Everybody's fucked in his own special way

Montag, 18. Dezember 2017

Symbolbold (Symbolbild)


(Nachtrag 8:41 Uhr: Ich habe gerade festgestellt, dass in der Überschrift anstelle von "Symbolbild (Symbolbild)" "Symbolbold (Symbolbild)" steht. Ich kann mich jetzt nicht ganz entscheiden, ob das mit dem Tippfehler nicht eigentlich noch besser ist (immer gewahr der Tatsache, dass Dinge, die besser sind, nicht notwendigerweise gut sind). Wenn ich auf den Dreh mit "Bold" gekommen wäre, hätte ich dann aber wohl noch lieber "Systembold (Symbolbild)" geschrieben und gewartet, ob mir jemand erklären kann, was ich gemeint habe.)

(Nachtrag 2: Seid Ihr jetzt auch alle so aufgeregt wie ich? Schade, dass das so spät passiert, sonst wäre ich damit sicher in jeden Fernsehjahresrückblick gekommen.)

Sonntag, 17. Dezember 2017

So leben wir alle Tage

Jeden Tag, wenn ich an der Pfütze vorbeikomme, habe ich das Gefühl, sie fotografieren zu müssen, obwohl man ja immer dasselbe sieht.

Gestern bin ich von der anderen Straßenseite gekommen und sah, dass noch mehr darin versteckt ist.


Samstag, 16. Dezember 2017

Der Träumer, erwachend (2)

Letzthin habe ich mich mit F. über Träume unterhalten, auch darüber, inwieweit sie einer Deutung zugänglich sind. Ich habe mich vor Jahrzehnten mal etwas ausführlicher mit dem Thema beschäftigt und mich durch Freud, Fromm, Jung gelesen und bin dann zur Überzeugung gelangt, dass Träume einem manchmal helfen können, unbewusste Konflikte zu erkennen. Beispielhaft war für mich immer ein Traum, den ich mit vielleicht 20 Jahren hatte: Ich war mit Paul McCartney in einem Operationssaal, wo wir einer Kuh halfen, ein Kalb auf die Welt zu bringen, das leider schon im Mutterleib mumifiziert war. Ich habe den Traum gerne erzählt, weil er so absurd war; irgendwann, ein paar Jahre später wurde mir während des Erzählens auf einmal bewusst, was die Botschaft war. (Der innere Konflikt, der den Traum ausgelöst hatte, bestand nicht mehr, deswegen war es dann auch einfach, den Traum zu verstehen).*

***

Ich habe mich lange nicht mehr damit beschäftigt, vielleicht habe ich ja keine unbewussten inneren Konflikte mehr, oder sie sind mir inzwischen egal, oder ich habe inzwischen andere Methoden gefunden, mein Unterbewusstsein auszuleuchten, sucht es euch aus. Nachdem ich mich aber mit F. über Träume unterhalten habe, bekam ich zur Belohnung mal wieder ein paar symbolische Träume. Ganz gängiger Effekt: Wenn man die Traumdeutung von Freud liest, bekommt man normalerweise irgendwelche Träume mit wunderbarer Freud'scher Symbolik, wenn man sich mehr auf die Träume  konzentriert, wird man dann auch mit ein paar Vorführträumen belohnt. Bei mir war es diesmal ein Traum, in dem wir in einem zweistöckigen Haus wohnten, im Untergeschoß wohnte S., eine alte Freundin aus Universitätszeiten, die leider schon gestorben ist. Im Traum war sie auch tot, ihre Leiche war offenbar schon seit Wochen im Untergeschoß und ich machte mir Gedanken darüber, was man jetzt tun könnte. Anonym die Polizei rufen? Die würden dann ja mich verdächtigen und ich hatte doch mit dem Tod gar nichts zu tun. Die ganze Situation war sehr unangenehm. Beim Aufwachen brauchte ich nicht lange zu überlegen, was mir der Traum sagen wollte: Es gibt unangenehme Dinge, die noch viel unangenehmer werden, wenn man sie lange rausschiebt. So z.B. wenn man wie ich die Zusage für einen Fachbuchbeitrag gibt und vier Monate nach der Deadline noch nicht mit dem Schreiben begonnen hat. Mit dem Hang zum schlechten Wortspiel, der dem Traum zu eigen ist, fand er nicht nur ein eindringliches Bild dafür, wie ein dauerndes Versäumnis dazu führt, dass es immer unangenehmer wird, sondern er machte auch darauf aufmerksam, dass meine längst überzogene Deadline eben meine "Leiche im Keller" (bzw. Untergeschoß ist). Dass die Deutung nicht allzu schwierig war, lag sicher auch daran, dass mein Fachbuchdrama zwar ein innerer Konflikt ist, aber ganz sicher kein unbewusster. 



