Everybody's fucked in his own special way

Donnerstag, 17. August 2017

Das Haus am See: Ikonographisches

Um den See ist ein Straße mit Gehsteig und Radweg. Die Spuren sind mit Farbe gekennzeichnet. Das österreichische Symbol für Fußgängerweg sieht so ähnlich aus, wie das, das ich noch aus meiner Kindheit kenne: Ein Mann mit Hut mit einem kleinen Mädchen an der Hand (das aktuelle Verkehrszeichen Nr. 239 zeigt eine Person mit petticoatartigem Rock mit Kind an der Hand). Die Zeichen auf den Wegen sind in unterschiedlichen Stadien der Verwitterung. Ich fotografiere sie und stelle sie zusammen, das Ergebnis ist überraschend melancholisch, fast als hätte man das Verschwinden der Erinnerung an die eigene Kindheit dargestellt (sofern der eigene Vater Hut trug). 


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Im nahegelegenen Villach gibt es an der Kirchenwand eine Vielzahl von Grabplatten. Am schönsten dieses Memento Mori:


Wahrscheinlich stand auf dieser Platte auch einmal etwas; inzwischen sieht man nur noch das zu große Kind, das mit dem Totenschädel spielt. 


In der Kirche eine weitere Entdeckung: Unter der Kanzel liegt jemand, breit hingestreckt. Erste Überlegungen zu biblischen Ereignissen führen zu keinem richtigen Ergebnis, der Schlüssel findet sich allerdings bei der Skulptur. Sie ist mit "Jesse" bezeichnet. Der Künstler wollte also offenbar die Wurzel Jesse, die Abstammung Jesu aus dem Haus des Königs David, ausgehend von Jesse, dem Vater Davids darstellen. Wenn man ein bisschen rumstöbert, findet man viele schöne Darstellungen dieses Jesse-Lebensbaums, die Idee, Jesse wie einen betrunkenen Bauern unter die Kanzel zu legen, gibt es aber anscheinend nur in Kärnten.  

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Ikonographische Rätsel auch bei einem Abstecher nach Udine. An einem Haus findet sich eine Plakette eines gefiederten Monsters, das ein Buch in der Hand hält. 

Erst als ich noch eine weitere dieser Abbildungen sehe, bekomme ich eine Ahnung: Wahrscheinlich ist es eine Mischung der verschiedenen Evangelistenattribute, der Kopf der Stier, die Pfote der Löwe, die Flügel Adler und Engel, mit der Bibel in der Hand. Oder ein Tetramorph? Die werden ja normalerweise mit mehr Flügeln dargestellt. Gruselig ist der Geselle allemal.

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Und dann gibt es noch ikonographische Rätsel, die sich überhaupt nicht lösen lassen:



(Archaischer Arbeitssicherheitshinweis?)


(Der Zylinderhut, aus dem Brezn auf Glühbirnen fallen?)


Mittwoch, 16. August 2017

Das Haus am See: Sprachliches und Ornithologisches

Normalerweise sagt man es ja über das UK und die USA, aber es passt auch hier: Österreich und Deutschland sind zwei Staaten, die durch die gemeinsame Sprache getrennt sind. Ich höre das ja immer gerne, stelle aber fest, dass zwei Jahrzehnte Berlin meine Dialekterkennungskenntnisse sehr vermindert haben. Entzückend finde ich die Nomenklatur bei den Kartoffeln: Frühe festkochende Kartoffeln sind hier "frühreife speckige Erdäpfel". Speckig als Gegensatz zu mehlig leuchtet mir sofort ein, der österreichische Sprachgebrauch fügt den Erdäpfeln auch noch eine Ebene Erotik hinzu, die preußische Kartoffeln schwerlich erreichen können. 

Also kaufen wir, leicht erregt, die frühreife speckige Annabelle.


