Everybody's fucked in his own special way

Mittwoch, 24. August 2016

Wer kennt das nicht,

dass einen alles so aufregt, dass man auf offener Straße einen Zuckerstreuer zerdeppert...

(Ach so, Ihr kennt das nicht? Ich eigentlich auch nicht, aber beim S-Bahnhof Wollankstraße gibt's solche Leute. Offenbar. Anscheinend.)

Dienstag, 23. August 2016

Sommer mit 15

(Der folgende Post liegt nun schon ein paar Jahre im Entwürfeordner. Da sollte er besser auch bleiben. Aber heute hat Michali Geburtstag, und er war dabei. Der Rest hört jetzt zu lesen auf, denn es wird wohl teilweise etwas ziemlich unappetitlich. Aber wie soll man sonst über Dorfjugend schreiben?)

Die Sommer veränderten sich. Zum einen, weil man nicht mehr mit den Eltern in den Urlaub fuhr, sondern die sich langsam alleine auf den Weg machten, zum andern, weil die früheren Zeitvertreibe auf einmal nicht mehr so interessant waren. Ins Freibad fuhr man zwar noch immer, aber im Wesentlichen nur noch, um mit den richtigen Leuten abzuhängen und nach Mädchen zu schauen. Einer war dabei, F., der zwar fast jeden Tag im Freibad war, aber noch nicht einmal sein Hemd oder seine Schuhe auszog, geschweige denn ins Wasser ging. (Während ich das schreibe, durchzucken mich plötzlich tausend Erinnerungen an Leute und Situationen, mein Gott).

Wir waren meistens mit unserer Band beschäftigt, hatten schon unser erstes Konzert hinter uns gebracht und waren dauernd am Üben. Damit verbrachten wir den Sommer zum großen Teil in stinkigen und verqualmten Übungsräumen. Unser erster Bassist hatte uns inzwischen verlassen (eine Woche vor dem ersten Konzert) und wir hatten schnell Ersatz gefunden. Der Sommer war lang, und zum ersten Mal ließen einen die Eltern für ein paar Tage allein zuhause, die Oma hatte dann ein Auge auf uns. Der neue Bassist brachte eine Freundin aus München mit (keine Provinz-Punkette, wie wir sie sonst kannten). Sie hieß P. und spielte angeblich Schlagzeug bei einer Band, die "Die geilen Nonnen" hieß. Wir waren beeindruckt (hier müsste eigentlich ein Exkurs über Drogen im Allgäu und in München kommen, den lasse ich lieber aus. Ich hab's nie weiter als zum Bier gebracht). Nach dem Üben radelten wir nach Hause und lungerten dann bei einem von uns herum. Diesmal hatte M., dessen Eltern auch unterwegs waren, den Vorschlag gemacht, man könne bei ihm essen. Ein großer Topf mit Nudeln wurde aufgesetzt und der Keller nach Bier und Wein durchsucht. So langsam füllte sich die Küche, irgendeiner machte den Kassettenrekorder an, irgendwie will mir scheinen, dass man Exploited hörte (auweia). Die Besucher wurden leise hereingelassen, M.s Oma, die nebenan wohnte, sollte nichts merken. Als alle dann in der Küche saßen, stieg die Lautstärke aber an, alle tranken und die Teller wurden auf den Tisch gestellt und die Nudeln verteilt. Und dann kam eine Szene, die ich heute noch wie auf Film gebannt vor meinem inneren Auge sehe: 

E., der auch schon etwas zu viel hatte, sprach den denkwürdigen Satz: "Die Kinder wollen Schnaps!", nahm mit elegantem Schwung eine volle Weinflasche, trank einen großen Schluck, um dann - quasi aus der Bewegung heraus - die Flasche wieder abzusetzen und über den Esstisch in großem Schwall zu speien. Die gerade ausgeteilten Nudeln wollte dann auch keiner mehr essen, man wischte schnell auf, aufgrund des höheren Lärmpegels kam dann auch M.s Oma, sicherheitshalber mit einem Besen bewaffnet, und schmiss uns alle raus. Ich fiel beim Rückzug irgendwie noch mit P. in die Hecke, ein Höhepunkt des Sommers für mich.

In dem Trubel wäre beinahe untergegangen, dass E. sich den Mund abwischte, die Flasche Wein mitnahm und sagte: "Jetzt geht's wieder."

Mein Gott. (Und ich mag gar nicht daran denken, was sich über E. 10 Jahre später schreiben ließe, das würde richtig weh tun). 