***

Vorgestern hatte ich (nachdem mal wieder ein Anruf mit Frage nach dem Sachstand kam) wieder einen Traum. Ich ging in einem großen Tal herum, das offensichtlich eine Talsperre war, die noch nicht mit Wasser befüllt war. Die Bergwände ragten sicher über 100 m auf allen Seiten. Irgendwie wusste ich, dass die Talsperre um 16 Uhr befüllt wurde, hatte es aber erst mal nicht eilig herauszukommen. Auf einmal begann von allen Seiten das Wasser zu kommen und ich merkte, dass ich mich jetzt langsam in Sicherheit bringen müsste. Ich begann die Felsen hoch zu klettern, machte mir aber etwas Sorgen, ob ich hoch genug klettern könnte. Das Merkwürdige war, dass ich noch während des Traums das Traumgeschehen analysierte und praktisch einen Kommentar dazu dachte: Ganz schön dick aufgetragen, ja, ich weiß, ich bin ziemlich spät dran mit dem Schreiben, aber müssen meine Träume denn so durchsichtig pädagogisch sein? 

Als ich aufwachte, musste ich nicht lange über den Traum nachdenken, weil ich ihn ja schon währenddessen analysiert hatte. Ich hoffe mal, das war's dann mit solchen Träumen, sonst kann ich gleich noch ein Bändchen mit Motivationsfabeln schreiben.



*Nö, den erkläre ich jetzt nicht, träumt gefälligst selbst etwas. 

Freitag, 15. Dezember 2017

Freitagstexter


Mal etwas Neues: Bei der geschätzten Frau Lakritze habe ich beim Freitagstexter mitgemacht, einen Pokal eingesammelt und darf jetzt heute den nächsten Freitagstexter ausrichten. Das bedeutet: Ein Bildchen hier einzustellen und die Blogbesucher zu bitten, einen schönen Untertitel für das Bild zu finden. Die Vorschläge werden gesammelt bis Dienstag, 24 Uhr, am Mittwoch wird ein Gewinner gekürt, der dann am nächsten Freitag in seinem Blog weitermachen darf/muss. 

(Die ausführlichen Regeln finden sich hier, beim Wortmischer.

(Ich muss wohl nicht erläutern, dass in diesem Blog von den Kommentatoren eigentlich schon lange Freitagstexter gespielt wurde, ohne dass uns allen das bewusst war. Ich habe natürlich die Sorge, dass die Alternativbetextung hier nur funktioniert, wenn nicht dazu aufgefordert wird. Wir werden sehen.)


So, Tiere gehen ja immer. Also her mit den Über- und Unterschriften in den Kommentaren!

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Dienstag, 12. Dezember 2017

Der Träumer, erwachend



Im Traum war mir die Lösung noch vollkommen klar vor Augen gestanden, wie ein Text in Druckschrift auf weißem Papier,  aber schon kurz nach dem Aufwachen war mir so, als seien die Buchstaben vom Blatt gefallen, und wären nur noch zufällige Striche und Kringel, ohne Ordnung auf dem Boden liegend. 

Moment. Sind das Nudeln?



Montag, 11. Dezember 2017

1 Abend, 2 Bilder



Einer sieht von oben zwei Männern beim Biertrinken zu. Vielleicht hätte er zu den Geschichten aus Helgoland und dem Allgäu etwas beitragen können.


Diese drei jungen Leute waren eher nicht im Kuchen-Rausch. 


Samstag, 9. Dezember 2017

Dr Baula flaggt umanand*







(1a Catcontent hier. Markos verfolgt offenbar das Kunstprojekt, auf jedem Quadratmeter unseres Hauses mindestens eine Stunde geschlafen zu haben.)

*Der Kater liegt herum.

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Würstchen

Ich frage mich manchmal, ob es auch anderswo diese merkwürdigen Schlachter-Werbungen gibt wie in Berlin. Aus Süddeutschland kenne ich die Bilder von fidelen Schweinen, manchmal mit umgebundenen Speiselatz und Besteck in den Klauen. In Berlin gibt es häufig die Würstchen, die wie Menschen angezogen sind. Mit Hut, Schuhen und Handschuhen. Manchmal auch einen Kinderwagen mit kleinen Würstchen ziehend.