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Mein Bücherschrank ist sowieso zu einem großen Teil mit Österreichern besetzt, zwei habe ich mir als Lektüre mitgenommen; nachgelassene Texte von Friedrich Torberg und späte Texte von Karl Kraus. Beides, in mehr als einer Hinsicht, Dokumente einer inzwischen vollständig versunkenen Welt. (Torberg sollte man ohnehin wieder mehr lesen. Als Jugendlicher hatte ich einiges gelesen, was meine Vorstellung von den k.u.k-Zeiten nachhaltig geprägt hat. Die Texte halten m.E. auch jetzt noch stand). In Österreich stelle ich fest, dass sich meine verschütteten Allgäuer Sprachreste nebst Sprachfärbung wieder nach vorne drängen. Allerdings vermischt sich dieses Exil-Allgäuerisch äußerst unschön mit österreichischen Fetzen, von den Sprachfamilien passt das ja eigentlich nicht recht zusammen. Meine Familie erträgt das (wie so manches andere) stoisch.

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Romantischer Abend am See

Frau A.: Ist das schön hier.
Herr A.: Ja.
F: Da sind Enten.
A: Könnten auch Ralle sein.
F: Ralle?
A: Ralle.
F: Das denkst du dir jetzt aus, oder?
A: Nein. Es könnten auch Ralle sein. 
F: Was sind denn Ralle?
A: Na, zum Beispiel diese schwarzen Wasservögel mit weißen Streifen. 
F: Du meinst Blässhühner?
A: Blässhühner sind auch Ralle.
F: Blässhühner sind Blässhühner.
A: Blässhühner sind auch Ralle. 
F:-
A: Hast du eigentlich bei den letzten politischen Diskussionen gar nicht aufgepasst?
F: ?
A: War doch in allen Zeitungen: Ehe für Ralle!
F: -
A: EHE FÜR RALLE! HAHA!
F: Ich gehe jetzt besser wieder in die Ferienwohnung.
A: RALLE!

(Später)

F: Ich habe jetzt nachgesehen. Offenbar hatten wir beide recht: Blässhühner sind eine Unterart der Familie der Ralle.
A: WAS HEISST HIER, WIR HATTEN BEIDE RECHT? GENAU DAS HABE ICH DOCH GESAGT UND DANN HIESS ES WIEDER, ES GÄBE KEINE RALLE, ICH DÄCHTE MIR DAS ALLES NUR AUS, UND ÜBERHAUPT:::
F: -
A: -
(schläft dann auf der Veranda). 

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Neben Enten und Rallen gibt es auch Haubentaucher auf dem See. Die sehen ja ohnehin sehr schön aus, ich habe dann immer wieder versucht, ihnen hinterher zu schwimmen. Das ist gar nicht so einfach, weil der Haubentaucher plötzlich untertauscht und dann nach sehr langer Zeit an einem ganz anderen Ort wieder auftaucht. An einem Tag, aber wirklich nur an einem Tag habe ich beobachtet, dass Schwalben ganz knapp über den See flogen, um sich Insekten zu fangen. Das war auch schön, zu schwimmen und die Schwalbe knapp vor einem herumfliegen zu sehen.

Dienstag, 15. August 2017

Das Haus am See: Anreise

Ich möchte auch diesmal wieder ein paar Blogposts zu Urlaubserlebnissen und -beobachtungen schreiben. Die Überschrift vom letzten Mai "Verirrte Seelen unterwegs" kann ich allerdings diesmal nicht verwenden, weil Frau Ackerbau dabei war, und sie immer weiß, wo sie hin will und auch wie sie dort hinkommt. Wegen unseres Ferienhauses fiel mir dann irgendwann "Haus am See" ein, eines der neueren Lieder, das viele Leute auswendig mitsingen können. Eigentlich mag ich es nicht, weil es eine wirklich lahme, vollkommen aufs Private reduzierte Zukunftsvision ist. Aber vielleicht passt es ja gerade deswegen. Also: die nächsten paar Tage Berichte vom Haus am See. 

