Everybody's fucked in his own special way

Freitag, 17. Februar 2017

Das große Berlin-Quiz!

Spaß für die ganze Familie!


Ist das..
a) Protest gegen die Massenüberwachung?
b) Protest gegen das Elektroaltgerätegesetz?
c) irgendetwas mit Berlinale?
d) das Werk eines Deppen?




Ist das...
a) eine Outdoor-Cocktailkneipe?
b) räumlich sehr eingeschränkter Extremhagel?
c) man hat schon Pferde Eiswürfel kotzen sehen?
d) das Werk eines Deppen?

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Die wahren Berliner Rätsel werden aber nie ergründet:

Bei den Straßenbahnschienen:

- lauernder Echsenmensch


- oder grinsender Totenkopf?



Schreibt eure Lösungen auf eine Postkarte und werft diese euren Nachbarn in den Briefkasten!


Freitag, 10. Februar 2017

Tätowiervorschlag


(Nein, ich erklär das jetzt nicht. Willkommen im Blog, in dem die Tippfehler und Sicherheitsabfragen interessanter sind als die Posts.)

Donnerstag, 9. Februar 2017

Meine ersten Berliner

(Da ich jetzt ohnehin angefangen habe, hier alte Geschichten aufzuschreiben, ist es jetzt auch schon wurscht.)

Bevor ich vor knapp zwanzig Jahren nach Berlin kam, hatte ich von der Stadt keine Ahnung. Die wenigen Berliner, die ich in meiner Jugend kennen lernen konnte, hätten mir aber schon eine deutliche Warnung sein können:

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In der ersten Klasse saß in den ersten Wochen ein Junge bei uns an der Schulbank, den keiner vorher kannte. Seinen Namen habe ich vergessen, aber er kam aus Berlin und teilte das auch gerne und häufig mit. Als sich jeder Tisch ein Symboltier aussuchen durfte, wollte er unbedingt, dass wir einen Bären nehmen, weil der Bär auch das Berliner Symboltier sei. Haben wir natürlich nicht gemacht (aus unserer Sicht wäre ja eine Kuh konsequent gewesen, das haben wir aber auch nicht gemacht). Der Junge war nach ein paar Wochen wieder weg. Niemand wusste, wohin er gegangen war. 

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Im Sommerurlaub im Bayerischen Wald (immer ging es in den Bayerischen Wald, nie nach Italien, wo alle anderen hinfuhren) war auch einmal eine Berliner Familie bei dem Bauernhof, in dem wir wohnten. Sie waren nett. Zwei Dinge blieben uns nachhaltig im Gedächtnis: Zum einen sagten sie "Srette" anstelle von "Zigarette" und zum anderen begrüßten sie ihre faltige Oma in der Frühe gerne mit dem Satz: "Na, Oma, hasse wieder im Korbstuhl geschlafen?"

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Irgendwann tauchte M. auf, der ein Cousin eines etwas einschichtigen Jungen aus dem Ort war. M. war groß, hatte einen Iro, traurige Augen und gewisse Bewegungskoordinationsschwierigkeiten, weil er Pattex schnüffelte. Es ging das Gerücht um, dass er in Berlin einmal jemand erschlagen habe, aber wenn ich darüber nachdenke, ging über sehr viele Leute bei uns das Gerücht um, dass sie jemand erschlagen hätten. Wird schon nicht in allen Fällen gestimmt haben. Sicherheitshalber hielt man aber etwas Abstand. M. hatte sehr seltsame Freunde, selbst für unsere Verhältnisse. Ich kann mich an einen Nachmittag erinnern, an dem wir vor dem Jugendzentrum saßen und Bier tranken, M. war auch dabei. Plötzlich kamen zwei seiner Freunde mit dem Auto und sagten, er müsse einsteigen, sie bräuchten ihn dringend für eine Sache. Stunden später kam M. wieder, grün und blau geschlagen. Erst Jahre später ist mir klar geworden, dass gar keine Dritten, wie er dann erzählte, beteiligt waren, sondern dass seine Freunde ihn abgeholt hatten, um ihn zu verprügeln.

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Genauso plötzlich tauchte irgendwann W.* auf. Er war Anfang der Achtziger Jahre in einem Lastwagen aus Ostberlin geflohen (das hat er zumindest erzählt), da er es im Osten nicht aushielt, "weil da alles Sacksteiger" seien. Häufig hat er mir traurig erzählt, dass er aus dem Osten wegwollte, weil da alles "Sacksteiger der Partei" gewesen seien, im Westen seien aber alle "Sacksteiger des Geldes". Er hat auch gerne über die Marihuana-Versorgung im Osten und Westen philosophiert, ich kann mich aber nicht erinnern, wo er es besser fand, da mich das nicht interessiert hat. W. war einer der ersten Tätowierten bei uns am Ort, natürlich nur so eine selbstgemachte Tätowierung, aber immer noch eine der beeindruckendsten, die ich bislang gesehen habe. In unserem Freibad war das kein schlechtes Aufsehen, wenn ein spindeldürrer Typ auftauchte, der knapp unter seinem Bauchnabel "Kein Trinkwasser" tätowiert hatte (nun gut, das ist etwas übertrieben, irgendwie war er nur bis "Kein Trinkwa" gekommen, aber man wusste ja, was gemeint war.) W.s Hobby war, Rosenkränze aus Dorfkapellen zu klauen. Er war dann irgendwann genauso schnell wieder weg, wie er aufgetaucht war.