Irgendwie ist das ja creepy. Gibt's solche Beispiele auch anderswo?

Ergänzung: Auf dem Weg zur Arbeit habe ich in der Invalidenstraße einen Lastwagen gesehen, auf den ein Bild eines Schweines in Hotpants gemalt war, das dem Betrachter den Hintern zuwendet. Vielleicht sind Würstchen mit Zylinderhut ja eigentlich ganz dufte. 

Dienstag, 5. Dezember 2017

Blogaktion: Let's talk about vegs

(Ich entschuldige mich hiermit für das dumme Wortspiel in der Überschrift und bitte gleich anschließend um Entschuldigung, dass ich "ich entschuldige mich" geschrieben habe, weil man sich ja doch selbst nicht entschuldigen kann, allerdings ist das jetzt eher ungünstig für alle, die mich in den Kommentaren auf diesen Umstand hinweisen wollten, aber vielleicht fällt denen ja noch etwas anderes auf, auf das man in den Kommentaren hinweisen kann.)


(Mit so einem Anfang kann das ja nur ein Knallerpost werden.)

Bei Frau Tikerscherk (die, man kann es leider nicht anders nennen, eine beängstigende Rote-Beete-Feindseligkeit, quasi eine Betavulgarisphobie in sich trägt) habe ich mich über Gemüse unterhalten. Frau Tikerscherk mag weder Rote Beete noch Fleischtomaten, aber wir konnten uns auf Bohnen einigen. Das brachte mich zuerst zu dem Gedanken, man könnte doch eine Blogaktion machen, in der Beiträge über Gemüse gesammelt werden,  und danach fiel mir noch das Aktionsmotto ein, dazu s. oben.


Sinnvollerweise setzt man für eine solche Aktion einen Termin im Januar, in dem man sich sowieso nur von trister Rohkost ernährt. Ich würde mal 

den 14.1.2018 

vorschlagen, dann haben wir alle vegetarische Sonntagslektüre und ich muss mich nicht mit der FAS rumärgern. 

Mitmachen kann jeder, unter zwei Voraussetzungen: 

1. Der Blogpost muss sich mit einer bestimmten Sorte von Gemüse beschäftigen, idealer- (aber nicht notwendiger-)weise handelt es sich dabei um eine ungerechte, rein subjektive Lobeshymne oder Hasstirade. Haarsträubende biographische Details und niveaulose Überschriften ("Kohlrabi hat meine Familie zerstört") sind nicht Bedingung, aber (zumindest von mir) gern gesehen. 

2. Der Name der Blogaktion ("Let's talk about vegs") muss natürlich genannt werden, warum sollte nur ich mich blamieren?

Wer ist dabei? (Aber keine Angst, ich zieh das auch alleine durch.)

Hinweis an Herrn Bonetti: Mettwurst ist kein Gemüse. 

Sonntag, 3. Dezember 2017

Samstag, 2. Dezember 2017

Geht die Reproduktionsmedizin jetzt zu weit?




(Lustigerweise greift das die alte gnostische Vorstellung auf, dass Maria das Jesuskind durch das Ohr empfangen hat, in Würzburg kann man das z.B. an der Marienkapelle sehen.)

Freitag, 1. Dezember 2017

I got the power!

(Ohrwurm? Nichts zu danken. Zugleich ein Beitrag für Ruths "I see faces"-Projekt.)

Dienstreisebedingt musste ich mir eine Powerbank kaufen. Sie sieht mich allerdings eher unlustig an, sie hat die Power und will sie nicht hergeben. 

Ggf. kann man den Akku-Elefanten daraus machen.



Katholischer Adventsbonustrack:


Das ist der Boden der Kapelle. Solides Parkett. Während des Gottesdienstes habe ich aber das Gefühl, dass mich jemand beobachtet.

Da:

In einer gotischen Kirche wäre das Teil der Kirchenkunst, hier weiß ich nicht. 


Donnerstag, 30. November 2017

Spuren (2)

(Zugleich ein Beitrag zu Frau Tonaris "Rost-Parade"-Projekt.)