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Normalerweise beschränke ich mich aufs Beifahrerdasein, bei der Hinfahrt habe ich aber auch ein paar Streckenabschnitte übernommen. Ich versuche mich meistens, ums Autofahren zu drücken, wenn ich dann mal fahre, macht es mir aber überraschend viel Spaß. Der größte Vorteil daran, Fahrer zu sein: Man kann das Unterhaltungsprogramm bestimmen. Neben ein paar Musik-CDs hatten wir auch ein paar Hörbücher eingepackt. Erkenntnis: Nick Hornbys "High Fidelity" ist immer noch sehr lustig, aber wohl nicht das richtige Programm für Autofahrten mit 10jährigen. Bei meiner zweiten Auswahl, Erzählungen von Kafka, ergab sich ein Effekt, der sonst in der Familie nur zu beobachten ist, wenn ich zuhause John Zorn auflege: Die anderen Familienmitglieder haben es sofort instinktiv gehasst. Wir hörten den "Landarzt", eine der wenigen zu Lebzeiten veröffentlichten Erzählungen, ziemlich genau 100 Jahre alt. Ich habe die Erzählung wohl das letzte Mal vor knapp 30 Jahren gelesen, ohne dass ich mich noch groß erinnern konnte. Vorgelesen war das Stück eine wirkliche Achterbahnfahrt, die alle zwei, drei Sätze die Richtung abrupt änderte. Ich fand es wunderbar, danach wurde aber allgemein um andere Beschallung gebeten. 

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Erster Zwischenstopp in der alten Heimat, mit den Eltern in ein Gasthaus im nächsten Ort. Ich hatte mich schon auf den Allgäuer Landgasthof gefreut, musste aber feststellen, dass auch hier die Zeit weitergegangen ist. Es waren amerikanische Wochen, so dass auf der Karte verschiedene Texas Barbecue-Gerichte zu finden waren. Einiges auch mit Süßkartoffelpommes, was so etwa Peak-Prenzlauer-Berg ist. Nach kurzer Überlegung kam ich aber zu dem Ergebnis, dass es einigermassen vermessen von mir wäre, zu verlangen, dass sich zuhause nichts ändern darf, dass ich die ein, zweimal, die ich im Jahr vorbeikomme, alles wie gewohnt und geliebt vorfinde. Auch der Allgäuer will halt mal Süßkartoffelpommes essen, ohne zu den gräßlichen Berlinern fahren zu müssen. Was sich zuhause nicht geändert hat: Die Wassertretplätze. Kein Tag ohne Wassertreten, es gibt nichts angenehmeres. Man muss sich nur daran gewöhnen, dass außerhalb von Berlin noch das freundliche Plaudern geübt wird. Wenn man unvermittelt angesprochen wird, bedeutet das dann noch nicht, dass jemand Geld von einem will oder einem irgendwelche Prügel androht. 

(An der Wassertretstelle gleich auch religiöse Erscheinungen.)

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Nach der kurzen Zwischenstation ging's dann weiter nach Österreich, dem See entgegen. 



Montag, 14. August 2017

Mit dem Kiezschreiber durch Prenzlauer Berg

Der Abend:

Der Tag danach:

(Wir streiten uns immer noch, wer von uns eigentlich der schlechte Einfluss für den anderen ist.)

Von hier aus die besten Geburtstagsgrüße!

Sonntag, 13. August 2017

Sachen gibt's!



Also, die Frau war verdächtig, ein kleines Kind verhext zu haben, deswegen warf man sie auf den Scheiterhaufen. Ihre Tochter wollte, um sie zu rächen, das Kind auch auf den Scheiterhaufen werfen, warf aber versehentlich ihr eigenes Kind rauf. Eine andere Frau hatte sich in einen Sänger verliebt, aber der Krieger liebte sie auch irgendwie. Als sie dann die Stimme hörte, dachte sie, der Krieger sei der Sänger, aber der Sänger fand das doof und meinte, sie sei treulos, und der Krieger wollte den Sänger dann umbringen, die beiden kämpften, der Sänger hatte den Krieger schon am Boden, aber eine Stimme vom Himmel sagte, er solle ihn verschonen, dann verletzte der Krieger den Sänger schwer. Die Frau dachte, der Sänger sei tot und wollte deswegen ins Kloster. Der Krieger wollte jetzt die Frau bevor sie den Schwur ablegt vor dem Altar kidnappen, der Sänger wollte dann den Krieger doch umbringen, Stimmen vom Himmel hin oder her, aber dann begann es zu regnen und zu donnern und die Vorstellung wurde abgebrochen, und jetzt werde ich nie erfahren, wie es ausgeht.



