Everybody's fucked in his own special way

Freitag, 31. März 2017

Wild weed

(Zugleich ein Beitrag zu Frau Tonaris "Rost-Parade"-Projekt.)

Ein Hoch auf das Leben in der Stadt! Man muss nur auf die Straße gehen, um ein schönes Motiv für die Rost-Parade zu finden. Am Bürgerpark wird mal wieder die Straße aufgerissen und dort gibt es auch dieses hübsche Arrangement zu sehen. Wenn man das mit Absicht drapieren hätte wollen, hätte man es nicht schöner hinbekommen. Was das alles ist? Unsere Projektchefin könnte es sicher benennen und erklären, wir wissen es nicht und freuen uns trotzdem. 

Die musikalische Begleitung kommt heute von Jeffrey Lee Pierce, der vor genau 21 Jahren gestorben ist (ich versuche erst gar nicht, eine Verbindung zwischen Lied und Bild zu konstruieren). Seine einzige Solo-LP hieß "Wild weed", Unkraut, wie sollte man das nicht wunderbar finden. Wir hören uns das Titelstück an und denken an ihn und die vielen anderen, die nicht mehr bei uns sind.

Mittwoch, 29. März 2017

Bedeutende Dienstreisen (27)

Ein Tag, bei dem man nicht so richtig weiß, ob man überhaupt noch eine Jacke übers Jackett anziehen soll. Aber in der Frühe ist es noch kalt, da braucht man noch etwas Wärme. Ich warte an der Beusselstraße auf den TXL-Bus, an dem Geländer stehen schon viele Reisende und sehen sich ihre Handys an. Ein gutes Zeichen, der letzte Bus ist also schon eine Weile her. Ich sehe einen freien, nicht ungünstigen Platz am Geländer, will dort hingehen, merke aber auch schnell, warum da keiner steht: Irgendjemand hat sich hier seines Frühstücks entledigt. Also doch lieber ein paar Schritte weiter und dadurch die folgende Nachricht, die in mehrerer Hinsicht rätselhaft ist, entdeckt:

Also, wenn das nicht der Beweis für Zeitreisen ist, weiß ich auch nicht. 

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Die Frühlingssonne scheint auf die Gleise. Mir wird dann doch warm in der Jacke.



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Der Flug hat eine dreiviertel Stunde Verspätung, ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal pünktlich weggekommen bin. Ich treffe mich am Flughafen mit einem Kollegen, das heißt, er latscht durch die Gegend und sieht mich nicht, während ich einfach sitzen bleibe und ihm blödsinnige E-Mails mit dem Betreff "Kuckuck" schreibe. 

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Der Termin, zu dem wir müssen, macht mir Sorgen. Es ist der Versuch, eine seit einigen Jahren verkorkste Angelegenheit wieder in vernünftige Bahnen zu kriegen. Bislang war das alles erfolglos, ich kriege immer wieder E-Mails voll gekränktem Stolz, immer wieder auch mal Drohungen, was eigentlich ansonsten sehr selten vorkommt. Der Fehler liegt eher bei der anderen Seite, aber das hilft ja nicht viel. Eigentlich denke ich ja, dass ich ganz gut verkorkste Situationen auflösen kann. Als ich vor Jahrzehnten beim Zivildienst beim Baumfällen helfen musste, rannte mein maulfauler Chef mit der Motorsäge voran durch den Fichtenwald, stellte sich kurz vor die Bäume, die der Förster zum Ummachen markiert hatte, schaute in den Himmel und zeigte dann kurz mit der Hand in eine Richtung: Er hatte die Richtung entdeckt, in der der Baum tatsächlich ganz umfallen würde und sich nicht in den anderen Bäumen auf halbem Weg verhaken würde, so dass man ihn unter Gefahr ganz runterziehen musste. Er schaute noch einmal, entschied dann, ob man Keile oder ein Seil - oder mich, der mit einem Stab in die richtige Richtung drücken musste - zur Unterstützung brauchte. Ich habe nie gesehen, wo denn die Lücke genau war, deswegen oft falsch gedrückt, so dass der Baum dann doch hängen blieb. Mein Chef schüttelte dann immer ungläubig den Kopf - wie konnte man denn nicht sehen, wohin man den Baum werfen müsste? So ähnlich möchte ich mir meinen Job vorstellen, durch einen Blick in den Himmel zu erkennen, wie man das Problem ohne weitere Verhedderung lösen kann, dann die richtigen Handgriffe und Hilfsmittel und schon passt alles. Derzeit funktioniert das aber nicht so, wie ich's gewohnt bin. Und in dieser Angelegenheit hatte ich eher noch das Gefühl, dass alles, was ich so anstelle, die Sache eher komplizierter macht. Aber wie es meistens so ist - trotz meiner Sorgen funktionierte alles wie vorgesehen, zumindest bis zur nächsten Krise. Vielleicht habe ich's doch noch nicht verlernt. 