Rost findet man an korrodierenden Gegenständen. Manchmal bleibt Rost aber auch da, wo früher mal etwas war, das rostete. Der Rost weist dann auf etwas hin, was es nicht mehr gibt. Man sieht die Spuren und wird an etwas erinnert, was einmal dort war und jetzt nicht mehr. Vielleicht fehlt es, vielleicht wäre man froh, auch die Spuren getilgt zu haben. 

Wir alle tragen diese Spuren, mögen sie auch nicht aus Rost sein.

Dienstag, 28. November 2017

I was punk before you were punk

(Die Überschrift hat, wie üblich, nicht unmittelbar etwas mit dem Text zu tun, wird aber irgendwo weiter unten erläutert, sofern ich das nicht während des Schreibens vergesse. Alle, die hier ansonsten beim Wörtchen "Punk" automatisch das Browserfenster zumachen, können also trotzdem weiterlesen und sich dann halt am Schluss ärgern.)

In den letzten Wochen gab's mal wieder eine ganz interessante Bloggerdiskussion, über den Zustand der Bloggerszene und überhaupt. Frau Brüllen (die ja einmal monatlich die "Was machst du eigentlich den ganzen Tag"-Aktion initiiert, die jeder schon irgendwo gesehen hat) hat einen Artikel über ein Schweizer Bloggertreffen geschrieben. Der Post ist aus meiner Sicht eine ganz gute Beschreibung der zwei Welten des kommerziellen und nicht-kommerziellen Bloggens. Späßchen über SEO finde ich ja auch immer gut. Mit einer Wertung würde ich mich eher zurückhalten - ich habe die komfortable Situation, dass ich mein Geld mit anderen Dingen (bei denen ich Gott sei Dank besser bin als beim Schreiben und Fotografieren) zu verdienen, so dass ich mir hier keine Gedanken über die Finanzierung machen muss. Nicht alle haben dieses Glück und wenn jemand sein Blog mit Gelderwerb verbinden will, soll sie oder er das machen. Wenn ich die Themen interessant finde, lese ich dann auch weiter. Man kann das alles auch etwas dogmatischer sehen, Christian Fischer hat das in einem Beitrag "Wie sich die Blogszene kommerzialisierte und warum heute alle Blogs gleich sind" auch getan. Da der Beitrag ein Rant ist, darf man davon ausgehen, dass er etwas sehr zugespitzt ist (er enthält auch den guten Schlusssatz, dass das alles gar nicht wichtig sei; seine Kommentare anderswo sind dann auch differenzierter). (Anderswo wird daraus dann so eine Art Gentrifizierung des Internets gemacht; entsprechend gibt es dann die Erwiderungen). Aber wie gesagt: Die Möglichkeit, einfach zum Spaß zu bloggen, hat halt nicht jeder.  Ich muss ja Werbeblogs nicht lesen. 

Das ist genügend Stoff für selbstreferentielles Herumlesen, mein eigentlicher Punkt ist aber ein anderer, In dem Text von Christian Fischer gibt es eine Passage: "Blicken wir doch mal zurück: Blogs haben damals nun einmal als persönliche „Tagebücher“, persönliche Kolumnen über Gott und die Welt angefangen. „Damals“ bedeutet übrigens – entgegen der Meinung vieler Blogger heute, die entweder 2009/2010 oder 2005/2006 als „früher“ bezeichnen, eher so 2000/2001. Da fings an mit den Blogs."  Anderswo kontrastiert er dann die heutigen Blogs mit den "Blogs von damals". In den Kommentaren findet sich dazu die Aussage: "Damals(TM) haben wir gesagt, man kann die Leute, die Blogs nicht verstanden hätten daran erkennen, dass sie „der“ Blog sagen, im Gegensatz zu „das“ Blog." Und das ist eine Haltung, die ich gut kenne. Früher gab es in der Punkszene das Spiel "I was a punk before you were a punk". Kurzgefasst, man leitete eine Autorität davon ab, wie lange man schon dabei war. Wer später kam, konnte natürlich nicht mehr mithalten. Er verstand die Insiderjokes nicht, die die Punk-Veteranen hatten. Ihm wurde auch erklärt, dass die Welt früher besser war: Die Bands waren natürlich früher cooler und authentischer, auf den Konzerten war noch Pogo etc. etc. Diese nostalgische Haltung, die zutiefst kindisch ist, führt dazu, dass eine Szene erstarrt. Keiner hat Lust, irgendwo mitzumachen, wo ihm erst einmal alle Altvorderen erklären, dass es erstens früher viel besser war und zweitens er alles falsch macht. 