Samstag, 12. August 2017

Ist da noch jemand?

Der Sommer ging ins Land, der Blog liegt schon seit vier Wochen brach, aber fleißige Roboter sorgen für Zugriffszahlen, auch wenn niemand mehr mitliest. Das ist doch einmal perfekte Automatisierung, sowohl Schreiber als auch Leser sparen sich enorm Zeit und Nerven.

Trotzdem wird es wohl Zeit, wieder anzufangen. Die Jubiläumsverlosung muss ich erst noch einmal sortieren, aber ich habe das deutliche Gefühl, dass jeder der teilgenommen hat, auch etwas gewonnen hat. Möglicherweise sogar das, was er sich gewünscht hat. Außer diejenigen, die die Mix-CD "Punklieder über Gemüse" haben wollten, ich habe immer noch keines gefunden, müsste also erst einmal selber ein paar schreiben. Die Auswertung kommt noch, gebt mir noch ein bisschen Zeit.
 
Fangen wir also wieder an (wahrscheinlich zunächst mit unsystematischen Urlaubsanmerkungen, soweit ich mich noch daran erinnern kann).  


(Die längeren Haare und der Bart stehen mir gut, oder?)

Dienstag, 18. Juli 2017

Warnung

Eigentlich wollte ich ja mit dem Bloggen pausieren. Was musste ich aber sehen, als ich gestern die Invalidenstraße hinunterging?


Das scheint mir eine deutliche Warnung zu sein. Gut, den einen zusätzlichen Post gibt's dann also noch. Die Warnung ist sicherlich auch für alle Leser gedacht, die sich noch nicht an der Jubiläumsverlosung beteiligt haben.

Sonntag, 16. Juli 2017

Jubiläumsverlosung!

Bevor es hier in die Sommerpause geht, gibt es eine 5-Jahres-Jubiläums-Verlosung. Jeder kann mitmachen, ich habe wieder ein paar Sachen herausgesucht, die ich selber gerne mag. Zur Auswahl stehen diesmal:


- Ein Bild von Javier Mayoral
- Eine Lithografie-Tafel aus einem Lexikon des späten 19. Jahrhunderts
- Ein signiertes Poster von Jürgen Rinck (@irgendlink) mit 100 Verbotsschildern
- Das Buch "The shape of ideas" von Grant Snider
- Ein signiertes Comic von Eddie Argos und Steven Horry

Wer will, kann sich von mir auch eine Mix-CD wünschen, mit beliebigen stilistischen, thematischen oder zeitlichen Vorgaben. "Drogenlieder der dreißiger Jahre" oder "Punklieder über Gemüse" wären hier naheliegende Vorschläge. 

Falls wider Erwarten die Beteiligung größer sein sollte und die genannten Preise nicht ausreichen, findet sich (wie auch im letzten Jahr) für die weiteren Kandidaten sicher auch noch etwas Nettes.

Wie kann man mitmachen? Einfach hier kommentieren und hinterlassen, welchen Post von Ackerbau in Pankow man besonders gut, schlecht, lustig oder doof fand. Falls Ihr nur was gewinnen, aber Euch nicht näher mit diesem Blog beschäftigen wollt, ist das auch ok, dann müsst Ihr aber eine peinliche Tatsache über Euch offenbaren. Wenn Ihr ohnehin peinliche Tatsachen über Euch offenbaren wollt, nur zu. Das gibt dann einen zusätzlichen Sonderpreis.

Wer gerne unbedingt einen bestimmten der genannten Preise haben würde, gibt das kurz im Kommentar an. Im Rahmen der Möglichkeiten werde ich Wünsche gerne berücksichtigen.

Falls Euch Blogspot, diese googlesche Teufelsmaschine, nicht kommentieren lässt, schickt mir einfach eine E-Mail an ackerbaupankow@gmx.de, ich packe das dann in die Kommentare. 

Mitmachen kann man bis zum 31. Juli 2017 (Haha, der Kiezschreiber kann also nicht mitmachen, weil er offline ist! That will teach him!) Irgendwann Anfang August werde ich dann hier auch mal weitermachen, so Gott will und so Donald nicht einen Weltkrieg beginnen muss, um von den doofen Umtrieben seiner Kinder abzulenken. 

