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Samstag, 4. März 2017

Bedeutende Dienstreisen (26)

Irgendwie werden die Dienstreisen langweiliger. Ich darf mich aber nicht darüber beklagen, weil ich ansonsten wieder einen Flug annulliert kriege und mit dem Zug nach Hause fahren muss. Diesmal habe ich es aber klüger gemacht und fahre gleich mit dem Zug.

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Vor dem Hauptbahnhof fleddern Nebelkrähen. Ich dachte zuerst, es sei eine Tabakpackung, es waren aber Mäckes-Pommes. 


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Vielleicht zeigt sich langsam ein Happyend zwischen mir und der Digitalisierung? Das dachte ich mir zumindest, als ich mit dem Koffer aus dem Büro gehe. Bei dieser Dienstreise gibt es überhaupt keinen Bezug zu irgendeinem Digitalschmarrn. Zu früh gefreut: Auf den Plätzen neben mir saßen irgendwelche Internet-Leute, die die ganzen dreieinhalb Stunden der Zugfahrt irgendein Projekt besprachen und vor allem beratschlagten, wie man dem Kunden dezent klarmachen kann, dass alles viel länger dauert und mehr kostet als vorher besprochen. Für eine Stunde gab es etwas Abwechslung, weil sich neben mich zwei Leute aus der Haarspraybranche setzten, die ein Mailing abstimmten und über die Parfümtrends in der Kosmetikindustrie fachsimpelten. Ich flüchtete mich in den Mann ohne Eigenschaften. "Er war eine tüchtige kleine Zelle im soialen Körper, die brav ihre Pflicht tat, aber von überall vergiftete Säfte erhielt."

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Ankunft in Hagen. Wenn man es schafft, den Kopf zu heben, ergibt sich ein interessanter Anblick.

Interessant, dass ich seit ich Tikerscherks Kathedralen-Post gelesen habe, überall Glaskunst sehe. Nunja, im Hagener Hauptbahnhof ist es ja tatsächlich ein Glasbild, das einer Kathedrale würdig wäre. Geschaffen vor über 100 Jahren von Johan Thorn-Prikker, von dem ich ansonsten auch nix wüßte. Das Glasbild hat einen Titel, der in mir gleich den Wunsch erweckt, einen Stein in die Scheibe zu werfen: "Der Künstler als Lehrer für Handel und Gewerbe".  In der Mitte sitzt der Künstler und lehrt, ganz rechts steht eine Dame mit Skiern, die, so weiß es zumindest die Website der NRW-Stiftung, den Tourismus im Sauerland symbolisiert. Ist doch kacke. 

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Hagen, uiuiui. Kurz bevor man in den Bahnhof einfährt, sieht man ein Graffiti, neben das gesprüht wurde: "For all die ich know". Hübsch. Gegenüber vom Bahnhof ist die "Kokett-Bar".

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Am Abend geht es zu einer Nachtwächter-Führung auf einem Schloß. Schon am Anfang wird klargestellt: Bei einer Nachtwächter-Führung sieht man halt nix. Auch gut. Wir erfahren, dass RTL "Die Geisterjäger" schon auf dem Schloß waren und Schritte gehört haben (ich wußte bis dahin gar nicht, dass es so etwas wie "Die Geisterjäger" gibt). Ich mache eigentlich ganz gerne Fotos im Dunkeln.

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Attraktion des Schlosses ist eine mumifizierte Hand. Und was soll ich sagen? Sie sah tatsächlich etwa so aus.

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Im Hotel liegen für mich im Zimmer zwei Packungen Ohrstöpsel, die Nacht ist aber angenehm ruhig. Als ich abends aus dem Fenster sehe, kann ich einer Amsel zusehen. In Berlin habe ich noch keine gesehen, aber jetzt schon ein paar Mal in der Früh oder am Abend gehört. Gut, dass die Amseln wieder da sind. 

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In der Sitzung keine Digitalisierung, allerdings schickt mir Frau Ackerbau aus Berlin eine Nachricht, dass sie sich gerade etwas zu Arbeit 4.0 anhört. Kein Entkommen. 

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Die Heimfahrt ist unspektakulär. Am Bahnhof Wollankstraße die erste Kirschblüte.