Ich wünsche mir, dass es mehr Blogs gibt, nicht nur solche von arrivierten Mitvierzigern, die alten Zeiten nachtrauern, sondern auch von jüngeren Leuten, die meinetwegen gegen alle Regeln, die ich für notwendig halte, verstoßen. Ich wünsche mir, dass es Vernetzung und Information jenseits von Facebook gibt. Praktisch bedeutet das auch, dass wir uns auch mit Youtubern und anderen beschäftigen müssen, die uns im Moment eher merkwürdig vorkommen. 

Aber das meine ich natürlich alles gar nicht so: Ich habe Anfang der Achtziger K-70 und Vorkriegsphase in den kleinen JZs live gesehen. Das war noch der richtige Spirit. Die ganzen neuen Bands und die jungen Leute, die das nicht mitgemacht haben, können da nicht mithalten. Tut mir leid. Ist halt so. Andere Meinungen lasse ich vielleicht von Leuten gelten, die die Clash noch in Originalbesetzung live gesehen haben. Aber auch nur vielleicht. Sorry.

Montag, 27. November 2017

Berlin begrüßt mich mit Herzchen!


(A. kommt näher)

"Ach, das ist ja eine Tasse... ist die etwa? Ja, steht ja drauf, die ist "für mich"! Und dann noch die tollen Herzchen dazu, das ist ja wirklich nett... hätte ich jetzt gar nicht erwartet... vielleicht tue ich der Stadt doch manchmal unrecht... Herzchen.. Na, was ist denn drin in meiner Herzchentasse? Regenwasser, Schlick und verrottende Blätter? Na vielen Dank! Hätte ich mir ja denken können! War ja wieder vollkommen klar gewesen! Ganz, ganz toll..."

(laut schimpfend ab)

Sonntag, 26. November 2017

Bedeutende Dienstreisen (35)

Vielleicht ist das der Abschluss für dieses Jahr. Mal sehen, was noch so kommt. 

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Ich werde diesmal um meinen Blick von der Beusselbrücke betrogen. Als ich mich zum Flughafen Tegel aufmache, komme ich nur zum Gesundbrunnen. Die nächste Ringbahn, die mich zur Beusselstraße und damit zum TXL-Bus bringen sollte, ist erst in 17 Minuten angesagt. Das sieht schwer nach Störungen im Betriebsablauf aus. Ich entscheide mich also, ein Taxi vom Gesundbrunnen zu nehmen. Wohl die richtige Entscheidung, weil auch die Sicherheitskontrolle in Tegel fast eine halbe Stunde dauert. Es bleibt aber Zeit für einen Blick in den Himmel, der heute durchgehend dramatisch ist. Drama, baby!


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Normalerweise habe ich ja die Flüge um 6.00 Uhr, dieser ist angenehm später. Schöner Nebeneffekt: Man sieht ein bisschen mehr während des Fluges. Dramatische Wolken, die sich auf den Flügeln spiegeln oder (das habe ich tatsächlich eher selten gesehen) in der Ferne goldumflossene Wolken, die aussehen, als beherbergten sie eine wunderbare Stadt. Ab und zu träume ich, der so wenig von Architektur versteht, davon, dass ich durch eine fremde Stadt mit wunderbaren Gebäuden gehe. Das versetzt mich im Traum (und auch noch eine Zeitlang nach dem Aufstehen) in gute Laune.  Ob man auf den Wolkenbänken dort hinten so eine Stadt fände? Würde man, wenn man auf den Wolken aufwachte, immer noch gute Laune haben?

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In Stuttgart angekommen versuche ich herauszufinden, wo ich hin muss. Der Kartenausschnitt, den ich in meinen Unterlagen habe, ist so klein, dass ich ihn nicht mehr lesen kann.  Ich schlage mich irgendwie zum Pragfriedhof durch, dort steht eine Backstein-Kirche im byzantinischen Stil, die eigentlich eher nach Berlin passen würde. Über die Friedhofsmauer hinweg sehe ich einen Flügel eines Friedhofsengels. Ich nehme mir vor, dass ich, falls ich noch Zeit haben sollte, noch auf den Friedhof sehe und mir den Engel von vorne angucke, aber ich habe natürlich später keine Zeit. 

