Everybody's fucked in their own special way

Freitag, 22. März 2019

Tiere sehen dich an

Bei einem Nachbarschaftstreffen in den letzten Tagen habe ich Neuigkeiten zur Tierwelt in der Umgebung erfahren. Mitte Dezember war mir ja der Silberreiher beim Haus der Nachbarin aufgefallen. Sie hat mir nun erzählt, dass er über eine Woche regelmäßig zu Gast war, dann aber von weiteren Besuchen abgesehen hat, als er keine Goldfische mehr aus ihrem Teich ziehen konnte. Ab und zu kommt er wohl noch, um zu sehen, ob schon neue Fische gesetzt wurden. 

Der derzeitige Bestand der Waschbären  in der Nachbarschaft beträgt wohl drei. Sie baden gerne in Gartenteichen, essen Katzenfutter, wenn es draußen aufgestellt wurde, oder klettern um zwei Uhr nachts das Fallrohr der Dachentwässerung hoch. Wo sie genau hausen, ist aber unbekannt. Bei uns graben sie nur gelegentlich Löcher in den Garten.

Der Fuchs wird noch regelmäßig gesehen, ich selbst hatte schon länger nicht mehr das Glück. Ebenso wird von einem Falken berichtet, der sich regelmäßig Beute holt. 

Die einzigen Tiere, die alle immer wieder mal sehen, sind die Ratten.

Montag, 18. März 2019

Heiligtümer der Alten Götter

Absägen und mit Stacheldraht einwickeln wurde mehrfach probiert, hilft aber nicht: Der Baum wächst immer wieder zu seiner jedes Gefühl für Proportion verspottenden Gestalt. Jeden Montag muss die Stadtreinigung die widerwärtigen Opfergaben, die vor dem Baumtorso abgelegt werden, einsammeln und vernichten. Die Schriftzeichen auf den kleinen Zetteln, die manchmal dabei sind, konnten bis jetzt nicht identifiziert werden.

Das Bezirksamt sagt auf Nachfrage, es handle sich um "Kinderstreiche", doch alle Anwohner wissen es besser.


Sonntag, 17. März 2019

Samstag, 16. März 2019

Zukunft

In der Invalidenstraße finden die Schülerdemonstrationen am Freitag statt. Ich sehe die jungen Leute, es sind mal mehr, mal weniger; heute war ein richtig großer Aufmarsch, die Polizei sprach von 15-20.000 Leuten. In den Eltern-E-Mail-Gruppen der Schulklassen tobt eine Schlacht über Demonstrationen und Schulpflicht, die mit den schlimmsten Sanktionen der Eltern-E-Mail-Gruppen endet: Man maßregelt sich gegenseitig wegen E-Mail-Formalien. 

Die Transparente sind teilweise merkwürdig, einer trägt ein Pappschild mit "Wir wollen ficken" herum. Warum nicht. In den Zeitungen tobt auch eine Schlacht, die sich manchmal so liest als wären die alten Zyniker überzeugt, dass jeder genauso zynisch ist wie sie oder zumindest, dass jeder, der nicht zynisch ist, doof sei. Das ist eine Position, die moralisch so bankrott ist, dass ich sie nicht einmal vertreten wollte, wenn sie denn stimmte. Ich nehme aber an, den Demonstrierenden ist die Meinung der Erwachsenen zu ihrem Tun ohnehin etwa so wichtig wie der Mehrheitsgesellschaft die Zukunft der nächsten Generation wichtig ist. Meinen Segen brauchen die Jungen nicht. Aus meiner Sicht auch nicht den Segen der Schulen. Ziviler Ungehorsam setzt eben Ungehorsam voraus. 

Ich habe das Gefühl, dass es nicht schaden kann, dass die junge Generation sich daran gewöhnt, dass man bestimmte Dinge manchmal machen muss, auch wenn nicht alle einverstanden sind oder auch wenn es zu persönlichen Nachteilen führt. Sie werden Übung darin brauchen können. Ich wünsche ihnen viel Glück.

