Everybody's fucked in his own special way

Mittwoch, 30. März 2016

Nein, diese Jugend!



Letzthin diese Aufschrift im Bürgerpark gesehen, die mich dann doch nachdenklich machte. Hat denn die Jugend gar kein Gefühl mehr für die elementaren Regeln unseres Gemeinwesens? Bestimmte Dinge kann man heutzutage wohl nicht mehr voraussetzen. Auch von jungen aufstrebenden Graffiti-Künstlern kann man aber doch wohl Kenntnisse von Rechtschreibung und Grammatik verlangen, insbesondere die korrekte Bildung des Imperativs zweite Person Plural! Von der Interpunktion will ich gar nicht anfangen, das fehlende Komma ist potenziell sinnentstellend. Und hat niemand den jungen Leuten gesagt, dass es keinen wirkungsvolleren stilistischen Kniff gibt, als einen Ausrufesatz mit einem - Ausrufezeichen zu beenden?

(In Bezug auf die Tatsache, dass die Künstler - obwohl sie ein Publikum adressieren, das ihnen nicht im Einzelnen bekannt ist und in dem sich auch Ältere wie ich befinden - die zweite Person Plural und nicht das eigentlich angebrachte "Ficken Sie sich, Sie Opfer!" gewählt haben, will ich aber mal nicht so sein. Man war ja auch einmal jung und mit dieser Stilfrage haben auch manche Erwachsene ihre Probleme.) 

(Anmerkung: Wenn ich noch häufiger solche Posts schreibe, wächst mir ein Monokol. Allein der Gedankenstrich im ersten Absatz bringt mich schier um.)

Kommentare:

  1. Können Sie mir erklären, was ein Monokol ist?

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    1. Das ist leichter als zu erklären, warum's runde Zucchini gibt. Das Monokol ist eine Rosenkohlröschen-artige Hautwucherung, die einem wächst, wenn man seine Texte nicht vernünftig Korrektur liest. Sie ist äußerst schmerzhaft.

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    2. (Die Frage hätte ich übrigens noch charmanter gefunden, wenn sie als Imperativ formuliert gewesen wäre.)

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    3. Ich tue mir mit dem Dativ schon schwer genug, also verlange nicht das Unmögliche von einer Zugezogenen!

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  2. Ach, Gottchen, der Satz ist doch ebenso aussagevoll wie eine mögliche Reaktion über einen Ausspruch wie diesen hier nach dem Kolon: "Voll krass, 'Alder'!"
    Der Umstand des fehlenden Exklamationszeichens ist im übrigen machnmal ganz vorteilhaft für den Schmierfink. Denn viele fühlen sich nach dem letzten Majuskel, meist Minuskel, dazu genötigt einen Wortzwischenraum zu bilden, den die Regel hier nicht vorsieht. Viele Exklamationszeichen machen diesen Fehler dann auch nicht besser.

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