Passt auf Euch auf, habt einen schönen Sommer und ich freue mich auf zahlreiche Teilnahme!

Samstag, 15. Juli 2017

Nach dem fünften Jahr

Ein Freund und Kollege von mir, der stundenlang in einem russischen Zug unterwegs war, versuchte die kyrillischen Buchstaben auf den Wandplakaten zu entziffern und verfiel dabei in eine Art reverie darüber, was sie bedeuten könnten und - dem Prinzip der "freien Assoziation" folgend - woran sie ihn erinnerten, und er befand sich alsbald inmitten von allerlei Reminiszenzen. Zu seinem Leidwesen entdeckte er unter denselben auch ein paar alte und höchst unangenehme Gefährten schlafloser Nächte, [...] . Durch freie Assoziation stößt man auf die kritischen geheimen Gedanken, gleichgültig, von welchem Ausgangspunkt her, ob von Symptomen, Träumen, Phantasien, kyrillischen Buchstaben oder Bilder moderner Kunst. [...]"

C.G. Jung, Traum und Traumdeutung

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Ich kenne einen Mann, der auf dem Weg zur Arbeit die Augen offen hält und aufmerksam alles am Wegesrand registriert und dokumentiert. Seine Gedanken sind nicht durch alltägliche Sorgen oder Überlegungen zu seiner Arbeit verklebt und verkümmert, er sieht mehr als alle anderen Passanten. Sein Blog ist daher gelebter Zen-Buddhismus. Kennen Sie ihn zufällig?

Matthias Eberling, Tote wissen nichts

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Fünf Jahre sind vergangen, knapp 1800 Posts. Blogs wachsen, sie entwickeln sich. Noch habe ich nicht das Gefühl, dass das nur noch eine mechanische Übung ist oder ich mich nur noch wiederhole, also kann ich noch weitermachen. Richtschnur ist hier immer, dass mich der Kram hier selbst interessieren muss. Ob die Leser sich drauf einlassen wollen, müssen sie selbst wissen. Dieser Blog überlässt ja ohnehin den Lesern die meiste Arbeit. Wie in dem einleitenden Zitat ausgeführt, ist das Material, über das man sinniert, egal. Es weist einen immer nur auf das hin, was ohnehin in einem schlummert.

Beim zweiten Zitat bin ich so unbescheiden, es auf mich zu beziehen, muss aber gleich sagen, dass ich den Mann (leider) nicht kenne. Ich wäre sicher gerne frei von alltäglichen Sorgen, bin's aber nicht. Jeder Blog ist im gewissen Maße Inszenierung, der Blogbetreiber bestimmt, was der Leser zu sehen kriegt und was vor ihm verborgen bleibt. Ich lasse hier das meiste weg, was mit anderen Menschen zu tun hat, zumindest soweit es negativ ist. Die Familie wird ohnehin inzwischen weitgehend ausgespart, weil die sich auch Schöneres vorstellen kann, als Personal einer schlechten Sitcom zu sein. Was die sonstige Umgebung betrifft: Sich über identifizierbare Leute in einem anonymen Blog aufzuregen, ist immer eine schwierige Abwägung. Deswegen bleibt hier einiges ausgespart, was den stoischen Eindruck beeinträchtigen könnte. Ich fände es interessant, mehr über die Arbeit und die entsprechenden Konflikte zu schreiben, das müsste dann aber in anderer, stärker verfremdeter Form geschehen. Das wäre eher zeitaufwendig.