Donnerstag, 14. März 2019

Zehlendorfer Pflasterstrand

Das dynamische Kopfsteinpflaster-Kunstprojekt am Nordbahnhof wurde zwar jäh beendet, die liebe Annika sandte mir aber diese Belege, dass die Pflasterkunst im bürgerlichen Westen noch gepflegt wird. Kein Wunder, da wohnt die Kultur!

Für alle, denen diese Woche zu wenig Pflastersteine im Blog waren, also eine neue Ladung:



Mittwoch, 13. März 2019

Tagungsnachlese

Ein Kollege erzählt mir, wie seine Kieferchirurgin ihm einmal versehentlich den Kiefer gebrochen hat. 

Ein ehemaliger Kollege erklärt mir seine Blockchain. 

Irgendwo bellte ein Hund.



Montag, 11. März 2019

Feiertagsbeschäftigung

Am Freitag gab es eine Premiere: Wir in Berlin hatten einen Feiertag, während ansonsten alle anderen in Deutschland arbeiten mussten. Berlin hatte nämlich bislang als Feiertage nur die bundesweiten Feiertage, man konnte also sicher sein, dass wenn in irgendeinem Bundesland gearbeitet wurde, das auch in Berlin so war. Die Zeiten sind vorbei. Nebeneffekt war, dass ich trotz Feiertag immer wieder meine E-Mails kontrollieren musste, um dringenden Kram zu erledigen. Außerhalb Berlins war niemandem klar, dass am 8.3. Ruhe herrschen sollte. 

Das Wetter war schlecht genug, dass man ohne schlechtes Gewissen zuhause auf dem Sofa bleiben konnte. Ich musste mich allerdings endlich um meine Tomatenpflänzchen kümmern. Dieses Jahr habe ich das bislang komplett schleifen lassen, kurz sogar überlegt, ob ich überhaupt Tomaten ziehen will (Setzkartoffeln habe ich auch noch nicht bestellt). Bei Durchsicht meiner Sämereien habe ich zumindest beschlossen, dass ich dieses Jahr keine Tomatensamen bestelle, ich habe noch so viel Reste übrig. Ich habe jetzt mal ausgesät, allerdings auch eine für meine Verhältnisse bescheidene Sortenauswahl, nicht einmal zehn verschiedene. Rote Johannisbeere, Gelber Dattelwein, Black Plum bei den Cocktailtomaten, German Gold, Yellow Giant Belgium, Schlesische Himbeere und zwei griechische Sorten sowie eine geschenkte Sorte bei den Fleischtomaten. Mal schauen, was das wird. Ich bin ein bisschen beruhigt, dass Bottrop auch noch nicht viel weiter ist (naja, eigentlich schon, aber nicht in einem Maße, das mir wirklich Sorgen machen würde).

Sorgfältiger war ich dieses Jahr bei den Paprika und Chilis, die habe ich bereits vor ein paar Wochen angesät und erst einmal auf dem Fensterbrett stehen lassen. Allerdings auch alles Reste vom letzten Jahr. Überraschend gut aufgegangen, wenn ich mich dieses Jahr einmal vernünftig um die Chilis kümmere, könnte das ja auch mal was werden.  

Fest vorgenommen habe ich mir auch, dieses Jahr die sonstigen Pflanzen für den Gemüsegarten  selbst vorzuziehen. Das Geld für die ganzen Pflänzchen im Gartencenter kann man sich auch besser sparen, würde ich mal sagen. 

Ansonsten hat mir der zusätzliche Sofa-Feiertag nicht richtig gut getan. Ich verbringe immer noch zu viel Zeit damit, mich mit dem Drama der Briten zu beschäftigen. Das geht gerade dermaßen spektakulär schief. In Deutschland wird das ja im Wesentlichen als Amüsement gesehen, die Briten stellen sich ja auch sehr ungeschickt an. Die ganze Aktion hat aber furchtbare Auswirkungen für wirklich viele Menschen und Familien, im UK und in ganz Europa, so dass mir das Lachen langsam vergeht. In drei Wochen ist ja eigentlich Stichtag, mal sehen, ob es noch einmal eine Verzögerung gibt. Ein gutes Ende ist allerdings nicht zu sehen, unabhängig, wie es weitergeht. Ich habe nun zweieinhalb Jahre sehr nah verfolgt, wie eine Nation den Verstand verliert. Ich hoffe zwar immer noch, dass es anders ist, aber wahrscheinlich ist es nicht die Frage, ob das auch uns passieren könnte, sondern eher, wie lange es noch dauern wird. (Habe ich schon erwähnt, dass die Beschäftigung mit dem Thema mir nicht gut tut?)

