Everybody's fucked in his own special way

Sonntag, 26. März 2017

Zurück

Die Online-Pause ist zu Ende, also kann es auch hier weitergehen. In der letzten Woche haben hier anscheinend komplett die Bots übernommen, rege Zugriffe von den merkwürdigsten Seiten, die mir, wenn ich sie anklicke, alle die Fragen stellen, ob ich gerne Nacktfotos aus der Nachbarschaft haben würde. Ich habe nichts gegen meine Nachbarn, aber lieber erst mal nicht. 

Wesentlich Erkenntnis der letzten Woche: Wahnsinn, wie lange so ein Handy-Akku reichen kann. Ansonsten: Nicht im Internet, sondern in der Zeitung gelesen. Für die Abende war praktisch, dass noch stapelweise nicht gelesene Spiegel rumlagen. Interessanter sind die Fahrten in der U- und S-Bahn, ohne irgendwie auf dem Handy rumzulesen. Nicht immer sind andere Fahrgäste so freundlich und unterhalten sich laut über irgendeinen Quatsch, um einem die Zeit zu vertreiben. Ich habe aber zumindest gesehen, dass kurz vor dem S-Bahnhof Gesundbrunnen auf der Böschung die ersten Narzissen blühen. (Grundsätzlich halte ich aber die Klagen, dass man wegen des Handys nichts mehr von der Umgebung wahrnehmen würde, für Quatsch. Zumindest ist das kein Problem, das ich habe.)

 
Die Haupterkenntnis aller kleinen Fastenübungen ist ja, dass man im Prinzip auf fast alles gut für einige Zeit verzichten kann. Wenn's keinen Alkohol gibt, trinkt man halt Johannisbeersaftschorle. Wenn man keine Süßigkeiten isst, nimmt man sich halt einen Apfel. Es entspricht ja dem Zeitgeist, zu glauben, dass Erleuchtung oder innere Zufriedenheit daran anknüpfe, was man isst oder was man nicht isst oder ob man seine Informationen auf Holz oder dem Bildschirm abfasst. Aber das ist alles wurscht. Man kann auch ohne Handy ein Arschloch sein. 

[Abruptes Ende des philosophischen Einschubes.]




Sonntag, 19. März 2017

Kurze Pause

Wie jedes Jahr vor Ostern gibt es bei der Familie Ackerbau eine Woche digitales Fasten. Also nix mit Blog, privatem Internet oder Twitter. Deswegen bleibt es hier auch eine Woche ruhig. 

Wem langweilig ist, der kann ja mal hier den Oktober 2013 nachlesen, da waren ein paar todsichere Gags versteckt (oder war das April 2014?). Oder besser: Räumt mal endlich eure Wohnzimmer auf! Und wenn die Sonne scheint, sieht man, wie viele Schlieren an euren Fenstern sind! Auf dem Wohnzimmertisch liegen noch Zeitschriften rum! Und in die unterste Schublade der Kommode schaut man ja besser auch nicht rein!

Ebenfalls wie jedes Jahr empfehle ich als Einstimmung in den digitalen Verzicht Grant Snider mit seinem monumentalen Comic "Escape from the digital world".  

Bis gleich, macht keine Dummheiten ohne mich. 

Donnerstag, 16. März 2017

Schwarze Tücher, blaue Bänder

(Motto: Eigentlich wollte ich heute schlechte Laune haben, aber dann war die Luft so mild.)

Die Bäume haben noch keine Blätter, da zeigen sich höchstens die ersten Knospen, richtig grün ist es auch noch nicht, von den Frühblühern bislang nur Krokus und Schneeglöckchen, die Temperaturen auch eher niedrig und die Sonne bleibt meist taktisch hinter den Wolken....

... und doch: Die Luft ist lau, es ist so, als würde sich Stadt und Natur langsam verwandeln, auch wenn man davon noch nichts sieht. Und ich habe wieder das Gefühl, das ich, seit ich dreizehn bin, jedes Mal um diese Jahreszeit habe: eine unbestimmte Verheißung wunderbarer Zeiten und Dinge, die zaghafte Sonne schiebt gleichsam die dunklen Tücher der Finsternis, der Langeweile und der Unfreiheit des Winters zur Seite und lässt den Ballast des letzten Jahres von einem schmelzen. Die täglichen Wege werden auf einmal mit Schwung und Zuversicht gegangen, als wisse man, dass am Ende Bedeutendes auf einen warte. Jedes Jahr dasselbe, und jedes Jahr doch wieder überrascht. 

Es hält nicht lange an. Aber das macht gar nichts. 

Mittwoch, 15. März 2017

Gute Nachrichten für Street-Art-Blogger

(Mal etwas ganz anderes, das aber vielleicht für den ein oder anderen Leser hier interessant ist.)

Das Schreiben im Internet ist ja mit Risiken verbunden, nicht zuletzt mit rechtlichen. Auch wer nur eigene Fotos verbloggt, muss sich über einiges Gedanken machen. Manchmal können auch Rechte an den Dingen bestehen, die man fotografiert, die dann zu Abmahnungen oder sonstigen Ärger führen. Der Bundesgerichtshof hat allerdings letzthin eine Frage geklärt, die Straßenfotografen ins Grübeln bringen kann. Ist es erlaubt, Street-Art-Kunstwerke zu fotografieren und zu verbloggen? Das macht zwar jeder, aber man weiss ja nicht, ob sich nicht irgendwann ein wütender Künstler meldet. Der BGH hat aber folgendes festgestellt (hier das ganze Urteil, in dem es um ein Foto der East-Side Gallery ging).

Gemäß § 59 Abs. 1 Satz 1 UrhG ist es zulässig, Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen  oder Plätzen befinden, mit Mitteln der Malerei oder Graphik, durch Lichtbild oder durch Film zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben. Diese Regelung beruht auf der Erwägung, die Aufstellung eines Kunstwerkes an öffentlichen Orten bringe zum Ausdruck, dass damit das Werk der Allgemeinheit gewidmet werde; aus dieser Zweckbestimmung rechtfertige sich eine Beschränkung des Urheberrechts in der Weise, dass  jedermann  das Werk  abbilden  und die  Abbildungen verwerten dürfe.

Also, soweit man von öffentlichen Wegen aus fotografiert (anders kann es auf Privatgelände oder in privaten Parks sein) und das Kunstwerk "bleibend" ist (bei nur vorübergehenden Aktionen, wie z.B. der Reichstagsverhüllung, kann es wieder anders sein), ist man wahrscheinlich auf der sicheren Seite. Ist doch auch was schönes.