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Der Schwabenunderground überfordert mich. Was ist das? Orthographischer Fehler, Päderastenkritik oder einfach nur ein Depp, der irgendwas auf Mülleimer schmiert? Noch jemand, der darüber länger als 15 Minuten nachdenken kann? Gründen wir eine Selbsthilfegruppe?

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Ich bin ja relativ häufig bei Veranstaltungen unterwegs, wo ich Prügel bekomme (manchmal ist frühere Tätigkeit in einer Punkband wirklich nützlich). Meistens weiß ich vorher nicht, wie es läuft. Heute ist es so, dass alle nett sind. Allerdings mache ich bei meinem Vortrag natürlich einen Scherz, der vollkommen versandet. Also alles wie immer.

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Ich werde mich nie mehr über die Berliner Taxifahrer beschweren. Der Stuttgarter Kollege nimmt einem Polizeifahrzeug mit Blaulicht die Vorfahrt. Die Polizisten verfolgen uns durch einen Tunnel, fahren dann Gott sei Dank einfach weiter zu ihrem Einsatz. 

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Ich war in diesem Jahr viermal in Stuttgart, zwei Mal fiel mein Rückflug aus, einmal war er um ein paar Stunden verspätet. Diesmal geht er pünktlich. Hurra! 
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Freitag, 24. November 2017

Bedeutende Dienstreisen (34)

Wie ich letzthin schon schrieb, bin ich gerade viel unterwegs. Allerdings bleibt nur selten genug übrig, um einen der regulären Dienstreisenposts zu machen. Zu wenig Bilder, zu wenig interessante Entdeckungen, keine drolligen Begebnisse. Nun bin ich auch schlau genug zu wissen, dass das wenig mit den Reisen zu tun hat. Auch bei den bisherigen Dienstreisen-Posts ist ja nie irgendetwas besonders interessantes oder bedeutendes passiert. Es ist eher eine Frage, wie man die Dinge wahrnimmt und da muss man wohl konstatieren, dass ich, der sich normalerweise stundenlang mit einem Zettel oder Stöckchen am Wegesrand beschäftigen kann, im Moment eher stumpf durch die Gegend fahre. Dann schreibe ich eben ein paar stumpfe Posts. 


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Der Tag beginnt mit den dümmstmöglichen Begebnissen. Der Zug, den ich gebucht habe, fährt um zwanzig Minuten früher als auf der Fahrkarte steht. So etwas ist kein Problem, wenn man es vorher weiß. Ich stehe also um kurz vor sieben am Hauptbahnhof und versuche, meine nächste Verbindung zu organisieren. Die Wagenreihung vom nächsten Zug weicht von der Wagenstandsanzeige ab, d.h. es gibt eine Version auf der Wagenstandsanzeige und eine auf der Anzeige am Bahnhof, im Waggon wechselt die Nummerierung auf den Displays mehrfach von Waggon 22 zu Waggon 32. Tückisch, wenn man in einem Zug sitzt, der in Hamm geteilt wird und man eigentlich schon im richtigen Zugteil sitzen will. Mir ist es eh wurscht, die Reservierung hatte ich ohnehin nur für den Zug, den ich verpasst hatte. Anders als mein Hintermann sitze ich auch glücklicherweise im richtigen Zugteil. Letzlich habe ich mir ja aber vor zwei Jahren vorgenommen, mich über nichts mehr bei Dienstreisen aufzuregen, und halte mich auch daran. Irgendwann kommt man immer irgendwie irgendwo an. Wäre dieses Blog ein Roadmovie, würde sich der Protagonist am Ende der Reise geändert haben. So bleibt aber alles gleich, eine endlose Abfolge von Reisen, Treffen, Verspätungen, deren Zweck im Nachhinein exklusiv darin zu bestehen scheint, dass irgendwer irgendwohin fährt. Mehr rituelle Handlung als geschäftliche Zielsetzung.

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Aus dem Zugfenster sehe ich den Sonnenaufgang. Der Himmel ist blau, von weißen Streifen durchschnitten, am Horizont die Sonne hat einen intensiv goldenen Schein, wie man ihn nur an klaren Herbsttagen sieht. Auf meiner Zugseite wird die karge Landschaft mit Gold überzogen. 
Es gibt nichts merkwürdigeres und wunderbares als die Landschaft neben den ICE-Trassen. Eine Mischung von Weideland, Gewerbegebieten, alten verfallenen Bahnhofsgebäuden, Schrottplätzen. Man möchte alle 100 Meter anhalten und ein Foto machen. 