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Mit dem Kollegen noch durch die Stadt zum Bahnhof gegangen, durch die Frühlingssonne, die Jacke in der Hand haltend. Weil wir beide noch Zeit haben, setzen wir uns in die Sonne und trinken einen Kaffee am Nachmittag und unterhalten uns über Gartenfragen. 

Mein Kaffee ist aus der Edvard-Munch-Edition:

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Das Flugzeug ist pünktlich und vollbesetzt. Ich sitze neben einer jungen Frau, deren Arme und deren Hals farbenfroh tätowiert sind, neben ihr ein Herr mit Schnauzbart und Krawattennadel. Ich schaue aus dem Fenster und höre mal wieder etwas "Mann ohne Eigenschaften", als ich den Kopfhörer wieder ablege, stelle ich fest, dass sich meine Nachbarn äußerst angeregt unterhalten, es geht um das Angeln und Fischerhütten in Norwegen. Ich bin fast ein bisschen neidisch, weil es inzwischen äußerst selten ist, dass man sich im Flugzeug unterhält, ich bin meistens schon froh, wenn der Sitznachbar den Gruß erwidert. Ich stelle aber fest, dass ich bei den Gesprächsthemen nicht viel beitragen könnte. 

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Ein Flug am Spätnachmittag beim klaren Himmel und ich bin wie immer fasziniert, von den Strukturen am Boden. Die Felder, denen man ansieht, in welche Richtung sie von Traktoren befahren wurden, die willkürlichen Grenzen zwischen den verschiedenen Feldern mit Bodenfrüchten, die Wälder, mit den großen Schneisen, die hereingeschlagen wurden, und natürlich die Seen und die Hügel, Wasser klar umrissen, Staub und Felsen in merkwürdigen Formen. 

Und natürlich Berlin, die Glänzende. Die Hochhausketten sehen aus wie geworfene Runen oder wie Schriftzeichen, strahlend in der Abendsonne. 


Ausnahmsweise sehe ich auch unser Haus ganz deutlich, weil wir nicht direkt drüber fliegen, sondern etwas weiter nördlich, aber der Handyakku ist leer, so dass es kein Foto gibt. 



Dienstag, 28. März 2017

Amsliges

Die Büro-Amseln haben sich wieder blicken lassen, sie hüpfen wieder von Fensterbrett zu Fensterbrett. Einmal habe ich das Amselweibchen gesehen, wie sie sich ein paar Halme für den Nestbau im Innenhof gerupft hat. Ich habe mir in der Früh die Rosinen aus dem Müsli geklaubt, sie mit ins Büro genommen und aufs Fensterbrett gelegt. Die erste Lieferung wurde nach einem Tag verspeist, die Amsel hat mir sogar einen Gruß auf dem Fensterbrett hinterlassen. 

Die nächsten Rosinen blieben unberührt, vielleicht baut das Pärchen dieses Jahr sein Nest anderswo. 

Auch bei uns in der Nachbarschaft überall die Amselböcke, die gegeneinander ansingen. Seit die Robinie gegenüber gefällt wurde, hat unser Hausamslerich keinen festen Platz mehr und ich bin immer etwas bang, ob er wiederkommt. Am Wochenende habe ich die ersten Tomaten umgetopft, da machten zwei Amseln einen Sangeswettstreit und der eine davon hörte sich ganz nach unserem Hausamslerich an. Dieser beginnt gerne mit Gefiepe, das sich anhört wie das Sendereinstellen beim Radio und hat dann eine gewisse Vorliebe für kleine Terzen und Quarten, die sich dann manchmal zum Thema von A love supreme ergänzen. Seine kleine Chuck Berry-Routine habe ich dieses Jahr noch nicht gehört, aber der Frühling ist ja noch jung. 

