Everybody's fucked in his own special way

Mittwoch, 29. März 2017

Bedeutende Dienstreisen (27)

Ein Tag, bei dem man nicht so richtig weiß, ob man überhaupt noch eine Jacke übers Jackett anziehen soll. Aber in der Frühe ist es noch kalt, da braucht man noch etwas Wärme. Ich warte an der Beusselstraße auf den TXL-Bus, an dem Geländer stehen schon viele Reisende und sehen sich ihre Handys an. Ein gutes Zeichen, der letzte Bus ist also schon eine Weile her. Ich sehe einen freien, nicht ungünstigen Platz am Geländer, will dort hingehen, merke aber auch schnell, warum da keiner steht: Irgendjemand hat sich hier seines Frühstücks entledigt. Also doch lieber ein paar Schritte weiter und dadurch die folgende Nachricht, die in mehrerer Hinsicht rätselhaft ist, entdeckt:

Also, wenn das nicht der Beweis für Zeitreisen ist, weiß ich auch nicht. 

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Die Frühlingssonne scheint auf die Gleise. Mir wird dann doch warm in der Jacke.



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Der Flug hat eine dreiviertel Stunde Verspätung, ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal pünktlich weggekommen bin. Ich treffe mich am Flughafen mit einem Kollegen, das heißt, er latscht durch die Gegend und sieht mich nicht, während ich einfach sitzen bleibe und ihm blödsinnige E-Mails mit dem Betreff "Kuckuck" schreibe. 

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Der Termin, zu dem wir müssen, macht mir Sorgen. Es ist der Versuch, eine seit einigen Jahren verkorkste Angelegenheit wieder in vernünftige Bahnen zu kriegen. Bislang war das alles erfolglos, ich kriege immer wieder E-Mails voll gekränktem Stolz, immer wieder auch mal Drohungen, was eigentlich ansonsten sehr selten vorkommt. Der Fehler liegt eher bei der anderen Seite, aber das hilft ja nicht viel. Eigentlich denke ich ja, dass ich ganz gut verkorkste Situationen auflösen kann. Als ich vor Jahrzehnten beim Zivildienst beim Baumfällen helfen musste, rannte mein maulfauler Chef mit der Motorsäge voran durch den Fichtenwald, stellte sich kurz vor die Bäume, die der Förster zum Ummachen markiert hatte, schaute in den Himmel und zeigte dann kurz mit der Hand in eine Richtung: Er hatte die Richtung entdeckt, in der der Baum tatsächlich ganz umfallen würde und sich nicht in den anderen Bäumen auf halbem Weg verhaken würde, so dass man ihn unter Gefahr ganz runterziehen musste. Er schaute noch einmal, entschied dann, ob man Keile oder ein Seil - oder mich, der mit einem Stab in die richtige Richtung drücken musste - zur Unterstützung brauchte. Ich habe nie gesehen, wo denn die Lücke genau war, deswegen oft falsch gedrückt, so dass der Baum dann doch hängen blieb. Mein Chef schüttelte dann immer ungläubig den Kopf - wie konnte man denn nicht sehen, wohin man den Baum werfen müsste? So ähnlich möchte ich mir meinen Job vorstellen, durch einen Blick in den Himmel zu erkennen, wie man das Problem ohne weitere Verhedderung lösen kann, dann die richtigen Handgriffe und Hilfsmittel und schon passt alles. Derzeit funktioniert das aber nicht so, wie ich's gewohnt bin. Und in dieser Angelegenheit hatte ich eher noch das Gefühl, dass alles, was ich so anstelle, die Sache eher komplizierter macht. Aber wie es meistens so ist - trotz meiner Sorgen funktionierte alles wie vorgesehen, zumindest bis zur nächsten Krise. Vielleicht habe ich's doch noch nicht verlernt. 

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Mit dem Kollegen noch durch die Stadt zum Bahnhof gegangen, durch die Frühlingssonne, die Jacke in der Hand haltend. Weil wir beide noch Zeit haben, setzen wir uns in die Sonne und trinken einen Kaffee am Nachmittag und unterhalten uns über Gartenfragen. 

Mein Kaffee ist aus der Edvard-Munch-Edition:

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Das Flugzeug ist pünktlich und vollbesetzt. Ich sitze neben einer jungen Frau, deren Arme und deren Hals farbenfroh tätowiert sind, neben ihr ein Herr mit Schnauzbart und Krawattennadel. Ich schaue aus dem Fenster und höre mal wieder etwas "Mann ohne Eigenschaften", als ich den Kopfhörer wieder ablege, stelle ich fest, dass sich meine Nachbarn äußerst angeregt unterhalten, es geht um das Angeln und Fischerhütten in Norwegen. Ich bin fast ein bisschen neidisch, weil es inzwischen äußerst selten ist, dass man sich im Flugzeug unterhält, ich bin meistens schon froh, wenn der Sitznachbar den Gruß erwidert. Ich stelle aber fest, dass ich bei den Gesprächsthemen nicht viel beitragen könnte. 

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Ein Flug am Spätnachmittag beim klaren Himmel und ich bin wie immer fasziniert, von den Strukturen am Boden. Die Felder, denen man ansieht, in welche Richtung sie von Traktoren befahren wurden, die willkürlichen Grenzen zwischen den verschiedenen Feldern mit Bodenfrüchten, die Wälder, mit den großen Schneisen, die hereingeschlagen wurden, und natürlich die Seen und die Hügel, Wasser klar umrissen, Staub und Felsen in merkwürdigen Formen. 

Und natürlich Berlin, die Glänzende. Die Hochhausketten sehen aus wie geworfene Runen oder wie Schriftzeichen, strahlend in der Abendsonne. 


Ausnahmsweise sehe ich auch unser Haus ganz deutlich, weil wir nicht direkt drüber fliegen, sondern etwas weiter nördlich, aber der Handyakku ist leer, so dass es kein Foto gibt. 



Kommentare:

  1. DANKEschööön (ړײ)
    für die unterhaltsame Morgenlektüre:
    https://www.youtube.com/watch?v=t6wbWDip_-8

    *SINGundträllerndmitderCappuccinotasseWINK*

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    1. Ich traue mich ja nie, in der Arbeit deine Youtube-Links zu öffnen....aber das Lied ist natürlich schön...

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  2. Mönsch, das Ackerhaus in Pankow hätte ich aber gerne mal gesehen!

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  3. Die Notiz mit der Kreidezeit- welche Dinos sollen heute aussterben, wo kommt der Meteorit? Rätselhaft auch das genaue Datum.
    Aber da Ihr eure Arbeit getan habt, habt Ihr Hoffnung, dass die Unkenrufe verhallen. Überhaupt: eine unterhaltsame Dienstreise wieder mal, Danke. Und wenn jemand Kopfhörer trägt rede ich auch nicht- vielleicht ist die Sprachlosigkeit auch ein wenig provoziert?

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    1. Der Meteor muss natürlich in der Invalidenstraße einschlagen. Da sind auch die Dinos.

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