Über die fünf Jahre haben sich die Inhalte hier durchaus verändert, auch wenn das Grundkonzept noch einigermaßen intakt ist. Am Anfang habe ich mich einiges gar nicht zu schreiben getraut, weil ich Sorge hatte, jemand könnte Anstoß nehmen. Relativ rasch habe ich gemerkt, dass dafür erst einmal jemand den jeweiligen Text lesen müsste. Inzwischen mache ich hier weitgehend, was ich will. Pöbelkommentare habe ich bislang noch keinen bekommen, das Schlimmste war mal jemand, der ausgiebig meine Fotografien lobte, das vertrage ich nicht (da habe allerdings ich gepöbelt, naja)

Ich habe mich immer eher als Schreiber gesehen und ich bin auch überzeugt, dass ich eher in der Lage bin, einen vernünftigen Text zu schreiben als ein vernünftiges Foto zu schießen. Trotzdem ist das hier alles furchtbar bildlastig, vor allem deswegen, weil ich für Texte viel zu lange brauche. Es bleibt also bei dem Paradox, dass das hier ein bildlastiger Blog ist mit Fotografien, die meistens formal ungenügend bleiben. Schlimmer noch, mich interessiert es auch gar nicht, hier besser zu werden. Das ist so eine Art lo-fi-Ansatz, der es wohl einigen unmöglich macht, hier regelmäßig vorbei zu schauen. Das tut mir leid, aber ich werde es nicht ändern (selbst wenn ich das könnte). 

Wie schon im letzten Jahr geschrieben: Die Leserinnen haben die Option, anderswo hinzugehen, wenn ihnen das Programm hier nicht passt. Ich habe die Option leider nicht, sondern muss mit meinen guten und weniger guten Einfällen leben.

Die Zugriffszahlen sind inzwischen gar nicht mehr sinnvoll ermittelbar, da der Blog seit etwa einem dreiviertel Jahr von französischen Bots besucht wird, die etwa fünf Mal so viel Zugriffe generieren wie die "richtigen" Besucher. Die Statistiken versinken damit im Schlamm der virtuellen Besucher. Wenn ich mir sehe, was aus deutschsprachigen Ländern kommt, schätze ich, dass hier täglich etwa 40-60 Leute aufschlagen, relativ konstant. Das ist nicht furchtbar viel, aber ich bin vollkommen zufrieden. Schließlich werden hier keine Themen behandelt, die spannend wären, sondern eher merkwürdige Sachen. Meine Besucher sind aber zumeist mitteilsam, freundlich und witzig. Was will man mehr? Häufig stehen in den Kommentaren Dinge, die meine Gedanken anregen und mich freuen oder die den Post besser oder witziger machen. Wenn ich mir ansehe, wie es ansonsten in Kommentaren oft aussieht, weiß ich das sehr zu schätzen. 

Über die Jahre habe ich mich auch immer gefreut, in Kontakt mit anderen Bloggern zu kommen. Das funktioniert ganz gut, einige kenne ich jetzt auch persönlich, anderen schreibt man gelegentlich E-Mails, mit vielen habe ich regelmäßig Kontakt. Ich hatte früher immer Brieffreunde, das scheint mir hier eine Fortsetzung der Brieffreundschaften mit anderen Mitteln zu sein. Über die Jahre haben einige aufgehört, manche sind verstummt, andere verschollen in den großen Berliner Bloggerkriegen, von anderen hört man nur noch sporadisch, aber das ist halt der Lauf der Dinge und auch, wenn man manchmal lange Zeit nichts mehr voneinander hört, ist der andere doch nicht vergessen. Ich stöbere auf jeden Fall immer noch gerne in den über 70 Blogs, die bei mir in der Blogroll sind (auch wenn davon inzwischen eine große Anzahl inaktiv ist). Aber ich finde auch immer wieder neue Seiten, die ich gerne lese.  Ich glaube auch, dass ein Netzwerk von Bloggern notwendig bleibt, damit das ganze Unterfangen noch Sinn hat. Irgendwann kann ich sonst meine Posts auch mit Edding in den Unterführungen aufmalen. Es scheint mir aber so zu sein, als würden verstärkt Leute mit Blogs aufhören, während nicht mehr so viel nachkommt. Man wird sehen. Vielleicht muss man irgendwann wirklich wieder anfangen, Briefe zu schreiben und kleine kopierte Heftchen zu verschicken, wie zu Punk-Fanzine-Zeiten. Wenn meine Einschätzung der Zugriffe auf AiP einigermaßen zutrifft, wäre das wahrscheinlich sogar machbar. 

(Und nein: Mein neues Fanzine würde dann nicht mehr "Die Deutsche Bäckar-Zeidung" heißen.)