21 Kommentare:

  1. WOW -> was, für geschulte Augen ... für die alltäglichen WUNDERerlichkeiten (ړײ)
    und passt
    zum heutigen SamstagWE - Wetterbericht -> Speed-Dating mit dem Frühling ... bis 20 Grad an den Alpen !!!

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    1. Mit meinen Augen ist es auch nicht mehr allzu weit her. Ohne Brille sehe ich keinen Meter weit. (Sollte das eine Erklärung für alle unscharfen Fotos sein?)

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  2. Geisterjäger John Sinclair

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  3. Echt jetzt? Johan[n] Dornen-Piekser? Nein, diese (vermutlich) skan­di­navisch­stämmigen Nieder­länder immer …

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    1. Ich kenne den nur aus dem Internet. Ich bin mit dem Glasbild auch erst einmal bedient.

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  4. Der Name des Glasbildes ist peinlich und dumm. Aber die Wirkung auf den Lichteinfall ist schön. 1:1 also. Deswegne rstmal noch nicht einschmeissen, würde ich vorschlagen.

    Ich wusste gar nicht, dass die Amsels über den Winter weg sind. Können die so gut fliegen? Meist laufen sie ja geduckt unter Büschen herum oder über den grasgrünen Rasen der Vorgärten mit Magnolienbäumen, die ringsum gemulcht sind.
    Vielleicht halten die Amseln im Winter einfach die Klappe. Wir tragen ja beim winterlichen Spaziergang am Wannsee auch nicht bauchfrei, weil eh kein Balzpartner griffbereit.
    Amslesn mag ich überaus geren. Jetzt müssen nur die Nachtigallen noch anfangen zu singen und schon ist Sommer!

    (Schöner, anregender Beitrag!)

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    1. Amseln sind wohl immer da, ich kriege die halt nicht mit, wenn sie nicht die Aussaat aufpicken oder singen. Das ist hier ein überaus amselophiler Blog.
      Und keine Sorge, wie das Ding heißt habe ich ja erst in Berlin nachgeschlagen. Und so weit kann ich dann doch nicht werfen.

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    2. (Ich würde auch nicht treffen, wenn ich in Hagen zwei Meter davor stünde.)

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    3. Ich hab auch einen amselophiles Blog. Hab schon Mal einen ganzen Beitrag einer Amsel, bzw. den Amseln an sich gewidmet. Ich nenne sie übrigens allesamt Mirko. Krähen heissen Jakob.

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    4. "Das Wesen eines Menschen erkennst du, wenn du siehst, wie er zu Amseln steht." (Lao Tse, Konfuzius oder vielleicht habe ich's mir gerade auch nur ausgedacht).
      Das amselophilste Blog hat ja Giardino, der hatte letztes Jahr eine Amsel-Nest-Cam.

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    5. Eine Herausforderung ihn zu überbieten.
      Nächstes Jahr an Karneval könnte ich als Amsel gehen..

      (Hier übrigens der Amseltext, bei Interesse: https://kreuzbergsuedost.wordpress.com/2016/05/23/mirko/)

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  5. Ohmanimmerdiesetippfehelr und meine faulheit korrektur zu lesen obendrauf. entschuldigung!

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    1. Ach, Tippfehler in Kommentaren werden hier ja fast erwartet. Wenn der Bloghausherr zu faul ist, vernünftigen Content zu liefern, müssen sich dann halt die Kommentatoren mit Fehlleistungen anstrengen.

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  6. Ich hab auch schon unsere Haus-Amsel begrüsst; wenn ich im Garten sitze, hüpft sie immer um mich herum, in ein paar Jahren ist sie handzahm.

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    1. Bin mal gespannt, ob unsere 17.30 Uhr-Amsel wieder am Start ist, erkennbar am Love Supreme-Riff und Chuck Berry-Solo-Anklang im Gesang. Habe sie dieses Jahr noch nicht gehört.

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    2. Bei dir iss ja auch so laut, während ich im "Grab im Grünen" wohne. Dass bei dir überhaupt Amseln singen!

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    3. Sind wahrscheinlich degenerierte Amseln ;)

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    4. Vorsicht, junges Fräulein. Ich schicke gleich die Pankower Kampfamseln vorbei...

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    5. Die erholen sich hier flott und kommen nie wieder zurück, junger Mann!

      (Oh mein Gott, jetzt werden wir wirklich alt)

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