine Wiener Leserin Frau K." haben sich doch eineinhalb Jahre tägliches Bloggen gelohnt!

4 Kommentare:

  1. Das Gemüt der Sedlatscheks ist heutzutage auch nicht mehr das was es einmal war und anscheinend verbreitet sich im Zuge der Globalisierung auch der (Strassen-) Dreck immer weiter:-)
    LG von Ihrer gerührten, treuen Leserin Frau K. aus Wien (die seit sie hier regelmässig mitliest, ihre Umgebung mit anderen Augen sieht)

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    1. Na, dann sind wir beide gerührt! Liebe Grüße nach Wien! Andreas

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  2. Mir scheint das ist eine "Kunstinstallation" .. und besser als jeder gesprayte Wortgag.
    LG Papierfrau

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    1. Kunst ist es sicher insoweit, als eine solche Sauerei gewisses Können voraussetzt. Ich bin froh, dass ich das Happening nicht als Fußgänger miterlebt habe....

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