Everybody's fucked in his own special way

Montag, 10. Dezember 2018

He's coming home

Heute setzt sich der Kiezschreiber wieder in den Zug und fährt zurück nach Schweppenhausen. Ab heute abend kann man also wieder neue Blogbeiträge bei ihm lesen. Wie ich jetzt sehe, hat sich Matthias sogar schon gestern in den Zug gesetzt. Anstatt den Bahnstreik dazu zu nutzen, als gestrandeter Reisender für die Zugbegleiter zu agitieren und den Protest gegen unseren Verkehrsminister an erster Stelle anzuführen, hat er sich schnell vorher auf nach Schweppenhausen gemacht. 


Wie ich aus dem halbjährlichen Redaktionstreffen weiß, hat er diesmal nicht nur wie üblich in Berlin Internetabstinenz geübt, diesmal funktionierte auch sein Fernseher nicht. Meister Eberling musste sich also über drei Wochen mit Berliner Radiosendern informieren, seinem Schluchzen konnte ich noch entnehmen, dass er stundenlang U-Bahn gefahren ist, um zumindest Neuigkeiten im Berliner Fenster zu lesen. Ich glaube, er ging auch täglich zum Arzt oder Friseur, um ein paar alte Zeitschriften lesen zu können. 

Seien wir mal neugierig, wie sich das auf sein Schaffen ausgewirkt hat.

Samstag, 8. Dezember 2018

Dienstliche Kettensägen


Mein Beruf bringt es mit sich, dass ich reichlich Unsinn erzähle und noch mehr Unsinn anhören muss. Ich habe es bis jetzt vermieden herauszufinden, was Blockchain eigentlich wirklich bedeutet, weil ich zuversichtlich bin, dass relativ kurzfristig ein neues Digitalisierungs-Buzzword kommt, das in jeden Vortrag eingebaut werden muss. So sitze ich in zahllosen Vorträgen über irgendetwas, in denen natürlich dann auch die Blockchain kommt, habe keine Ahnung, ohne dass das dem Verständnis groß schaden würde. Anfang des Jahres hatte ich den Plan, jedem, der „Blockchain“ sagt, eine runterzuhauen. Das wäre aber für mein weiteres berufliches Dasein eher ungünstig gewesen und ich bin auch gar kein gewalttätiger Mensch.


Im Sommer saß ich allerdings in einer Sitzung in der wieder jeder irgendetwas von der Blockchain erzählte. Das führte bei mir zu einer Art Wachtraum. Vor meinem geistigen Auge entstand ein Bild, wie ich aufstünde und eine Motorsäge lautstark startete und dabei vielleicht irgendetwas wie „Hört endlich auf mit dem Blockchain-Schwachsinn“ brüllte. Das war merkwürdig befriedigend, allerdings bin ich ja nicht gewalttätig, auch nicht in meinen Wachträumen, so dass ich beim weiteren Überlegen zum Ergebnis kam, dass ich die Motorsäge irgendwie gegen das Mobiliar einsetzen müsste (die ganze Zeit mit einer laufenden Motorsäge in einem Meeting zu stehen und zu brüllen ist als Phantasie gar nicht so befriedigend, wie man es sich vielleicht vorstellt). Also, gedanklich nachjustiert. Der einzige motorsägentaugliche  Gegenstand war aber der große Besprechungstisch, der aus Holz mit Stahlstreben bestand. In meinem Kopf entstand also das Bild, wie ich mit der Motorsäge irrsinnig lachend ansetze, umringt von entsetzt blickenden Menschen, und mit dem Sägeblatt nach kurzer Holzzersplitterung auf die Stahlstrebe treffe – jeder mit einigermaßen ausgeprägter akustischer und visueller Vorstellung wird hier zusammenzucken. Wahrscheinlich hätte in so einer Situation der Sitzungsleiter eine Minute zugesehen und mich dann gebeten, vielleicht nach der Sitzung weiterzusägen, es gäbe noch genug zu besprechen. Gleichzeitig fiel mir ein, dass ich ja im geschlossenen Raum auch kaum die benzinbetriebene Motorsäge (das sog. Fichtenmoped) nehmen könnte, das wäre ja auch äußerst rücksichtslos gegenüber den anderen Teilnehmern. Also müsste es eine elektrische Motorsäge sein. Ich versuchte mir auszumalen, wie ich im Meeting aufstehe, um eine kurze Unterbrechung bitte, nach einer Steckdose für meine Motorsäge suche, dann kurz den Organisator frage, ob er vielleicht ein Verlängerungskabel hätte. Jedem wird einleuchten, dass das eine Gewaltphantasie ist, die nun gar nichts befreiendes hat und wahrscheinlich nicht im Rahmen eines Hollywood-Action-Films verfilmt wird. 