*Eigentlich auch M., aber ich will es hier nicht zu verwirrend machen. Die Tattoo-Geschichte wollte ich schon immer mal aufschreiben.

Sonntag, 5. Februar 2017

Über das Bloggen

 "Bloggen ist ein Kuchenesswettbewerb, bei dem der erste Preis noch mehr Kuchen ist." (Max Kennerly)

Für mich ist das immer noch die beste, wenn auch frustrierendste Definition des Bloggens. Bloggen erlaubt einem, das Internet vollzuschreiben; die Belohnung dafür ist, dass man weiter das Internet vollschreiben darf. Wenn man ein darüber hinausgehendes Ziel verfolgt, wird man nicht richtig glücklich werden bzw. dann ist das Bloggen nur ein Nebenaspekt einer umfassenderen Vertriebs- oder Missionarstätigkeit, die Interaktionen sind dann nach Vertriebs- oder Missionsmaßstäben zu beurteilen.  Der Blogger darf das, was ihm wichtig erscheint, ins Internet stellen. Er kann dabei so unangenehm und ungerecht sein, wie er nur will. Er hat keinen Anspruch darauf, dass es auch nur irgendjemand liest, abgesehen von den wilden Bots die durch das Netz spazieren. Falls es jemand lesen sollte, hat er keinen Anspruch darauf, dass er verstanden wird. Man kann sogar davon ausgehen, dass er, wenn er gelesen wird, missverstanden wird, egal wieviel Mühe er sich gibt, verständlich zu sein. Die Zuneigung zu bestimmten Blogs folgt oft den gleichen Gesetzen, nach denen man früher manche englische Lieder gut fand: Da man den Text nur in Teilen verstand, wurde er zu einer Projektionsfläche für alles, was einem auf dem Herzen lag. Der Blogger ist Egoist: ihm geht es um ihn selbst, die Blogposts sind Splitter seines Egos. Der Blogleser denkt, es gehe um ihn, und er spiegelt sich in den Splittern. Der Blogger meint, seine Texte seien Botschaften, tatsächlich sind sie aber nur ein Rorschachtest: der Blogger liefert das Material, das den Bloglesern Bilder und Assoziationen beschert. Da den Lesern zu den Texten und ihrem Verfasser fast zwingend der Kontext fehlt, sind Blogtexte hier besonders geeignet, persönliche Assoziationen zu wecken. Die Kenntnis- und Kontextlücken können nach Belieben aufgefüllt werden, der Blogleser fühlt sich beglückt und ganz persönlich angesprochen (lustigerweise geht es den Bloggern, wenn sie dann Blogleser anderer Blogs sind, ebenso). Ein Sonderfall sind wütende Posts; den Blogger mag Wut über eine bestimmte Sache antreiben, bei den Lesern gibt es genügend, die von der Wut angezogen werden wie Haie von Blut im Meer und denen der Anlass gleichgültig ist, solange es nur scheppert. Der Blogger sollte sich auch bewusst sein, dass er bei den Texten, die besonderen Eindruck machen oder die Leser bewegen, wahrscheinlich nur Katalysator war. Manchmal wird er auch Katalysator für Reaktionen, die er weder gewollt, noch beabsichtigt hat. Das, was er schreibt, und das, was andere lesen, ist eben oft sehr weit von einander entfernt. Manchmal wird dann die Diskrepanz zwischen Vorstellung und Wirklichkeit zu groß und die Leser wenden sich enttäuscht ab. Der Blogger wundert sich, ist er sich doch keiner Änderung bewusst. 

(Ich finde diese zwangsläufigen Missverständnisse nicht schlimm. Meine Veranstaltung hier beruht eigentlich auf ihnen.)