Sonntag, 26. März 2017

Zurück

Die Online-Pause ist zu Ende, also kann es auch hier weitergehen. In der letzten Woche haben hier anscheinend komplett die Bots übernommen, rege Zugriffe von den merkwürdigsten Seiten, die mir, wenn ich sie anklicke, alle die Fragen stellen, ob ich gerne Nacktfotos aus der Nachbarschaft haben würde. Ich habe nichts gegen meine Nachbarn, aber lieber erst mal nicht. 

Wesentlich Erkenntnis der letzten Woche: Wahnsinn, wie lange so ein Handy-Akku reichen kann. Ansonsten: Nicht im Internet, sondern in der Zeitung gelesen. Für die Abende war praktisch, dass noch stapelweise nicht gelesene Spiegel rumlagen. Interessanter sind die Fahrten in der U- und S-Bahn, ohne irgendwie auf dem Handy rumzulesen. Nicht immer sind andere Fahrgäste so freundlich und unterhalten sich laut über irgendeinen Quatsch, um einem die Zeit zu vertreiben. Ich habe aber zumindest gesehen, dass kurz vor dem S-Bahnhof Gesundbrunnen auf der Böschung die ersten Narzissen blühen. (Grundsätzlich halte ich aber die Klagen, dass man wegen des Handys nichts mehr von der Umgebung wahrnehmen würde, für Quatsch. Zumindest ist das kein Problem, das ich habe.)

 
Die Haupterkenntnis aller kleinen Fastenübungen ist ja, dass man im Prinzip auf fast alles gut für einige Zeit verzichten kann. Wenn's keinen Alkohol gibt, trinkt man halt Johannisbeersaftschorle. Wenn man keine Süßigkeiten isst, nimmt man sich halt einen Apfel. Es entspricht ja dem Zeitgeist, zu glauben, dass Erleuchtung oder innere Zufriedenheit daran anknüpfe, was man isst oder was man nicht isst oder ob man seine Informationen auf Holz oder dem Bildschirm abfasst. Aber das ist alles wurscht. Man kann auch ohne Handy ein Arschloch sein. 

[Abruptes Ende des philosophischen Einschubes.]




Sonntag, 19. März 2017

Kurze Pause

Wie jedes Jahr vor Ostern gibt es bei der Familie Ackerbau eine Woche digitales Fasten. Also nix mit Blog, privatem Internet oder Twitter. Deswegen bleibt es hier auch eine Woche ruhig. 

Wem langweilig ist, der kann ja mal hier den Oktober 2013 nachlesen, da waren ein paar todsichere Gags versteckt (oder war das April 2014?). Oder besser: Räumt mal endlich eure Wohnzimmer auf! Und wenn die Sonne scheint, sieht man, wie viele Schlieren an euren Fenstern sind! Auf dem Wohnzimmertisch liegen noch Zeitschriften rum! Und in die unterste Schublade der Kommode schaut man ja besser auch nicht rein!

Ebenfalls wie jedes Jahr empfehle ich als Einstimmung in den digitalen Verzicht Grant Snider mit seinem monumentalen Comic "Escape from the digital world".  

Bis gleich, macht keine Dummheiten ohne mich. 

Donnerstag, 16. März 2017

Schwarze Tücher, blaue Bänder

(Motto: Eigentlich wollte ich heute schlechte Laune haben, aber dann war die Luft so mild.)

Die Bäume haben noch keine Blätter, da zeigen sich höchstens die ersten Knospen, richtig grün ist es auch noch nicht, von den Frühblühern bislang nur Krokus und Schneeglöckchen, die Temperaturen auch eher niedrig und die Sonne bleibt meist taktisch hinter den Wolken....