Also hörte ich dann doch lieber weiter zu.


(Die ganze Zeit quälte mich aber, warum mir denn gerade in dieser Sitzung als erstes eine Motorsäge einfiel. Am Abend hatte ich die Erleuchtung: Offenbar war es eine Assoziation mit dem Texas chainsaw massacre, dann halt nur ohne Texas, sondern mit block-chain saw.)

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Kleinkindlektüre im Florakiez



Das wird einen Weihnachtswunschzettel geben!

(Auf Twitter liefe das unter dem Rubrum "Menschen des Spätkapitalismus")

Sonntag, 2. Dezember 2018

Botschaften einst und jetzt (nur für Leute mit guten Augen)




Man muss aber zugeben, beide hatten etwas mitzuteilen. Und wer sind wir, darüber zu richten, ob das Erbauungsjahr oder das Geschlechtsteil jetzt die wichtigere Botschaft sei?

(Ich könnte hier auch eine Rubrik "Obszöne Inschriften in Saarlouis" aufmachen, das scheint eine wichtige Beschäftigung dort zu sein.)

Samstag, 1. Dezember 2018

Nachteile des bloglosen Lebens

Ich müsste lügen, wenn ich behauptete, dass die bloglose Zeit nicht auch Vorteile gehabt hätte. Es fehlte die Verzweiflung, wenn man wieder feststellen muss, dass die sieben genialen Ideen, die man letzthin hatte, wieder nur für eine Woche gereicht haben, und man es wieder nicht über sich bringt, einen der Dauerentwurfs-Posts wie "Kunst oder Käsebrötchen" als Notbehelf zu nehmen, weil man die dann doch irgendwie blöd oder nicht so gut wie beim Aufschreiben findet. 

Nachteil der bloglosen Zeit ist allerdings, dass man ein Kartoffelfoto wie dieses macht und es nicht sofort verbreiten kann. 


Gut, dass ich das jetzt nachholen kann.  

(Ein Roter Tannenzapfen - die besten.)

Freitag, 30. November 2018

Ernte 2018

Dieses Jahr war, wie auch in mancher anderer Hinsicht, kein gutes Jahr für den Garten. Alles zu trocken. Und selbst als alle anderen zu viele Zucchini hatten, wollten unsere nicht so richtig. Die Tomaten haben mir dieses Jahr keinen richtigen Spaß gemacht.

Kartoffeln waren ganz gut, aber viel zu wenig. Ich habe jetzt im Herbst mal pelletierten Kuhdung auf den Kartoffelhügel geschmissen, mal schauen, ob das im nächsten Jahr hilft. 

Ansonsten haben wir verschiedene Dinge neu angebaut und probiert, mit wechselndem Erfolg. Wahrscheinlich ist es am Besten, dieses Jahr abzuhaken und auf besseres Gelingen im nächsten Jahr zu hoffen.  Und ich hoffe, dass das Gemüse nächstes Jahr nicht mehr ganz so gruselig daherkommt.


(2018 ist also das erste Jahr, das hier ohne Tomatenbildchen auskommt. Eine große thematische Umwälzung hin zu Kleinstspinnen-Content wirft ihren Schatten voraus...)

Mittwoch, 28. November 2018

Pilzsaison

(Eine kleine Marone hab ich gefunden, die ist mir dann aber unbemerkt wieder aus der Tasche gefallen.)




Dienstag, 27. November 2018

Weinköniginnen

Nach der Sitzung in München gibt es ein Abendessen im Restaurant. Der ganze Gang zur Toilette ist mit Porträts junger Frauen zugehängt. Ich finde heraus, dass es die Porträts aller fränkischen Weinköniginnen seit der Erstkrönung 1950 handelt. Die Kollegen, denen ich die Weinköniginnen dringend empfehle, können meine Begeisterung nicht teilen und gehen achtlos vorbei. Hinge der Kram in der Dokumenta, wären sie aber ganz aus dem Häuschen.