Unser Verhalten war durchaus verbesserungswürdig, würde ich im Rückblick sagen. Aber vielleicht ist es notwendig, dass man diese Bruchstücke fest hält, um wieder ein Gefühl dafür zu bekommen, wie merkwürdig doch das Leben sein konnte.

Montag, 22. August 2016

Sonnenblumen

Die letzten Jahre habe ich es nicht geschafft, den kleinen Sonnenblumenwald an der Grundstücksgrenze wieder zu kultivieren. Das erste Jahr ging es noch einfach, das zweite Jahr haben sich die Sonnenblumen praktisch wieder selbst ausgesät, danach kam aber fast gar nichts mehr. Dieses Jahr habe ich mir ein Kilo Sonnenblumengründüngung gekauft und großzügig verteilt, vorher noch einmal gedüngt (Sonnenblumen zehren den Boden ziemlich aus) und tatsächlich hat das wieder funktioniert. Selbst die Spatzen haben es nicht geschafft, die ganzen Sonnenblumenkerne wegzufressen. 




So werde ich das nächstes Jahr auch wieder machen; an ein paar Stellen habe ich noch versucht, andere Dinge anzusäen, aber das war nicht so richtig erfolgreich. Rucola, Franzosenblümchen und der Stechapfel haben hier alles andere niedergedrückt. Ich habe gar nicht mehr versucht, den Stechapfel auszureißen, der findet ohnehin immer wieder seinen Weg. Und die Nachbarschaft hat sich auch noch nicht daran vergiftet. Als Dank habe ich jetzt aber auch schon Stechapfel im Kartoffelbeet, da hat er nun gar nichts zu suchen. 





Zwischen den Sonnenblumen der unvermeidliche Topinambur, der aber dieses Jahr recht schön geblüht hat. Während die Sonnenblumen dieses Jahr nur knappe zwei Meter hoch werden, ist der Topinambur teilweise bis zu drei Meter hoch; das ist eine schöne Ergänzung. 

Für die Sonnenblumen interessieren sich derzeit vor allem die Hummeln; ich hoffe, dass jetzt dann auch die Distelfinken kommen. Auf den Topinambur haben sich dagegen die Spatzen gestürzt: Zu zweit auf die schwankende Blüte und dann mit wilder Bestimmtheit die Blütenblätter ausgerissen. 



Die Spatzen werden schon wissen, warum sie das tun.

Sonntag, 21. August 2016

Pokemon-Jagd am S-Bahnhof Wollankstraße



(Zwei eherne Regeln dieses Blogs: Keine Fotos von toten Tieren, keine Pokemon-Witze. Aber, scheiß doch die Wand an, wie mein Vater zu sagen pflegte.)

Samstag, 20. August 2016

Bürobesuch



Auch wenn das Amselnest bei uns im Garten schnell verwaist war, in der Arbeit hatte ich etwas mehr Glück. In unserem Innenhof hat ein Amselpärchen ein Nest gebaut. Auf den ersten Blick ein denkbar ungünstiger Ort, mit nur wenig Grün, auf den zweiten Blick gar nicht so unpassend: Keine Katzen, keine Eichhörnchen, verhältnismäßig ruhig. Die Amsel hüpften also von Fensterbrett zu Fensterbrett, Amselpapa fütterte die Juniors (es waren, glaube ich, zwei) und leitete dann auch die Flugstunden. 


An einem Tag sah man die zwei Junioramseln zum ersten Mal ganz weit nach oben fliegen, immer begleitet vom Papa. Am nächsten Tag war die Familie dann verschwunden. 

Schade.

Freitag, 19. August 2016

Kartoffeln

Kein gutes Kartoffeljahr. Liegt sicher auch daran, dass ich mich zuwenig gekümmert habe, aber ich fürchte auch, dass man das Beet mal wieder gründlich düngen muss. Arbeit für den Herbst. 

Mein Grundproblem ist ja ohnehin, dass ich nur einen Platz für die Kartoffeln habe, die aber eigentlich jedes Jahr wandern müssten. Irgendwann habe ich das Beet dann verdorben, aber ich fürchte, ich habe keine Unterstützung dafür, Teile des Rasens umzustechen, um alternative Kartoffelbeete zu schaffen. 