... und doch: Die Luft ist lau, es ist so, als würde sich Stadt und Natur langsam verwandeln, auch wenn man davon noch nichts sieht. Und ich habe wieder das Gefühl, das ich, seit ich dreizehn bin, jedes Mal um diese Jahreszeit habe: eine unbestimmte Verheißung wunderbarer Zeiten und Dinge, die zaghafte Sonne schiebt gleichsam die dunklen Tücher der Finsternis, der Langeweile und der Unfreiheit des Winters zur Seite und lässt den Ballast des letzten Jahres von einem schmelzen. Die täglichen Wege werden auf einmal mit Schwung und Zuversicht gegangen, als wisse man, dass am Ende Bedeutendes auf einen warte. Jedes Jahr dasselbe, und jedes Jahr doch wieder überrascht. 

Es hält nicht lange an. Aber das macht gar nichts. 

Mittwoch, 15. März 2017

Gute Nachrichten für Street-Art-Blogger

(Mal etwas ganz anderes, das aber vielleicht für den ein oder anderen Leser hier interessant ist.)

Das Schreiben im Internet ist ja mit Risiken verbunden, nicht zuletzt mit rechtlichen. Auch wer nur eigene Fotos verbloggt, muss sich über einiges Gedanken machen. Manchmal können auch Rechte an den Dingen bestehen, die man fotografiert, die dann zu Abmahnungen oder sonstigen Ärger führen. Der Bundesgerichtshof hat allerdings letzthin eine Frage geklärt, die Straßenfotografen ins Grübeln bringen kann. Ist es erlaubt, Street-Art-Kunstwerke zu fotografieren und zu verbloggen? Das macht zwar jeder, aber man weiss ja nicht, ob sich nicht irgendwann ein wütender Künstler meldet. Der BGH hat aber folgendes festgestellt (hier das ganze Urteil, in dem es um ein Foto der East-Side Gallery ging).

Gemäß § 59 Abs. 1 Satz 1 UrhG ist es zulässig, Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen  oder Plätzen befinden, mit Mitteln der Malerei oder Graphik, durch Lichtbild oder durch Film zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben. Diese Regelung beruht auf der Erwägung, die Aufstellung eines Kunstwerkes an öffentlichen Orten bringe zum Ausdruck, dass damit das Werk der Allgemeinheit gewidmet werde; aus dieser Zweckbestimmung rechtfertige sich eine Beschränkung des Urheberrechts in der Weise, dass  jedermann  das Werk  abbilden  und die  Abbildungen verwerten dürfe.

Also, soweit man von öffentlichen Wegen aus fotografiert (anders kann es auf Privatgelände oder in privaten Parks sein) und das Kunstwerk "bleibend" ist (bei nur vorübergehenden Aktionen, wie z.B. der Reichstagsverhüllung, kann es wieder anders sein), ist man wahrscheinlich auf der sicheren Seite. Ist doch auch was schönes.

Montag, 13. März 2017

Immer diese Wiederholungen!

Breaking: Immer mehr Menschen verschwinden in der Nähe des Bürgerparks Pankow. Experten rätseln über den Verbleib dieser Personen.




(Die Zähnchen waren einfach zu schön, die musste man noch einmal gesondert würdigen.)

Sonntag, 12. März 2017

Besuch im Nebenzimmer (23)

Was war in den letzten zwei Monaten so im Zweitblog los?