Abschließend möchte ich allen Leserinnen, Kommentatorinnen und Sympathisantinnen jeglichen Geschlechts für Besuch und Wohlwollen danken. Ich werde mich bemühen, auch im nächsten Jahr wieder täglich eine kurze Notiz zu veröffentlichen. Und es wird mir gelingen, Euch zu überraschen, weil ich ja selbst meist am Abend noch nicht weiß, was da am Morgen stehen wird. 

Und wer noch das Geheimnis dieses Blogs wissen will, Grant Snider hat es hier aufgeschrieben. 

(Morgen gibt es dann noch die große Jubiläumsverlosung, danach die übliche Sommerpause.)  


Freitag, 14. Juli 2017

Das eingefangene Schlumpf-Gespenst


(Oder doch andersrum? "Der blaue Dschinn"?)




(Kenner wissen, dass kurz vor dem Staffelfinale immer so merkwürdige Posts kommen.)

Donnerstag, 13. Juli 2017

Dienstag, 11. Juli 2017

Wochenendbeschäftigung

Es war hier schon lange nicht mehr von meinen Tomaten die Rede. Stammleser wissen: das heißt nix gutes, wenn es auch nur die kleinsten Erfolgsmeldungen herauszuplärren gäbe, würde Herr Ackerbau das sofort tun. 

Tatsächlich ging es etwas schleppend voran. Die Tomatenpflanzen im Gewächshaus mickerten vor sich hin, meine kleinen Buschtomaten sahen nach den ersten drei Tagen so aus, als würden sie gleich wieder eingehen. Während ich Ende Mai im Urlaub war, hat sich dann Frau Ackerbau der Tomaten im Tomatengnadenhof erbarmt - der Pflanzen, die ich eigentlich gar nicht mehr auspflanzen wollte - und hat sie in Töpfe gesetzt, die auf unserer Terrasse herumstehen. Merkwürdigerweise gedeihen diese Pflanzen derzeit besser als die im Gewächshaus. Auf der Terrasse haben einige schon Früchte angesetzt, im Gewächshaus ist man noch um Blüten froh. 

Am Wochenende musste ich mich endlich mal um die Tomaten kümmern, ausgeizen, richtig anbinden. Und tatsächlich sieht es gar nicht so schlecht aus. Wie immer hat die gärtnerische Schlampigkeit auch immer vorteile: Da ich sehr spät ausgeize, gibt es einige sehr große Nebentriebe. Bei einigen hat das den Effekt, dass der meterhohe Haupttrieb noch gar keine Blüten hat, es aber niedrige Nebentriebe gibt, die schon ansetzen. Da wird dann erbarmungslos der Haupttrieb rausgeschnitten. 

Die Beschriftungen sind wieder teilweise verloren gegangen, teilweise kann ich die kleinen Zettel auch nicht mehr lesen. Das ist problematisch, weil ich ja zum einen Teil Winztomaten habe, zum anderen Fleischtomaten-Monster. Wäre schon ganz gut zu wissen, was was ist. 

Die kleinen Tomaten liefern auch schon die ersten reifen Früchte. So langsam geht's los.  Eigentlich bin ich viel zu spät dran, wenn man denkt, dass ich an den Pflänzchen schon über vier Monate rumziehe. Allerdings denke ich, dass ich im neuen Gewächshaus bis weit in den Oktober vernünftige Bedingungen habe, also wird das schon alles passen.

Montag, 10. Juli 2017

Geschäftsidee

Jeden Tag frustriert, dass die Freunde, Arbeitskollegen und Verwandten auf Facebook immer so tolle Bilder mit so tiefen Sinnsprüchen posten und man selbst hat nichts dergleichen?

Jetzt gibt es Abhilfe: "Zen-Pictures" von Bonetti und Ackerbau. Qualitätssprüche aus der Hunsrücker Provinz kombiniert mit hauptstädtischen Qualitätsbildern. Machen Sie Ihre Bekannten neidisch! 






Abopreise (jede Woche fünf Bilder, zu Feiertagen Übergrößen, Witze mit Aufpreis) auf Anfrage. 

(Fragen Sie auch nach der Sonderedition "Schlüpfriges Schweppenhausen" für den Kenner!)