Everybody's fucked in his own special way

Donnerstag, 25. Mai 2017

Verirrte Seelen unterwegs (3)

Der Vormittag beginnt zunächst etwas schleppend. Ich frühstücke, schreibe den Blogpost und sortiere meinen Kram. Eigentlich verdanke ich diesen Kurzurlaub Frau Kirschblüte. Letztes Jahr hatte ich zusammen mit einem Kollegen den Plan, ein paar Tage nach Korfu zu fahren, weil der Kollege gern mal nach Albanien wollte. Ich hatte schon die Urlaubsverfügbarkeit etc. geprüft, da ging es bei dem Kollegen aus verschiedenen Gründen nicht mehr. Auch gut. Vor ein paar Monaten erwähnte dann Frau Kirschblüte, dass sie nach Athen fliege, und ich dachte mir: warum ziehe ich nicht einfach alleine los? Urlaub beantragt, Flug gebucht, Michali noch aktiviert. Gerade noch rechtzeitig.

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Heute gehe ich auf Erkundungsreise, ob Elyseos noch seine Kneipe hat. Dazu muss ich ans andere Ende der Insel. Wenn dort alles noch in Ordnung ist, gehe ich mit M. noch einmal zwei Tage zu Elyseos. Es ist jetzt knapp dreißig Jahre her, dass ich das erste Mal bei ihm war (einen Teil der Geschichte findet man hier unter dem Tag "Elyseos").


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Das heißt erst einmal: viel Auto fahren. Unbeabsichtigter Weise biege ich falsch ab und fahre zunächst die Küstenstraße. Ich darf hier ab und zu an Hotelbussen vorbei rangieren, das kann unangenehm sein. In Korfu-Stadt muss man, um nach Norden zu kommen, durch die Innenstadt, in der es auf einmal lauter Einbahnstraßen gibt. Mein Meisterwerk ist, als ich direkt vor den Augen einer desinteressierten Polizeistreife versuche, in eine Einbahnstraße zu fahren. Irgendwann finde ich aber den Weg zum Hafen, von da aus kenne ich mich wieder aus.

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Um in den Norden zu kommen, muss man über einen Bergpass, der durch 180 Grad-Kehren entzückt. Bergauf weniger ein Problem, runter muss man sich halt vor Augen halten, dass nach der 600 m Rennstrecke plötzlich eine komplette Kehrtwendung kommt. Es geht erst hoch, dann wieder runter, dann gleich wieder hoch. Karrousades ist nur knapp  30 km von Korfu-Stadt entfernt, man braucht aber eine knappe Stunde.

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Und das auch, wenn man nicht wie ich, Abkürzungen sucht. Aus Gründen, die ich selbst nicht mehr verstehe, fahre ich nach Agrafoi, einem wunderbaren Bergkaff mit Straßen, die etwas breiter als mein Auto sind. Am Ortsende verwandelt sich die Straße in einen steil abfallenden Schotterweg ins Nirgendwo. Ich beginne rückwärts durch die engen Gassen zu fahren, kann Gott sei Dank bald wenden.  Das war etwas stressig, auch ohne Gegenverkehr.

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Ich komme nach Karrousades, stelle das Auto ab und gehe die paar Meter zur Taverna. Der Fernseher ist an, die Tür zugezogen, auf den Tischen steht Blumendekoration. Elyseos schläft auf zwei Stühlen vor dem Fernseher und wacht auch nicht auf, als ich reinkomme. Ich lasse ihn erstmal schlafen und fahr noch einmal ei Stündchen an den Strand.

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Eine Stunde später ist der Chef wach. Ja, bei ihm im Haus ist Platz, ja wir können übermorgen kommen. Wir unterhalten uns ein bisschen über das Wetter, Elyseos ist im Winter seine riesige Bananenpalme erfroren, ich erzähle von meiner erfrorenen Feige. Als ich das erste Mal in der Taverna saß, gab es noch den Eisernen Vorhang. Die ganze Welt hat sich komplett geändert, hier ist es aber im Wesentlichen noch genauso wie vor dreißig Jahren. Eine Feststellung, die mich jedes Mal beruhigt und halb wahnsinnig macht. Natürlich gibt es über die Jahre die Reihe der Verstorbenen und Verschollenen. Und wir alle sind nicht jünger geworden. Elyseos meint, die Jahre flögen dahin wie Vögel.

Die Blumendekoration war für den Kostas und Eleni-Tag.

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Ich mache mich auf den Rückweg.
(Mensch, ich bekomme die Gratis-Flasche Ouzo vom griechischen Fremdenverkehrsverein ja nur, wenn ich ein paar Werbefotos poste. Dann mal schnell hin...)



Kommentare:

  1. Oh ! Neid ! Herr A. auf Erinnerungstour. Na, dann viel Spaß noch.
    LG Gitta

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  2. ... schönes Wetter haben wir auch ;)
    Insel und Ouzo dafür nicht ;/

    Dafür ist Kirchentag mit Omama und Merkel -> in Berlin ;)))

    Vermute - dessenthalben - auch deinen Entschluss, des Spontan-Urlaubes ;D

    *kicherndzwinkerndnochweiteretolleErlebnisse...einenHappyVatertagwünsch...undmitdemRotweinglaswink*

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    1. Genau! Die Stadt ist zu klein für mich und Obama! Passend zum Kirchentag trinke ich gerade Ouzo Lazarus.

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  3. Ich freue mich außerordentlich, dass meine Athenerwähnung zum Korfuurlaub inspiriert hat und wünsche noch einen schönen Aufenthalt. Grüß mir mal den Zweityeti schön, wenn ihr euch bald seht... hehe

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    1. Die Yetis legen Wert darauf, heute frisch rasiert zu sein und trinken ein Glas Rotwein auf dich.

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  4. Irgendwie kriege ich gerade Lust, morgen bzw. nachher beim morgendlichen Einkauf mal wieder bei Stavros vorbeizugucken und ein Fläschchen vom Selbstimportierten mitzunehmen … weiss auch nicht, warum.

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    1. Das sollte kein Fehler sein...

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    2. Im Rückblick: war es nicht. Wir haben jetzt eine mir bisher unbekannte, sehr angenehm gekräuterte Sorte im Haus, die neben einem schmucken Segelschiff den Hinweis auf dem Etikett zeigt, es handele sich um eine Neuinterpretation.

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    3. Retsina? Das ist die eine griechische Unart, die ich nicht mitmachen kann. (Der Chef trank immer eine Retsina/Cola-Mischung).

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    4. Ouzo Idoniko.

      Aus der Retsina-Fraktion habe ich a. a. O. vorgestern einen (mir) neuen Malamatina-Rosé gefunden, der (mir) ausgezeichnet schmeckt. Aber ich trinke ja auch Mate, japanischen Seetang-Tee und andere abscheuliche Dinge.

      Retsina-Cola-Schorle allerdings … schauder

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    5. Ouzo ist ja der einzige Hochprozenter, den ich gelegentlich noch trinke. Da bin ich dabei...

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