Everybody's fucked in his own special way

Dienstag, 18. Dezember 2018

Wien

Mein Bücherregal ist zwar voll von österreichischen Schriftstellern, aber in Wien war ich bislang erst einmal, kurz dienstlich vor fast zehn Jahren. Die aktuelle Breugel-Ausstellung im kunsthistorischen Museum sowie eine Karl-Kraus-Ausstellung in der Wienbücherei waren ein guter Anlass, dieses Versäumnis zumindest etwas zu korrigieren, dazu kam dann noch Monet in der Albertina, fast ein bisschen viel für zwei Tage. 

Zu den Ausstellungen ließe sich einiges schreiben, vielleicht mache ich das noch im Nebenzimmer, aber im Moment fehlt mir ja auch die Zeit zu allem. Mir hat es auf jeden Fall sehr gut gefallen. Ich habe festgestellt, dass es auch in Wien eine Invalidenstraße gibt, leider war keine Zeit, auch diese zu besichtigen. Das nächste Mal.

Und bei all den Kunstwerken, die ich in den Galerien sehen konnte, niemand hat die Zerrissenheit des modernen Menschen so eindrucksvoll darstellen können, wie dieser unbekannte Straßengestalter:



Montag, 10. Dezember 2018

He's coming home

Heute setzt sich der Kiezschreiber wieder in den Zug und fährt zurück nach Schweppenhausen. Ab heute abend kann man also wieder neue Blogbeiträge bei ihm lesen. Wie ich jetzt sehe, hat sich Matthias sogar schon gestern in den Zug gesetzt. Anstatt den Bahnstreik dazu zu nutzen, als gestrandeter Reisender für die Zugbegleiter zu agitieren und den Protest gegen unseren Verkehrsminister an erster Stelle anzuführen, hat er sich schnell vorher auf nach Schweppenhausen gemacht. 


Wie ich aus dem halbjährlichen Redaktionstreffen weiß, hat er diesmal nicht nur wie üblich in Berlin Internetabstinenz geübt, diesmal funktionierte auch sein Fernseher nicht. Meister Eberling musste sich also über drei Wochen mit Berliner Radiosendern informieren, seinem Schluchzen konnte ich noch entnehmen, dass er stundenlang U-Bahn gefahren ist, um zumindest Neuigkeiten im Berliner Fenster zu lesen. Ich glaube, er ging auch täglich zum Arzt oder Friseur, um ein paar alte Zeitschriften lesen zu können. 

Seien wir mal neugierig, wie sich das auf sein Schaffen ausgewirkt hat.

Samstag, 8. Dezember 2018

Dienstliche Kettensägen


Mein Beruf bringt es mit sich, dass ich reichlich Unsinn erzähle und noch mehr Unsinn anhören muss. Ich habe es bis jetzt vermieden herauszufinden, was Blockchain eigentlich wirklich bedeutet, weil ich zuversichtlich bin, dass relativ kurzfristig ein neues Digitalisierungs-Buzzword kommt, das in jeden Vortrag eingebaut werden muss. So sitze ich in zahllosen Vorträgen über irgendetwas, in denen natürlich dann auch die Blockchain kommt, habe keine Ahnung, ohne dass das dem Verständnis groß schaden würde. Anfang des Jahres hatte ich den Plan, jedem, der „Blockchain“ sagt, eine runterzuhauen. Das wäre aber für mein weiteres berufliches Dasein eher ungünstig gewesen und ich bin auch gar kein gewalttätiger Mensch.