Freitag, 8. März 2019

Jähes Ende der Hoffnung auf Dauercontent und künstlerischen Ruhm



Schon nach drei Tagen kamen die Pflasterer! Das konnte doch niemand ahnen. 
Ich hatte mich schon darauf eingestellt, dass ich jetzt die nächsten Wochen einfach immer jeden Tag ein neues Foto des sich auflösenden Kopfsteinpflasters in der Invalidenstraße/Ecke Caroline-Michaelis-Straße poste. Endlich hätte das Blog als langangelegtes ernsthaftes Kunstprojekt gewürdigt werden können. Ich hätte mir sogar ggf. einen schwarzen Rollkragenpullover gekauft! Alles kaputt gemacht durch unerwartete, ungefragte und unerwünschte Berliner Effizienz. Danke für gar nichts, Senatsverwaltung für Irgendwas!  

(Als künstlerische Übersprungshandlung kommen jetzt bildbearbeitete Pflasterbilder mit Motivationssprüchen. Bedient Euch!)




Donnerstag, 28. Februar 2019

Und wenn jetzt alle Landkarten nur Taubenschiss wären?


(Früher habe ich zum Letzten der Monats immer Rostbilder herausgesucht, für Frau Tonaris Rostparade. Jetzt bin ich am Monatsende immer vollkommen orientierungslos und poste - untypisch für dieses Blog - einfach wahllos was mir in den Sinn kommt.

Wäre es an der Zeit, für den Letzten des Monats eine "Vogelschissparade" einzuführen, damit sich alle Bloggerinnen und Leserinnen wieder auf etwas freuen können? Wer wäre dabei?)

(Gemurmel des Publikums: Das meint der doch nicht ernst, oder? - Ja, wenn ich's selbst nur wüsste!)

Samstag, 23. Februar 2019

Objet trouvé

Wenn ich stehen bleibe, um etwas zu fotografieren, fragt meine Begleitung oft ratlos, was es denn dort zu sehen gebe. Manchmal kann ich's erläutern, manchmal bleibt es auch trotz Hinweis unsichtbar.

Ab und zu kommt es aber vor, dass ich selbst gar nicht merke, was ich fotografiere. Dieses Bild ist zum Beispiel so ein Fall. Stammleserinnen muss ich wohl nicht erläutern, was ursprünglich meine Aufmerksamkeit erweckt hat in meiner Lieblings-Location Nordbahnhof. Der Passagier, der sich unbemerkt ins Bild geschlichen hat, gibt dem ganzen Ensemble aber einen sehr surrealistischen Zug. Magritte-Epigone, würde ich sagen.



Donnerstag, 21. Februar 2019

Holmes und Watsons letzter Fall


"Ihr Problem, mein lieber Watson, ist eben, dass Sie nicht zu beobachten wissen. Ihnen hätte von Anfang an auffallen müssen, dass niemand in den verschlossenen Friedhof einbrechen wollte, sondern dass die Spuren auf einen Ausbruch hindeuten.... Unterbrechen Sie mich jetzt bitte nicht, ich möchte das zu Ende führen.... Ja, auch die Gentlemen, die etwas Hirn haben wollen, werden sich noch kurz gedulden müssen.... Moment! Watson? Watson? WATSON!"

Mittwoch, 20. Februar 2019

Montag, 18. Februar 2019

Man ignoriert die Weisheit der Ahnen auf eigene Gefahr

Letzthin habe ich mich ja darüber lustig gemacht, dass das Berliner Socken-Ritual dieses Jahr nicht geeignet sei, den Frühlingsanbruch vorherzusagen.