Es beginnt mit zweimal Hüsker Dü. Kaum eine andere Band ist so geeignet, den Soundtrack für schlechte Laune zu liefern, mit "It's not funny anymore" hatten sie eine schlechtgelaunte Hymne, wenn es so etwas gibt. "Du kannst tun, was du gerne tun willst, du kannst sein, wer du gerne sein willst, finde heraus, wer du wirklich bist, aber kümmere dich nicht um mich: Es ist nicht mehr lustig. Im Nachgang noch etwas mehr frustrierte und frustrierende Musik zur Zeit von den großen Männern aus Minneapolis. Der Bassist hat inzwischen ein Fischrestaurant, das ist doch auch eine Karriere. Ganz anders dann die von mir sehr geschätzten Sonic Boom Six mit "No man no right", eine eher gut gelaunte feministische Hymne. Vielleicht klappt es ja 2017 mit dem Sommerhit? Ein nettes Video, das zeigt, wie die Konzerte aussehen würden, wenn die Frauen übernehmen würden. Danach mal wieder ein kurzer Blick zur britischen Tragödie mit Politik für Vierjährige. Die Briten, die etwas erwachsener sind, gehen inzwischen davon aus, dass es einen Car-Crash-Brexit geben wird; die Teile werden uns allen um die Ohren fliegen, fürchte ich. Politisch bleibt es, mit einem kurzen Check der aktuellen Protest-Lieder, einmal von Frank Turner, einmal von den DC-Punk-Veteranen Scream. Vielleicht hilft das ja, die ganze derzeitige Politscheiße zu ertragen. Obligatorisch Anfang Februar ist natürlich die Erinnerung an den Todestag von Markos Vamvakaris. Diesmal mit Filmaufnahmen von seinem letzten öffentlichen Auftritt und seiner Beerdigung sowie einer Zusammenstellung ein paar seiner schönsten Lieder. Und "Deine Augenlider glänzen" wird hier jeden 8.2. verlinkt, bis es endlich alle mal gehört haben. Ein Abstecher in etwas merkwürdige Gefilde, Monty Python original auf deutsch, mit einem sadistischen Sketch über ein bayerisches Restaurant. Sagen wir mal so viel: Auch wenn die Briten glauben, sie seien schon lustig, weil sie deutsch reden, muss es nicht stimmen. Und: Man sollte nicht "Schweinewasser auf den Kopf und naus aus die Fenster" bestellen. Ein Konzertbericht: Michali und ich waren bei UK Subs in München. Nun wissen wir, wie viele Enkel Charlie Harper, der Sänger, der eine Woche älter ist als unser Vater, hat. Der erste Beitrag einer wohl wachsenden Rentner-Punk-Konzertkritiken-Reihe (try not to get too excited). Und gleich der zweite: Michali und ich waren bei den Subhumans in Berlin, Frau Kirschblüte hat uns begleitet. Wir wissen allerdings nicht, wie viele Enkel Dick Lucas, der Sänger der Subhumans, hat, die Frage haben wir verpasst. Danach ein Rückblick auf die Konzerte der späten 80ern, mit einigen Livevideos aus der Zeit. Da waren wir alle irgendwie noch jünger. Nach langer Zeit mal wieder die Beatles, mit ein paar unveröffentlichten Harrison-Liedern. Eines davon kannte selbst ich bis vor ein paar Wochen nicht. Schön.  Danach die Woche der Mundart-Musik, begonnen mit den Schweizern Baby Jail, weiter mit dem Bayern Ringsgwandl und den Schwaben Schwoissfuass und beendet mit den Kölnern Zeltinger. Doch, doch, das sollte man sich mal anhören. Man lernt etwas über Leute, die Lyrik auf dem Klo lesen, sich über die Plattensammlung des Schwagers lustig machen, zu früh heiraten oder die schon das Zittern bekommen, weil gar nicht so viel los ist, dass man immer etwas zum Erzählen hätte.

Nichts dabei? Vielleicht ja im nächsten Monat. Die gesammelten Inhaltsverzeichnisse findet man wie immer unter dem Tag "Nebenzimmer".

Samstag, 11. März 2017

OLe ist umgezogen!

...und hat uns vorher nichts gesagt. Die neue Seite der Anderen Kamera findet Ihr hier. In meine Blogpostaufzählung auf der rechten Liste habe ich den neuen Blog noch nicht reingekriegt, deswegen müsst Ihr erstmal unmittelbar zugreifen auf http://die-andere-kamera.de .

Nachtrag: Oder doch nur Zweitwohnsitz? Der große Geheimnisvolle macht es spannend....

Dienstliches

Ein Kollege ruft mich an, will etwas von mir, was ich ihm aus verschiedenen Gründen nicht liefern kann. Plötzlich schweift er ab und erzählt mir: "Ja, Herr Ackerbau, Sie haben ja einmal gesagt, ich sei der Meister des Smalltalks, da denke ich noch häufiger drüber nach." Ich bin erleichtert, dass wir telefonieren, da er ansonsten mein vollkommen überraschtes Gesicht sehen könnte. Ich überlege fieberhaft, warum ich so etwas komplett absurdes gesagt haben könnte. Mir fällt vage ein, dass ich das in einer unmöglichen Gesprächssituation zu ihm gesagt habe, weil das zutreffende "Noch ein Wort mehr von diesem Schwachsinn und mein Kopf explodiert" zu hart gewesen wäre. Immerhin habe ich ihm so eine schöne Erinnerung verschafft. 


