Everybody's fucked in his own special way

Mittwoch, 30. April 2014

Rusty Rake

Frau Tonari hat ein Blogprojekt gestartet, eine Rost-Parade, bei dem Blogger an jedem Monatsletzten Rost oder rostige Gegenstände fotografieren.* 
Normalerweise habe ich keine Lust, auch noch in der Freizeit irgendwelche Projekte zu starten, das habe ich schon in der Arbeit ausreichend. Aber für die Frau Nachbarin mache ich gerne die Ausnahme (zu einer weiteren Ausnahme dann morgen) und ich muss zugeben, dass dieses Projekt schon gut zu meinem Blog passt. 

Ich habe mir vorgenommen, dass ich die rostigen Gegenstände auch jeweils mit Musik, die von Rost handelt, verbinden will (mal schauen, wie lange das geht; meine Planungen zu der Reihe "Musik und Unkraut" haben auch nicht weit gereicht).

Beginnen möchte ich mit einer rostigen Harke und wunderbarer Weise heißt das erste Lied** auch so:


Rusty Rake (SNFU, 1995)
"Vögel essen Würmer, Schweine essen Dreck. Wenn ich jemals etwas Entmutigendes sage, hau mir eine rostige Harke über den Kopf. Das ist dann etwas, was ich wirklich verdient habe. Es ist ja nicht so, dass ich auf der Straße lebe, es ist nicht so, dass ich in einem Kriegsgebiet wohne, es ist nicht so, dass ich mir nichts zu essen leisten kann, es ist nicht so, dass ich kein Zuhause habe."***


*Wer jetzt anmerken will, dass dieses Projekt hier schon seit knapp zwei Jahren ohne feste Zeiten durchgeführt wird, bekommt eine Woche Blogverbot.  
** Ja Holgi, eigentlich hätte man mit einem anderen Lied anfangen müssen, das kommt noch. Bin halt alter Punkrocker.
*** Leicht abgemilderte Übersetzung; trotzdem noch nicht ganz kirchentagstauglich. Von mir gerne in der Frühe gesungen als säkulares Danklied. 

Dienstag, 29. April 2014

Am Himmelsstrand


(Vielleicht deswegen der Ausdruck "Wolkenmeer"? Man hört die vorderen Wolken richtig rauschen.)



Hier zum Vergleich ein kleiner Wolkensee. Wie müsste das Boot aussehen, das einen zur Insel brächte? 

Montag, 28. April 2014

Im Klostergarten

Alte Sünden holen einen immer wieder ein. Vor vielen Jahren habe ich bei meinem Zivildienstjob zusammen mit meinem Chef gegärtnert, was vor allem bedeutete, alles was grün war, auszureißen und Bäume umzusägen. Beim Jäten passierte es relativ häufig, dass ich angewiesen wurde, Kraut aus dem Beet auszureißen, das sich später als neu gepflanzte Blumen der Sakristeischwester A. (die Zivildienststelle war ein Krankenhaus, dessen Träger ein Orden war) herausstellte. Erst nach über zwei Jahrzehnten konnte ich nachfühlen, was ich da angerichtet habe (zwar habe ich auf Anweisung gehandelt, aber das ist nie eine Entschuldigung). Schwester A., für die das alles nichts Neues war, nahm es  einigermaßen gelassen. Ich versuchte, bei anderen Erledigungen dann besonders nett zu ihr zu sein.*

Nun bin ich wieder für ein paar Tage in einem Kloster, nicht im Allgäu und nicht mehr zum Zivildienst, den gibt's ja nicht mehr und ich wäre auch schon viel zu alt dafür. Bruder R. fragt mich, ob ich ihm im Garten helfen kann und ich erkenne meine Chance, meine Schuld gegenüber Schwester A. abzutragen** (da sie zum Zeitpunkt meines Zivildienstes schon knapp 80 war, wird sie jetzt nicht mehr leben). Ein Beet soll für  Blumen für die Klosterkirche vorbereitet werden. Es ist schon fast mit Gras zugewachsen, in dem freien Bereich lassen sich einige Pflanzen wie Borretsch erkennen, der Rest ist eher zweifelhaft. Begeistert, dass ich um gärtnerischen Rat gebeten werde, schlage ich vor, bei dem überwachsenem Bereich mit dem Spaten Vierecke auszustechen, weiter Erde auszugraben, und dann die Grassoden umgekehrt wieder einzusetzen und mit etwas Erde zu bedecken. Was ich nicht ganz bedacht habe, ist, dass der Rat begeistert angenommen wird, und ich ihn selbst umsetzen darf. Zuvor schneidet Bruder R. mit der Sense das Gras, das schon beträchtliche Länge hat. Er ist ein barmherziger Schnitter, einige Büschel bleiben stehen. Ich beginne mit den ersten Spatenstichen. Die Sonne scheint und das Beet wird langsam größer, während mir der Schweiß die Stirn herunterläuft. Aber ich habe ja neben der Erde auch Schuld abzutragen, deswegen passt das schon. In der Mitte des Beets lockere ich die Erde mit der Grabegabel, ein paar Pflanzen setzen wir um. Irgendein Kraut mit weichen Blättern wächst hier überall; ich sehe Bruder R. fragend an. Nach kurzem Überlegen kommt seine Anweisung: Raus damit! Ich reiße das Kraut raus, das eine weiße längliche Wurzel hat, die aromatisch riecht. Habe ich gerade Rettich und Pastinaken gejätet? Ich bin froh, dass ich nicht mehr da bin, wenn Bruder J., der den Garten eigentlich angelegt hat, und der sicher genau weiß, was ich da ausgerissen habe, von seiner Reise wieder zurückkommt. Aber ich habe irgendwie das Gefühl, dass die alte Schuld gegenüber Schwester A. nur durch eine neue ersetzt wurde.