Im Sommer saß ich allerdings in einer Sitzung in der wieder jeder irgendetwas von der Blockchain erzählte. Das führte bei mir zu einer Art Wachtraum. Vor meinem geistigen Auge entstand ein Bild, wie ich aufstünde und eine Motorsäge lautstark startete und dabei vielleicht irgendetwas wie „Hört endlich auf mit dem Blockchain-Schwachsinn“ brüllte. Das war merkwürdig befriedigend, allerdings bin ich ja nicht gewalttätig, auch nicht in meinen Wachträumen, so dass ich beim weiteren Überlegen zum Ergebnis kam, dass ich die Motorsäge irgendwie gegen das Mobiliar einsetzen müsste (die ganze Zeit mit einer laufenden Motorsäge in einem Meeting zu stehen und zu brüllen ist als Phantasie gar nicht so befriedigend, wie man es sich vielleicht vorstellt). Also, gedanklich nachjustiert. Der einzige motorsägentaugliche  Gegenstand war aber der große Besprechungstisch, der aus Holz mit Stahlstreben bestand. In meinem Kopf entstand also das Bild, wie ich mit der Motorsäge irrsinnig lachend ansetze, umringt von entsetzt blickenden Menschen, und mit dem Sägeblatt nach kurzer Holzzersplitterung auf die Stahlstrebe treffe – jeder mit einigermaßen ausgeprägter akustischer und visueller Vorstellung wird hier zusammenzucken. Wahrscheinlich hätte in so einer Situation der Sitzungsleiter eine Minute zugesehen und mich dann gebeten, vielleicht nach der Sitzung weiterzusägen, es gäbe noch genug zu besprechen. Gleichzeitig fiel mir ein, dass ich ja im geschlossenen Raum auch kaum die benzinbetriebene Motorsäge (das sog. Fichtenmoped) nehmen könnte, das wäre ja auch äußerst rücksichtslos gegenüber den anderen Teilnehmern. Also müsste es eine elektrische Motorsäge sein. Ich versuchte mir auszumalen, wie ich im Meeting aufstehe, um eine kurze Unterbrechung bitte, nach einer Steckdose für meine Motorsäge suche, dann kurz den Organisator frage, ob er vielleicht ein Verlängerungskabel hätte. Jedem wird einleuchten, dass das eine Gewaltphantasie ist, die nun gar nichts befreiendes hat und wahrscheinlich nicht im Rahmen eines Hollywood-Action-Films verfilmt wird. 


Also hörte ich dann doch lieber weiter zu.


(Die ganze Zeit quälte mich aber, warum mir denn gerade in dieser Sitzung als erstes eine Motorsäge einfiel. Am Abend hatte ich die Erleuchtung: Offenbar war es eine Assoziation mit dem Texas chainsaw massacre, dann halt nur ohne Texas, sondern mit block-chain saw.)

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Kleinkindlektüre im Florakiez



Das wird einen Weihnachtswunschzettel geben!

(Auf Twitter liefe das unter dem Rubrum "Menschen des Spätkapitalismus")

Sonntag, 2. Dezember 2018

Botschaften einst und jetzt (nur für Leute mit guten Augen)




Man muss aber zugeben, beide hatten etwas mitzuteilen. Und wer sind wir, darüber zu richten, ob das Erbauungsjahr oder das Geschlechtsteil jetzt die wichtigere Botschaft sei?

(Ich könnte hier auch eine Rubrik "Obszöne Inschriften in Saarlouis" aufmachen, das scheint eine wichtige Beschäftigung dort zu sein.)

Samstag, 1. Dezember 2018

Nachteile des bloglosen Lebens

Ich müsste lügen, wenn ich behauptete, dass die bloglose Zeit nicht auch Vorteile gehabt hätte. Es fehlte die Verzweiflung, wenn man wieder feststellen muss, dass die sieben genialen Ideen, die man letzthin hatte, wieder nur für eine Woche gereicht haben, und man es wieder nicht über sich bringt, einen der Dauerentwurfs-Posts wie "Kunst oder Käsebrötchen" als Notbehelf zu nehmen, weil man die dann doch irgendwie blöd oder nicht so gut wie beim Aufschreiben findet. 

Nachteil der bloglosen Zeit ist allerdings, dass man ein Kartoffelfoto wie dieses macht und es nicht sofort verbreiten kann. 


Gut, dass ich das jetzt nachholen kann.  

(Ein Roter Tannenzapfen - die besten.)