Vom Roten Erstling ist nicht allzu viel gekommen; vielleicht finde ich beim Umgraben doch noch ein paar von den roten Knollen. Die, die ich ausgegraben habe, haben allerdings gut geschmeckt. Bei den Rosa Tannenzapfen ein Novum: Die Pflanzen sind mir schon Mitte Juli verreckt, da sind vielleicht ein paar Murmelkartoffeln daran. Am Gießen kann‘s nicht liegen, zuwenig Nährstoffe? Oder vielleicht liegt es daran, dass ich dieses Jahr nur minimal gejätet und gehackt habe. Man muss halt aufpassen; ich erzähle immer gerne, dass Kartoffeln prima sind, man schmeißt sie in die Erde, kümmert sich monatelang nicht mehr um sie und erntet dann wie ein richtiger Bauer. Ist aber halt doch nicht so einfach. 

Die andere frühe Sorte ist auch nicht überragend, aber meine beklagenswerte Wurschtigkeit dieses Jahr zeigt sich ja schon daran, dass ich mir immer noch nicht merken konnte, wie die Sorte eigentlich hieß. Irgendwas mit A. 

Ein Volltreffer war allerdings dabei: Die mehlige Jelly. Einzige Sorte, die relativ jung ist. Der gefiel es wunderbar, hatte auch guten Ertrag. Und Jelly hatte ich ja ausgewählt, weil ich eher zufällig darauf gestoßen bin, dass das die perfekte Pommes-Sorte ist. Außen knusprig, innen schön mürbe. Ideal für Ofenpommes a la Herr Grünkocht. Da habe ich nun einen schönen Herbstvorrat. 



Donnerstag, 18. August 2016

Bedeutende Dienstreisen (13)

Es geht an den Bodensee. Ich lerne, dass der schnellste Weg dafür über Zürich geht. Nach über 10 Jahren also mal wieder ein Kurzausflug in die Schweiz.

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Bei der Ankunft in Zürich fällt mir schon auf, dass ich das Schwyzerdütsch gar nicht mehr verstehe. Vor einigen Jahrzehnten hatte ich immer Schweizer Radiosender gehört, weil da die bessere Musik kam, und war ganz gut in der Lage, auch den Schwyzerdütschen Ansagen zu folgen. Das ist anscheinend vorbei. Ich muss raten, was die Leute von mir wollen. Daran ist sicher Berlin schuld.

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Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich noch rechtzeitig ankommen würde, da die Verbindung von Zürich Flughafen nach Konstanz nicht vollständig klar war. Aber in der Schweiz gehen die Bahnen offensichtlich noch pünktlich. Alles ganz problemlos; wenn ich vom Düsseldorfer oder Frankfurter Flughafen weiterkommen will, geht das normalerweise nicht so reibungslos.

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Ich darf etwas erzählen und verheddere mich natürlich wie immer in allen möglichen Details. Mich begeistert allerdings, dass ich einen Schlenker zur zukünftigen Handelspolitik von Donald Trump machen kann. Wie immer finde ich es am Schönsten, wenn man irgendwelche Themen einbauen kann, die weder etwas mit meiner Beschäftigung noch mit der meiner Zuhörer zu tun haben.  Bei den weiteren Diskussionen muss ich nur noch zuhören und bin zunächst entzückt, als es um den Methan-Schlumpf geht, den ich bislang nicht kannte. War aber nur ein Verhörer meinerseits.

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Konstanz hat ein relativ laszives Denkmal für die Prostituierten des Konstanzer Konzils, das vorne am Hafen steht und sich andauernd um die eigene Achse dreht (genaueres zu Konzil und Denkmal bei Calendula). Des Weiteren gibt es ein Denkmal für den Grafen Zeppelin, das sich nicht dreht, auf dessen Kopf sich allerdings gerne die Möwen setzen. 

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(Nachteile des Alleinreisens: Ich kann kein Foto von mir als Konzilskurtisane machen.)

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Bei der Stadtführung lerne ich den Ursprung des schönen Wortes "Scheißgasse", das ich zum ersten Mal vor Jahrzehnten in Karl Kraus "Briefwechsel mit der 'Literarischen Welt' " gelesen habe. Die Scheißgasse ist ein schmaler abschüssiger Weg an den hinteren Fassaden der Häuser entlang. Die Aborte waren dann so konstruiert, dass man einfach in die Gasse schiss und auf den nächsten Regen hoffte. Der Schlussatz des genannten Briefwechsels - "...dass Sie sich in etwas befinden mögen, das man außerhalb der literarischen Welt Scheißgasse nennt." - wird auf einmal noch plastischer.

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Während wir später mit einem Boot über den Bodensee fahren, erschießt in München ein Achtzehnjähriger neun Menschen.