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Der Blogleser darf lesen, was der Blogger schreibt. Er darf sich auf alles einen eigenen Reim machen, die Posts nach seinen persönlichen Vorlieben verstehen und missverstehen, Botschaften hören, die außer ihm niemand hört. Sobald ein Blogger etwas ins Internet stellt, muss er sich halt damit abfinden, dass er die Interpretation aus der Hand gegeben hat. Und möglicherweise versteht ihn ja der Leser besser, als er sich selbst. Der Blogleser hat aber keinen Anspruch darauf, dass der Blogger etwas schreibt. Noch weniger hat er Anspruch darauf, dass der Blogger bestimmte Sachen schreibt. Dies gilt auch, wenn doch "die alten Sachen viel besser waren." Der Blogleser kann dem Blogger seine Liebe entziehen und ihn nicht mehr lesen. Er hat aber keinen Anspruch darauf, dass es den Blogger interessiert, was die Gründe dafür sind, oder dass er sich gar die Kritik zu Herzen nimmt. Der Blogleser kann kommentieren. Ob der Blogger die Kommentare beantwortet oder gar veröffentlicht, bleibt aber ihm überlassen. Wenn Kommentare nicht veröffentlicht werden, ist dies keine Zensur des Bloggers. Der Blogger muss entscheiden, wem er in seinem Wohnzimmer das Wort erteilt. Wer dort nicht erwünscht ist, kann ja einen eigenen Blog aufmachen, um seine Botschaften in die Welt zu bringen.

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Es gibt wohl bestimmte Regeln, welcherlei Botschaften man an eine Toilettenwand schreiben kann; für Blogs gibt es nichts entsprechendes, sie stehen jeder Form und jedem Inhalt offen. Für beides gibt es genügend Muster. Man findet genügend Anleitungen im Internet, welche Gestaltungen den Lesern gefallen. Ich halte das für den falschen Ansatz, ein Blog hat dem Blogger zu nützen und zu gefallen. Wenn er denn zufrieden ist, werden es die Leser wohl auch irgendwann sein. Wer sich streng an fremden Mustern orientiert, arbeitet wie ein Maler, der Malen-nach-Zahlen-Bilder produziert. Warum sollte man seine Zeit für so ein Vorhaben aufwenden? Malen-nach-Zahlen kann allerdings eine gute Methode zur Übung sein, wenn man sich dann später aus den Mustern befreien kann. 

Das bedeutet aber auch, dass sich Inhalt oder Form eines Blogs über die Zeit so ändern werden, wie es auch der Blogger tut. Mancher Blogger muss sich häuten wie eine Schlange und lässt alte Blogs achtlos zurück, um eine neue Haut zu finden. Andere behalten ein Blog und ändern immer wieder den Inhalt und die Ausrichtung. Das Publikum mag das missbilligen, ihm steht aber insoweit kein Urteil zu. Es mag aufhören, den Blog zu lesen (und gegebenenfalls einen empörten Kommentar dazu schreiben, s.o.). Außerdem können wir uns ohnehin immer darauf einigen, dass es im Internet 2010 (2005, 1997) noch viel schöner war.

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Beim Inhalt sollte man sehr sorgfältig darüber nachdenken, was man von sich preisgibt. Damit meine ich nicht einmal so sehr, die Frage, wie viel Privatsphäre man sich reserviert, hier hat jeder wohl instinktiv eine Haltung. Wenn man nicht will, dass die Dinge, die man schreibt, Leuten, die einen kennen, bekannt werden, sollte man sich auf jeden Fall ausgiebig Gedanken darüber machen, wie man die Anonymität schützen kann (Hinweis: Wenn man nicht Profi ist, wird man das nicht schaffen). Spannender ist die Frage, welches Bild man von sich zeichnet.  Gerade am Anfang ist es sehr verführerisch, sein Bild zu schönen, bestimmte Dinge zu überzeichnen, andere nicht zu erwähnen. Wenn man nicht gerade einen Fantasy-Blog hat, bei dem kein Leser erwarten wird, dass der Blogbetreiber tatsächlich eine Elfe oder ein Zauberer ist, sollte man sich das gut überlegen. Im Internet weiß zwar niemand, ob man ein Hund ist, aber warum sollte man bei einer Aktivität, die eine der persönlichsten sein kann, versuchen, anderen ein komplett anderes Ich vorzuspiegeln? (Wenn man sich allerdings bewusst macht, dass sich der Leser ohnehin frei Eigenschaften des Verfassers ergänzt, könnte man auch zur Auffassung kommen, dass es eigentlich wurscht ist.) 

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(Der Text ist eine Sammlung von Gedanken, die teilweise auch schon früher hier standen, gesammelt ohne konkreten Anlass und nur am Rande mit Problemen dieses Blogs verknüpft (durch Inhaltslosigkeit vermeidet man so manches).  Wenn die erste These allerdings stimmte, müssten sich einige Leser aber trotzdem unmittelbar angesprochen fühlen. Keine Sorge: Wenn ich euch etwas mitteilen wollte, nähme ich wie immer ein Baggerbild aus der Invalidenstraße.)

(Gerade als ich das geschrieben habe, erschien bei Kreuzberg Süd-Ost ein in mancher Hinsicht komplementärer Text. Ich habe kurz überlegt, hier auch entsprechend zu ergänzen, aber wozu - dort steht es ja schon schöner.)