Ein beruflich Bekannter bittet mich nach Kreuzberg in einen Co-Working Space, um an einer Besprechung zu Digitalprojekten teilzunehmen. Ich weise ihn darauf hin, dass ich davon keine Ahnung habe und außerdem von diesen Themen Pickel bekomme. Er versichert mir, dass er das wüsste, er müsste sich das ja immer von mir anhören, er bräuchte eben für die Besprechung noch einen schlecht gelaunten älteren Herren, der den restlichen Digitalbegeisterten immer wieder erklärt, dass das alles Kacke sei und dass das auch schon vor 20 Jahren nicht funktioniert habe. Unter dieser Bedingung mache ich natürlich mit. Wenn es dafür einen größeren Markt geben sollte, wäre das die ideale Beschäftigung für mich.

Freitag, 10. März 2017

It's not easy being me (3)

(Letzter Teil der kleinen Reihe, mit der ich nahe bringen will, wie es mir geht, wenn ich mir meine Fotos durchsehe und verzweifelt versuche, mich zu erinnern, was ich hier fotografierenswert gefunden habe.)

Mal wieder ein Kirchenportal. Augsburger Dom. War da irgendein besonderer Heiliger? Eher nicht.


Ah, jetzt fällts mir wieder ein. Es waren die Löwen am Sims. Der Bildhauer muss Katzen in seinem Atelier gehabt haben. Mal genauer hinsehen.





Nett.





Donnerstag, 9. März 2017

It's not easy being me (2)

Wieder so ein Foto. Vor dem Naturkundemuseum. Was war denn da schon wieder?



Ich muss doch irgendeinen Grund zum Fotografieren gehabt haben. Irgendwas auf den Steinen, oder? Mal genauer hinsehen.


Ja, da ist was. Noch ein bisschen näher.



Ah, genau. Irgendein Idiot hat mit einem Stift "Rammstein" auf den Stein geschrieben. Der Fan der unerträglichsten Band der Welt musste sich dafür wohl auf den kalten Rasen legen, um dieses vollkommen unzureichende Werk zu schaffen. Was für eine Wurst. 

Wahrscheinlich ein Verwandter des Typen, der früher auf dem Schulklo nach dem Kacken immer "Born to be wild" an die Wand geschrieben hat.


Mittwoch, 8. März 2017

It's not easy being me

Was wollte ich denn da schon wieder fotografieren? Es muss doch irgendeinen Grund für dieses Bild gegeben haben... Vielleicht noch einmal ganz genau ansehen....


War da was?

Ach so, auf dem Haufen von Schwellenteilen, die da hinten rumliegen, sieht eines ein bisschen aus wie ein Hund. 


Na dann ist's gut.

Sonntag, 5. März 2017

Der Tatort


Das Opfer wurde zuletzt Anfang Februar in der Invalidenstraße gesehen. Wer kann sachdienliche Hinweise geben?



(Noch ziemlich viele Weihnachtsbäume in den Straßen. Nach bisheriger Praxis ist es erst wirklich bemerkenswert, wenn sie es noch mindestens in den April schaffen.)

Samstag, 4. März 2017

Bedeutende Dienstreisen (26)

Irgendwie werden die Dienstreisen langweiliger. Ich darf mich aber nicht darüber beklagen, weil ich ansonsten wieder einen Flug annulliert kriege und mit dem Zug nach Hause fahren muss. Diesmal habe ich es aber klüger gemacht und fahre gleich mit dem Zug.

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Vor dem Hauptbahnhof fleddern Nebelkrähen. Ich dachte zuerst, es sei eine Tabakpackung, es waren aber Mäckes-Pommes. 


