Seiten

Montag, 19. August 2019

Berliner Redensarten - und was sie wirklich bedeuten (1)

Wie oft hört man in Berlin den Volksmund verschmitzt, mit einem Augenzwinkern sagen. "Der sieht aus wie ein Kartoffel am Fenstersims", wenn er einem mitteilen will, dass irgendjemand irgendwie aussieht.* Natürlich schmunzelt man über diesen Beleg des Berliner Grundsatzes "Schnauze, Herz!", aber die wenigsten wissen, wo der Spruch herkommt. 


Im 18. Jahrhundert regierte der große Kurschattenfürst Friedrich von Pommern ( -> Telegrammadresse "Pomm Fritz") in Berlin, der alle Untertanen mit lustigen Sprüchen und Späßchen unterhielt, während sie hungerten, weil er irgendwelche Schlösser und Orangerien baute. Eines Tages kam Friedrich von Pommern ( -> der "kalte Fritz") auf die Idee, auf alle Fenstersimse seines Schlosses in Angermünde Kartoffeln zu legen, mit denen er ansonsten seine Minister bewarf. Als ein Gärtner die Kartoffel vom Fenstersims nahm, brüllte Friedrich von Pommern (-> der "Fritattenkönig") mit seinem ganzen Hofstatt: "Da kiekste, wa?", so dass der arme Gärtner die Kartoffel roh verschluckte und verendete. Da war natürlich ein großes Hallo, alle trunken (tränkten?, besser noch einmal nachschlagen) eine Molle und seitdem sagt der Berliner Volksmund, siehe oben, so sinse halt, kannste nix machen.

Hinweis: Ich bin zwar Zugezogener und deswegen am besten geeignet, den Berlinern zu erklären, was ihre Sprache und Stadt so bedeutet, trotzdem kann ich nicht ausschließen, dass sich trotz aller Sorgfalt in diesem Beitrag möglicherweise der eine oder andere sachliche Fehler eingeschlichen hat. Unterstützt mich bei meinem Crowdfunding für mein Buch: "100 Fakten über Berlin, die bislang noch niemand wusste."






*Wahrscheinlich nicht so oft, weil ich mir das gerade ausgedacht habe bzw. weil ich halt ein Foto von einer Kartoffel auf dem Fenstersims in der Invalidenstraße habe, aber man kann es ja mit der Genauigkeit auch übertreiben.

5 Kommentare:

  1. Sehr (informativer) phantasievoller Kartoffelblogbeitrag...
    Aber ....BITTE ... hier entlang... hier kann IHNEN geholfen werden... vielleicht:

    http://www.toffi.net/kiss/kunst.htm

    z.B....


    46. Wer stellte die Kartoffel im Berliner "Milljöh" dar?

    Heinrich Z i l l e (1858-1929), der Maler des Berliner Hinterhoflebens der 1920er Jahre, malte zwei Kartoffelbilder. Von ihm sang Claire Waldoff:
    "Seine Kunst brachte ihm des Volkes Gunst;
    er malt statt Parademärsche:
    Mädchenbusen, Kinderärsche,
    lauter nackte, kleene Beester -
    Heinrich heeßt er!"
    Einmal ruft ein Gemüsehändler hinter seinem Verkaufswagen Kartoffeln aus mit den Worten: "Hier - die größten Kartoffeln beim dummen Franz". Dann zeichnet er treffend eine Straßenszene in Berlin-Wedding:
    Die Frauen, die den von einem Hund gezogenen Verkaufswagen mit der Aufschrift "Prima Saatkartoffeln" umstehen, beschweren sich bei Erna Fritze, der Kartoffelhändlerin:
    "Was, das nennen Sie Saatkartoffeln? Die sind ja schon ganz breiig!"
    "Det is ja jrade det Schöne!" ist die Antwort. "Wenn Se die in die Erde stecken, denn ernten Se Kartoffelpuffer!"

    *wissterBescheid...hehe*

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Phantasievoll? Das ist harte, investigative Recherche!

      Löschen
  2. Sehr spannender historischer Beitrag, auf den hatte die Welt schon lange gewartet. Es stimmt aber nicht, dass der Gärtner an der rohen Kartoffel erstickt ist. Fritz und sein Hofstaat waren zu betrunken um zu sehen wie er wieder aufstand. Später sammelte er die Kartoffeln an den anderen Fenstern ein und setzte sie im Garten. Er ließ sie nach der Ernte von seiner Freundin abkochen, da er ja wußte, dass sie roh nicht schmeckt und schwer verdaulich ist. Seitdem vermehrten sich die Knolle mit jeder Ernte und sorgte für das Auskommen von Gärtnergenerationen. Der Spruch ist jetzt: Rin de Kartoffel, raus de Kartoffel, o.ä.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Auch wenn ich gegenüber Berliner Geschichten, die gut ausgehen, eher misstrauisch bin, gefällt mir dein Ende tatsächlich besser.

      Löschen
  3. Ich habe jetzt Hunger auf Pommes. Die Redensart wird sich durchsetzen, ich werde die ab jetzt bei jeder sich bietenden Gelegenheit benutzen. Falls ich sie nicht vergesse, mein Hirn gleicht ja leider einem ganzen Kontinent des Vergessens...

    AntwortenLöschen