*Dazu gehörte z.B. auch, für sie Luftballons für die Faschingsfeier aufzublasen. Irgendwo habe ich noch ihren handnotierten Zettel mit den Anweisungen dazu, der mit folgendem Satz endete: Die aufgeblasenen Ballons dann bei der schmerzensreichen Madonna hinlegen.

**Zu den philosophischen Hintergründen dieses Konzepts, vgl. "My name is Earl", Staffel I-IV.

(Alternativtiteil: Karma is a bitch; wg. Profanität verworfen)


Sonntag, 27. April 2014

Salzernte

Und wenn ich schon bei den Hinweisen bin: bei Hans-Werner Oertel kann man lesen, wie auf Zypern das Salz geerntet wird. Ein Töpfchen Salz,  das von ihm geerntet wurde, steht bei uns auf dem Küchentisch und erfreut uns bei jeder Mahlzeit. Wenn man weiß, wieviel Mühe darin steckt, schmeckt es gleich noch mal besser. 

Wo die Hosen Husen hasen*

Vilmoskörte ist gerade in der Oberpfalz und trinkt Zoigl. Das würde ich gerade auch gerne tun. Jedem, der sich für Braukunst interessiert, seien seine Blogeinträge empfohlen.


*Das hat mein Großvater gerne gesagt, als Beschreibung der Oberpfalz: Wo die Hasen "Husen" heißen. (Alles Blödsinn, Ruthie hat's in den Kommentaren richtig erklärt. Ist doch schon eine Zeitlang her und man darf sich nicht zu sehr auf sein Gedächtnis verlassen).

Verschwörung vor dem Verkehrsministerium

(Die zwei Großen stehen Schmiere. Was wird da wohl getuschelt?)

Das sind eigentlich.... ach, das wißt Ihr ja sicher selber. Oder eine nette Kommentatorin erklärt es Euch...

Samstag, 26. April 2014

Freitag, 25. April 2014

Feigenblätter

Das war der erste Winter, in dem nicht wesentliche Teile unserer Feige erfroren sind. Das hat sicher mit der liebevollen Einpackaktion von Frau Ackerbau zu tun, vielleicht aber auch mit den eher zivilen Wintertemperaturen. 
Jetzt kommen die ersten Feigenblätter, ein Anblick, der mich jedes Jahr wieder freut.  Und wenn man genau hinsieht, stellt man fest, dass auch über Nacht die ersten Ansätzen für die Früchte kamen; ziemlich viele sogar. Vielleicht wird hier jetzt jedes Jahr die Ernte besser, letztes Jahr waren die Pankower Feigen auch schon ziemlich lecker.

Donnerstag, 24. April 2014

Die invalide Straße (2)

Manche Vorsätze hält man schwer durch. Eigentlich wollte ich ja hier grundsätzlich nichts nützliches oder wissenswertes aufschreiben, aber das fällt Leuten wie mir, die auf die Klugscheißerschule gegangen sind, ohnehin so schwer, dass ich mich nicht immer daran gehalten habe. Gerade lese ich allerdings ein Buch "Das Königliche Invalidenhaus zu Berlin" von Laurenz Demps,* das mich geradezu zwingt, einige der dort gewonnenen Erkenntnisse weiterzugeben. Wirklich tolles Buch, das einen die Stadt mit völlig neuen Augen sehen lässt. So war mir nicht klar, dass früher in der Gegend, in der heute der Nordbahnhof ist, die Scharfrichter waren und Galgen standen. Vollkommen fasziniert war ich allerdings, als ich las, wie die Gegend um die Invalidenstraße urbar gemacht wurde. Demps zitiert ein Schreiben von Generalleutnant von Hacke (nach dem der Markt benannt wurde), in dem es heißt: "Dieses Land umher war völlig einer Wüste gleich. Niemand hatte Lust, der Kosten wegen es zu bebauen. Nach der Richtung des Windes entstand bald hier und bald da ein Hügel von Flugsand, so dass man zuweilen sogar über die Palisaden in die Stadt hineinreiten konnte." Der Volksmund habe den Landstrich "Sahara" genannt. Friedrich II. habe deswegen eine Verbesserung des Bodens durch Düngung verordnet. Dazu wurde der sog. Modder der Stadt herangekarrt (Modder bezeichnete "Fäkalien, Straßenkot und andere organische Stoffe") und mit dem Sand vermengt. Dieses Gemisch wurde dann mit Queckengras bepflanzt, das durch seine Wurzeln dem Sand-Scheiße-Gemisch eine gewisse Festigkeit gab, die zumindest die Verwehungen verhinderte. Auf diese Art wurde dann langsam das Gelände zwischen Gartenstraße und jetzigem Hauptbahnhof von der Sandwüste in Ackerland verwandelt. 