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Vielleicht zeigt sich langsam ein Happyend zwischen mir und der Digitalisierung? Das dachte ich mir zumindest, als ich mit dem Koffer aus dem Büro gehe. Bei dieser Dienstreise gibt es überhaupt keinen Bezug zu irgendeinem Digitalschmarrn. Zu früh gefreut: Auf den Plätzen neben mir saßen irgendwelche Internet-Leute, die die ganzen dreieinhalb Stunden der Zugfahrt irgendein Projekt besprachen und vor allem beratschlagten, wie man dem Kunden dezent klarmachen kann, dass alles viel länger dauert und mehr kostet als vorher besprochen. Für eine Stunde gab es etwas Abwechslung, weil sich neben mich zwei Leute aus der Haarspraybranche setzten, die ein Mailing abstimmten und über die Parfümtrends in der Kosmetikindustrie fachsimpelten. Ich flüchtete mich in den Mann ohne Eigenschaften. "Er war eine tüchtige kleine Zelle im soialen Körper, die brav ihre Pflicht tat, aber von überall vergiftete Säfte erhielt."

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Ankunft in Hagen. Wenn man es schafft, den Kopf zu heben, ergibt sich ein interessanter Anblick.

Interessant, dass ich seit ich Tikerscherks Kathedralen-Post gelesen habe, überall Glaskunst sehe. Nunja, im Hagener Hauptbahnhof ist es ja tatsächlich ein Glasbild, das einer Kathedrale würdig wäre. Geschaffen vor über 100 Jahren von Johan Thorn-Prikker, von dem ich ansonsten auch nix wüßte. Das Glasbild hat einen Titel, der in mir gleich den Wunsch erweckt, einen Stein in die Scheibe zu werfen: "Der Künstler als Lehrer für Handel und Gewerbe".  In der Mitte sitzt der Künstler und lehrt, ganz rechts steht eine Dame mit Skiern, die, so weiß es zumindest die Website der NRW-Stiftung, den Tourismus im Sauerland symbolisiert. Ist doch kacke. 

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Hagen, uiuiui. Kurz bevor man in den Bahnhof einfährt, sieht man ein Graffiti, neben das gesprüht wurde: "For all die ich know". Hübsch. Gegenüber vom Bahnhof ist die "Kokett-Bar".

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Am Abend geht es zu einer Nachtwächter-Führung auf einem Schloß. Schon am Anfang wird klargestellt: Bei einer Nachtwächter-Führung sieht man halt nix. Auch gut. Wir erfahren, dass RTL "Die Geisterjäger" schon auf dem Schloß waren und Schritte gehört haben (ich wußte bis dahin gar nicht, dass es so etwas wie "Die Geisterjäger" gibt). Ich mache eigentlich ganz gerne Fotos im Dunkeln.

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Attraktion des Schlosses ist eine mumifizierte Hand. Und was soll ich sagen? Sie sah tatsächlich etwa so aus.

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Im Hotel liegen für mich im Zimmer zwei Packungen Ohrstöpsel, die Nacht ist aber angenehm ruhig. Als ich abends aus dem Fenster sehe, kann ich einer Amsel zusehen. In Berlin habe ich noch keine gesehen, aber jetzt schon ein paar Mal in der Früh oder am Abend gehört. Gut, dass die Amseln wieder da sind. 

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In der Sitzung keine Digitalisierung, allerdings schickt mir Frau Ackerbau aus Berlin eine Nachricht, dass sie sich gerade etwas zu Arbeit 4.0 anhört. Kein Entkommen. 

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Die Heimfahrt ist unspektakulär. Am Bahnhof Wollankstraße die erste Kirschblüte.





Freitag, 3. März 2017

Wegzehrung (3)

Eigentlich möchte ich ja solche Serien nicht übertreiben, aber dieses Tableau am S-Bahnhof Wollankstraße muss man schon noch mitnehmen:

Warum jemand Weinessig und eine Aubergine am S-Bahnhof liegen lässt? Ich habe keine Ahnung. Wahrscheinlich sollte man jetzt hier einen Kurzgeschichten-Wettbewerb beginnen. 

Ach ja, noch etwas wurde am S-Bahnhof liegen gelassen. Sieht aus wie ein Energieball aus einem Computerspiel. Aber Ihr seht sicher, was es in Wirklichkeit ist, oder?



Donnerstag, 2. März 2017

Wegzehrung (2)

S-Bahnhof Wollankstraße.

(Kann ich das nächste Mal bitte Käse anstatt Mettwurst haben?)

MORGEN: Sie werden Ihren Augen nicht trauen, wenn Sie sehen, was am nächsten Tag am S-Bahnhof lag!

Mittwoch, 1. März 2017