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Ankunft. Ich komme zwar zu spät, meine Abwesenheit hat aber noch nicht gestört. Ich höre einen bemerkenswerten Vortrag, in dem der Vortragende bestimmte Entwicklungen darauf schiebt, dass das Moralgefühl der Massen seit der Kaiserzeit immer schlechter geworden sei. Im Publikum aber wenig Monarchisten, die Auffassung findet keinen Anklang. 



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Am Bahnhof für den Rückweg. Am Bahnsteig 10, der eigentlich vorgesehen war, ist angezeigt, dass der Zug heute von Bahnsteig 16 gehen soll. Am Bahnsteig 16 ist der Zug aber  nicht angezeigt. Rechtzeitig höre ich dann, dass der Zug von Gleis 18 geht. Ich bin rechtzeitig da; wie das jemand rausfinden soll, der etwas langsamer zu Fuß ist oder nicht richtig deutsch kann oder der nicht wie ich immer dreimal nachsieht, weiß ich auch nicht. 



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Mir gegenüber sitzt ein Cellist mit den Noten von Schwanensee. Auf dem Hinweg saß vor mir eine Frau mit den Noten zu "Küssen kann man nicht alleine". Zumindest kulturell geht's bergauf.

Mittwoch, 22. November 2017

Im Zug (2)

Ich bin gerade die ganze Zeit unterwegs, aber es findet sich nicht der richtige Stoff für Dienstreiseposts, keine Fotos, keine Begebenheiten. Nur Mitreisende.

Ich bin zu früh am Bahnhof und stelle fest, dass ich eigentlich einen früheren Zug nehmen kann. Mein Ticket ist flexibel. Ich steige ein, der Zug wurde am Ostbahnhof bereitgestellt, so dass am Hauptbahnhof fast alles noch frei ist. Vielleicht die Hälfte der Sitze ist reserviert, also kein Problem, Platz zu finden. Kaum habe ich mich hingesetzt, kommen eine Reihe von jungen Leuten in den Großraumwagen. Sie haben offensichtlich zwei Vierertische reserviert (Berlin - Bad Oeynhausen). Sie tragen alle Trainingsanzugsjacken auf denen "Eastgate Borussen"* steht. In die Gepäckablage wandern Bierkästen und Schnapsflaschen. Der erste Mitreisende steht auf und geht vorsichtshalber einen Waggon weiter. Ich habe nie verstanden, wie man bereits um acht Uhr in der Früh stockbesoffen sein kann, aber es muss gewisse Reize haben. Einer der Borussen sucht den Weg auf die Toilette und rennt deswegen ein bisschen die Gänge auf und ab. Ein anderer probiert aus, ob es im Waggon beim Rülpsen ein Echo gibt. Der Waggon leert sich weiter. Ich bleibe noch, überlege mir, ob es wohl möglich sein wird zu arbeiten, und wünsche mir meine sensible Mitreisende von letzter Woche ins Abteil. Zwei Borussen diskutieren die genaue Mischung einer Bloody Mary, ein anderer sucht den Bierkasten, den er vor fünf Minuten in die Gepäckablage gestellt hat. Auf dem Gang treffen sich mehrere Borussen, die in verschiedene Richtungen ausgeschwärmt sind, um das Klo zu finden. Weitere Reisende wechseln den Waggon. Die Borussen freuen sich über die Bewegung und verdächtigen sich gegenseitig, dass jeweils der Gestank des anderen die Mitreisenden vertreibe. Zwei streiten sich, wer in und wer entgegen der Fahrtrichtung sitzen darf, untermauert mit physikalischen Überlegungen, in welcher Richtung man schneller kotzen müsse. Ich bin jetzt allein mit den Borussen im Waggon. Unerwartet kommt das Gespräch der Borussen auf Politik. Nicht alle der Borussen wussten, dass am Abend die Sondierungen beendet wurden. Einer erklärt laut, dass er es gut finde, dass der Lindner da einfach aufgestanden sei, also er finde das gut, dass der Lindner einfach gegangen sei, irgendwie finde er das gut. 

Ich suche mir einen anderen Waggon.  


*Die hießen etwas anders. Ich habe aber festgestellt, dass die eine eigene Website haben, auf der auch Fotos von ihren Reisen eingestellt werden.