Ich mache ein paar schnelle Fotos, die aber die Absurdidät dieser Galerie kaum einfangen können.

Als ich ein letztes Mal vorbei gehe, spricht mich ein ratloser japanischer Tourist auf englisch an. Was es denn mit den Bildern auf sich habe? Ich versuche ihm das Konzept der Weinkönigin zu erläutern. Dass das deutscher Brauch sei, scheint ihn zu beruhigen. Er fragt aber, ob es nur um Wein ginge und nicht auch um Bier. Nur um Wein, antworte ich. Er scheint enttäuscht zu sein.

Samstag, 24. November 2018

Mittwoch, 21. November 2018

The killer inside

Eine freilaufende Katze im Haus bedeutet zunächst, dass man ein mörderisches Raubtier im Haushalt hat. Wir hatten ja anfangs Markos im Verdacht, aber es ist eher May, die in der Nachbarschaft die Mäusenester plündert. 





May bringt inzwischen gerne Mäuse in unsere Badewanne, weil sie da nicht wegrennen können. Am nächsten Morgen ist die Wanne voller Blutspritzer und irgendwo liegt ein lebloser Mausekörper. Oft genug gelingt es uns aber auch, die Mäuse noch zu retten: Katze entfernen, Maus mit einer Blechschüssel fangen und dann raus in den Park bringen. 





Die Variationen machen es etwas schwierig: Zum Beispiel, wenn sich die Maus in den Wäschekorb flüchten konnte und man sich beim Zähneputzen beobachtet fühlt. Oder wenn die Maus schon vorher flüchten konnte und  sich im Wohnzimmer einrichten will. Oder wenn May etwas besonderes gefangen hat und unserem Junior eine tote Ratte ins Bett legt. 

Manchmal geht es aber ganz schief. So zum Beispiel im Sommer, als man in der Badewanne klar sehen konnte, dass May gemordet hatte, weit und breit aber kein totes Tier zu sehen war. Einige Tage später bat mich eine Kollegin im Büro, ihr einen USB-Stick zurückzugeben. Ich griff in die Vordertasche meiner Aktentasche, in der ich Elektrokleinzeug mit mir rumtrage und wunderte mich, warum der USB-Stick denn ein Fell hat. Offenbar hatte May ein paar Tage zuvor die tote Maus in die Vordertasche meiner Aktentasche gestopft, ohne dass ich das bemerkt habe. 

Ich habe jetzt eine neue Aktentasche. 

Dienstag, 20. November 2018

Wieder da


Es sieht jetzt tatsächlich so aus, als würde ich hier wieder regelmäßig bloggen. Mal schauen, wie lange das gut geht, aber ich hatte ja schon seit 2012 die tägliche Angst, dass mir für übermorgen nichts mehr einfallen könnte. 

Irgendwann finden dann auch mal wieder die alten Leser hier her, vielleicht. Oder auch nicht, wer weiß das schon, vielleicht sind jetzt alle bei Instagramm oder TikTok.

Bis dahin ein Dokument gruseligsten Stadtmarketings:



(Na, wo wird man von einer solchen Leichenhand begrüßt?)

Sonntag, 18. November 2018

Neulich vor dem Verkehrsministerium

Das könnte man immer wieder mal oder eigentlich immer als Symbolbild für unsere Verkehrsminister nehmen. 

Berliner Gespenster (2)

Besonders gruselige Erscheinung am Nordbahnhof:


Man kann daraus ein impressionistisches Gemälde machen, es bleibt aber trotzdem ein abgerissenes Plakat an einem Mast für die Tramoberleitung.



Donnerstag, 15. November 2018

Hin und zurück

Lange nichts mehr über meine Reisen geschrieben, obwohl ich viel unterwegs war im letzten halben Jahr. Wer hier schon ein bisschen länger mitliest, weiss, dass ich die Stadt und die Umgebung wie einen Rorschach-Test ansehe. Was ich beschreibe, hat immer mehr mit mir zu tun, als mit dem, was ich sehe. Jahrelang sah ich merkwürdige und drollige Sachen, einige Monate gar nichts mehr, oder zumindest nichts mehr, was ich sehen wollte. So langsam spricht die Umgebung wieder zu mir, was ich höre, ist aber nicht sonderlich drollig. Aber was soll's, fangen wir mal wieder an.