Wir alle wissen, was danach geschah: frühlingshafte Temperaturen, spontane Blütenpracht, Cabrio-Korsos, illegale Freibadöffnungen.

Nächstes Jahr bin ich nicht mehr so kleingläubig.

Samstag, 16. Februar 2019

Field Notes

Ich bin auf Maxim Peter Griffin irgendwann auf Twitter gestoßen. In seiner Twitter-Biographie steht "Psychedelic Geology", das ist also noch ein Stück weiter als die Psychogeographie, die letzthin hier das Thema war (Griffin ist allerdings auch mit der Hookland-Community, die dort erwähnt wurde, verbunden). 

Griffin malt Landschaftsbilder ganz eigener Art. Er ist ein rastloser Wanderer in seiner Heimat Lincolnshire, zwischen Feldern und der Nordsee. Wenn man ihm auf Twitter folgt, bekommt man den Eindruck, dass er in Nachtschicht arbeitet, am Morgen zu einem Fußmarsch aufbricht und dann die Eindrücke in Bilder umsetzt. Er arbeitet an einem Buch, der Field Notes heißen soll. Field Notes sind die Notizen, die Wissenschaftler draußen bei Feldstudien machen. In der Beschreibung des Projekts heißt es u.a., dass Field Notes von Landschaft handelt, von Topographie und Zeit, Kreide und Feuerstein und Seemarsch, dem Kommen und Gehen des Meeres, den Bauern der Jungsteinzeit, dem Durcheinander erschöpfter Küstenstädte. Es handelt ebenso vom Geist eines Mammuts als von dem Lärm eines Düsenflugzeuges auf dem Weg nach Osten. Es handelt von Bewegung, dem Pinselstrich, dem Schwenk einer Kamera. Jede Zeichnung ist ein Standfoto eines Films - eines Filmes der unablässlich in Griffins Kopf entsteht. 

Das kleine Video gibt wahrscheinlich einen noch besseren Eindruck:


 


Warum stelle ich das im Blog vor? Weil mich diese Bilder unglaublich faszinieren. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich die folgende Beschreibung sehr gut nachvollziehen kann: Field Notes handelt davon, einen Platz einzunehmen, ihn immer und immer wieder anzusehen und mit jedem Ansehen festzustellen, dass er neu erscheint und merkwürdiger wird.

Maxim Peter Griffin macht für sein Buch seit geraumer Zeit ein Crowdfunding bei Unbound. Es sind derzeit nur knapp die Hälfte der nötigen Unterstützer, aber er hält geduldig und hartnäckig an seinem Projekt fest. Wer 25 EUR für das Buch übrig hat, kann sich beteiligen und dabei mithelfen, dass es zustande kommt (und in dem Buch dann als Unterstützer verewigt werden). Außerdem ist heute Griffins Geburtstag, damit ist das ohnehin die beste Gelegenheit. In jedem von uns steckt doch auch ein Kunstmäzen.

(Disclosure: Das ist jetzt wohl tatsächlich die erste Werbung im Blog. Von ein paar kurzen Twitter-Austauschen weiß ich, dass Maxim ein wirklich netter Mensch ist, für den dieses Projekt eine Lebensaufgabe ist. Wenn ich sehe, was ansonsten für Kram veröffentlicht wird, sollte es doch möglich sein, diese Perle auch zur Entstehung zu bringen. Und außerdem möchte ich das Buch so gerne haben, muss aber auch warten, bis sich genügend Unterstützer finden!)

Dienstag, 12. Februar 2019

Die Stadt unter dem Pflaster

Nur wenn es in Berlin ausgiebig geregnet hat, kann man einen kurzen Blick auf die Stadt unter dem Pflaster erhaschen. Schon lange ist vergessen, wo das Portal ist, mit dem man dort hingelangt.


Es bleiben also nur die Einblicke auf die so vertrauten und doch anderen Bäume und Pflanzen dieser Welt. 

Aber heute musste ich sehen: Es gibt dort genauso Zäune. 

Und eine S-Bahn. Wahrscheinlich auch nicht pünktlich.