Everybody's fucked in his own special way

Sonntag, 25. Februar 2018

Frostige Augen

So, kalt wird es. 

Ich kann die Aufregung nicht ganz nachvollziehen, hier gab es im Winter bislang nur ein bis zweimal Frost, das ist selbst für Berlin wenig. Der Kälte kommt auch zu einem Zeitpunkt, zu dem noch nichts ausgetrieben hat, damit wird es nicht ganz so katastrophal wie im letzten Jahr. Schließlich bedeuten sehr kalte Temperaturen auch, dass es weitgehend klar bleibt, das ist allemal besser als dieses Schmuddelwetter bei 5 Grad plus. 

Ich erinnere mich noch an die Winter im Allgäu. Am Abend hat man die Autobatterie ausgebaut und in den Hausflur gestellt, weil bei der Kälte ansonsten das Auto am nächsten Tag nicht angesprungen wäre. Wie viele Jeans hatte ich mit kleinen Löchern, die durch herausgelaufene Batteriesäure reingefressen wurden. Und immer meterhoher Schnee.

Ich vermisse das nicht. Und ich bin jedesmal begeistert, dass heutzutage Autos auch bei Kälte anspringen. (Sind die Batterien jetzt besser? Oder hatten wir damals einfach nur Batterien, die genauso erbärmlich waren wie unsere Autos?) 

Samstag, 24. Februar 2018

Dienstag, 20. Februar 2018

Drive-by shooting

Die Sonne geht jetzt kurz nach 7 Uhr auf und auf der Fahrt mit dem Schulbus kann man wieder mehr erkennen als nur dunkle Schatten und Gebäude. Irgendjemand hat auf den BVG-Fahrplan "bald", verziert mit Herzchen, geschrieben, und vielleicht ist das der einzig gültige BVG-Fahrplan, "bald", "um die Zeit kommt der Bus gern". Aber der Bus fährt weiter, man sieht alles nur kurz und verhuscht, keine Gelegenheit genauer hinzusehen oder gar ein Foto zu machen. Kein drive-by shooting also. 

Es geht vorbei an dem Quallen-Graffiti in der Binzstraße, das eine Qualle zeigt, die einen Joint raucht. Hier ergeben sich verschiedene Fragen, über die man auch den Rest der Busfahrt nachdenken könnte, wenn es nicht auf einmal wieder so viel zu sehen gäbe. Der Himmel ist wie eine Torte geschichtet, immer eine leicht türkise Lage, gefolgt von einer eher pupurfarbenen. An den Wänden stehen Wörter oder Buchstabenfolgen, die auch beim langsamen Vorbeigehen nicht zu entziffern wären. 

Das große Haus an der Brache: Jetzt im Tageslicht erkenne ich, dass nahe beim Giebel einige Isolierplatten fehlen und sich die Spatzen dort breit machen. Sie pfeifen den Frühling ein, ein Spatz behüpft mehrmals eine Spätzin, soweit man bei Spatzen überhaupt die Geschlechter unterscheiden kann (Hauptsache, die Tiere wissen es selbst). 

Auf einmal kommt sich der Beobachter selbst beobachtet vor. Ein erster Blick entdeckt nichts, beim zweiten findet sich der Spion im Fenster, der sich als Plüschtier tarnt. 

Es ist kalt, aber irgendwie wird's Frühling. 

Montag, 19. Februar 2018

Sonntagsbeschäftigung

Langsam wird es Zeit, das Gartenjahr vorzubereiten. Ich habe länger überlegt, wann ich in diesem Jahr die ersten Tomatensamen setzen soll. Letztes Jahr waren die Tomaten schon relativ groß und man konnte sie nicht nach draußen bringen, weil es noch zu kalt war. Ein Grundproblem ist auch, dass die Tomaten viel zu hoch wachsen, wenn sie nicht genügend Sonne bekommen. Tomaten, die drei Meter hoch sind, aber die erste Blüte erst auf zwei Metern haben, sind auch nicht richtig sinnvoll. Mit viel Sonne ist in Berlin aber auch beim schönsten Fensterplatz erst später zu rechnen, deswegen kommen die Tomaten dieses Jahr erst Ende des Monats dran. Idealerweise werden sie dann klein und robust. 

Allerdings ist es bereits höchste Zeit für die Chilis und Paprikas. Die habe ich heute schon eingesät, dazu habe ich auch wieder unser Indoor-Gewächshaus zusammengebastelt. Die erste Übung war, die Einzelteile in der Garage wiederzufinden. Als ich das geschafft hatte, habe ich erst mal das Laub vom Rasen gerecht, das nun schon viel zu lange rumliegt. Im letzten Herbst war ich nicht allzu gut zu Fuß, so dass einiges an Arbeit liegen geblieben ist. Während des Rechens fällt mir auf, dass meine linke Hand blutverschmiert ist. Ich kann mich zwar nicht erinnern, wo ich mich gerissen habe und finde auch keine Wunde, das Blut fließt aber nur so (von den Fingern, nicht vom Handteller, also keine Stigmata). Ich mache also ein bisschen weniger als geplant und pflanze dann die Paprikasamen. Als ich das Indoor-Gewächshaus aufstelle, fällt mir auf, wo ich mich gerissen habe: Die Drahtzwischenböden haben messerscharfe Kanten, an denen man sich die Finger aufschneiden kann. Wenn man kalte Finger hat, merkt man das zuerst gar nicht. 

Mal sehen, wie viel von den Chilis und Paprikas kommt, das sind ja traditionell zickige Pflanzen. Falls die aufgehen sollten, kann ich sie aber schon in das Gewächshaus stellen. Dort haben auch bislang meine Olivenbäume und meine Zitrusbäumchen den Winter gut überstanden. 

Im Gemüsebeet findet sich auch noch einiger Rosenkohl, Spitzkohl, Weißkohl und sogar Brokkoli. Der Brokkoli sieht allerliebst aus, ist allerdings winzig. Aber das ist gegenüber den letzten Jahren auch schon ein Fortschritt.