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Beruflich muss ich mich immer mehr mit digitalem Kram auseinandersetzen, obwohl ich keine rechte Lust dazu habe. Da ich noch mindestens siebzehn Jahre Geld verdienen muss, kann ich den ganzen Kram aber nicht ignorieren. So habe ich in den letzten Monaten einige Zeit damit verbracht, mit mehr oder weniger guten Häppchen in der Hand irgendwelchen Leuten, die irgendetwas über die digitale Zukunft erzählen, zuzuhören. Bei einem Vortrag einer Vorständin eines großen Unternehmens zur künstlichen Intelligenz (im Allgäu hem mr ÄiEi dazu gseit), hörte ich einen interessanten Satz, bei dem ich zunächst dachte, ich hätte mich verhört, aber mein Nachbar bestätigte dann mein Verständnis. Die Rednerin hatte gesagt: "Über Immortality will ich ja hier gar nicht reden." Immortality. Unsterblichkeit. Das nächste Ding nach der künstlichen Intelligenz. Die Unsterblichkeit gibt es dann aber nur für Leute wie Peter Thiel oder Elon Musk, die sich Blut junger Menschen übertragen lassen oder ihr Gedächtnis auf einen Computer überspielen. Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob ich eine Zukunft, in der alle Science-Fiction-B-Movies Wirklichkeit werden, noch erleben will. 

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Bei einer dieser Veranstaltungen sah ich im Publikum eine unscheinbare Frau mit Kurzhaarfrisur, die mir merkwürdig bekannt vorkam. Nach kurzer Überlegung kam ich darauf, dass es sich um Frauke P. handelte. Noch vor einem Jahr war sie quasi ein Pin-Up der Rechtsradikalen, von den Nazis als nächste Kanzlerin gehandelt, inzwischen ist sie praktisch vergessen und freut sich wohl, dass sie noch zu parlamentarischen Frühstücken eingeladen wird, bei denen es nette Häppchen gibt. Ich hatte ja letztes Jahr gedacht, dass es den Rechtsradikalen schaden würde, dass ihre Gallionsfigur abhanden gekommen ist. Aber diese Rechtsradikalenbewegung ist unabhängig von Köpfen, sie braucht keine Anführer. Sie ist nicht wie Hydra, der für jeden abgeschlagenen Kopf ein neuer nachwächst. Sie braucht keinen Kopf. Es ist eine amorphe Masse, die sich aus Wut und Neid speist. Sie braucht keine Vordenker, es genügt, dass irgendjemand den Wut schürt, das sagt, was jeder, der zu dieser Gruppe gehört, sagen könnte, das sagt, was die Wut aufrecht erhält. Zufällig gibt es immer wieder Anführer, Lucke, Bachmann, Petry, Gauland, Weidel, aber letztlich ist es egal. Punkrock hat versucht, die Distanz zwischen Bühne und Publikum aufzuheben, der neue Rechtsradikalismus hat es geschafft: Die, die auf der Bühne stehen, sagen nur, was auch jeder im Publikum sagen könnte. Sie sind beliebig, können abgelöst werden, werden abgelöst, aber es bleibt auch egal, was sie machen, was sie nicht machen: wichtig ist es nur die Wut weiter zu schüren. Man muss sich wohl damit abfinden, dass 15 % der Bevölkerung so funktionieren; wahrscheinlich muss man sich darüber aber keine größeren Sorgen machen, das ist blubbernder Morast, der sich gegenseitig zuruft, was jeder schon vorher weiß, unfähig etwas zum Schlechten oder zum Guten zu ändern. Sorgen machen muss einem, wie ein harter Kern versucht, rechtsradikale und paramilitärische Strukturen zu verfestigen. Und Sorgen muss einem machen, wie diese pulsierende Masse von Wut und Missgunst beginnt, die ganze Gesellschaft zu kontaminieren. Und man muss aufpassen, dass diese Mischung aus Zynismus und Häme nicht einen selbst erreicht. Unabhängig von der politischen Orientierung ist das eine Einstellung, die einen kaputt macht.

Aber wir sind immer noch mehr und wenn wir uns nicht von diesen Menschen herunterziehen lassen, haben die Rechten keine Chance. Es war ein gutes Gefühl, nach der Unteilbar-Demo zu merken, wie die ganzen Rechts-Umstürzler plötzlich in der Defensive waren.

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Eigentlich möchte man auf Reisen erkennen, wo man ist und wo es hin geht. Aber manchmal bleibt die Aussicht verschwommen.