Unglaubliche Lektüre. Nachdem ich die Ursprünge der Invalidenstraßengegend aus Sand, Kot und Unkraut kenne, verstehe ich die merwürdige Faszination, die sie auf mich ausübt, schon etwas besser.

*Wirklich zu empfehlen; auch die Bilder geben einem einen völlig neuen Zugang zu der Gegend.

Mittwoch, 23. April 2014

Neue Erziehungskonzepte

Ostersonntag war die Kinder anstrengend. Mitten in der Nacht aufstehen zur Osternacht und dann über zwei Stunden Gottesdienst aushalten. Als wir wieder zuhause sind, verfügen die Eltern deswegen, dass die Kinder heute im weiteren Verlauf des Tages machen können, was sie wollen (das heißt vor allem, dass die üblichen Beschränkungen des Medienkonsums nicht gelten). J.J. ist misstrauisch und will erstmal genau wissen: Was soll das heißen, machen was wir wollen? J.S. denkt nach und hat dann schnell den Haken entdeckt, auf den er empört hinweist: Und was ist, wenn ich keine Lust mehr habe zu machen was ich will?

Dienstag, 22. April 2014

Personalisierte Werbung am S-Bahnhof Wollankstraße


Das mag ja alles stimmen. Aber was gehen die meine Beete an?

(Neulich bei der Gartenarbeit: Eine Radfahrerin spricht mich an: "Sie haben hier ja den schönsten Garten!"
Ich (erfreut): "Vielen Dank!"
Radfahrerin: "Der ist wenigstens nicht so ordentlich wie die anderen!")

Montag, 21. April 2014

Besuch im Nebenzimmer (2)

Was war im letzten Monat denn im Zweitblog los? Zunächst gibt es einen Blick auf Cyanide & Happiness, die eine plausible Erklärung dafür liefern, warum inzwischen alle jungen Leute Vollbart tragen. Der nächste Beitrag widmet sich Dr. Humphrey Bate, der Ende der 20er Jahre Lieder über Kühe, die man über den Zaun wirft, und Schinken und Fleisch sang. Dabei wird festgestellt, dass diese Lieder im historischen Kontext einigermaßen knifflig sind. Wir lernen die beeindruckende Sotiria Bellou kennen, die singend erläutert, was zu tun sei, wenn sie auf dem Boot sterben sollte. (Ihr habt euch das Lied noch nicht angehört? Schleunigst nachholen!). Dann wird's fast kontemporär mit den Fehlfarben, die 1979 das Lied "Gott sei Dank nicht in England" spielten, in dem man die schönen Zeilen "Sprich fremde Sprachen im eigenen Land/ zerstreu alle Zweifel an deinem Verstand" findet.  Und dann kommt mal wieder Henry Rollins, der zu ergründen versucht, ob bei Techno zuerst die schlechte Musik und dann die schlechten Drogen da waren, oder umgekehrt, und sich dabei als wenig flexibel und tolerant zeigt. Aber lustig ist's trotzdem. Danach zum ersten Mal hier Mike Watt, einer der weiteren Säulenheiligen des Hauses Ackerbau, der mit fIREHOSE "Relating Dudes to Jazz" spielen darf. Großer Mann, großer Bassspieler, wird auch nicht jünger. Der besinnlichen Osterstimmung geschuldet kommen Betrachtungen zu Katzencontent bei Hieronymus Bosch nebst Mutmaßungen zu gnostischen Hintergründen seiner Bilder. Schließlich wird der fantastische Frank Turner vorgestellt, der mit Mitte Dreißig an seinem Alterswerk schreibt und der sich in atheistischer Sinnstiftung versucht

Nichts passendes dabei? Dann vielleicht im nächsten Monat.  

Samstag, 19. April 2014

Karfreitag

Ich sitze auf dem Sofa und höre einen dumpfen Schlag gegen ein Fenster. Ich schaue raus, aber ich kann niemand sehen. Wenig später geht Frau Ackerbau auf die Terrasse und sieht den Lärmverursacher: eine kleine Meise mit schwarzer Haube ist gegen die Scheibe geflogen und liegt nun tot auf der Terrasse. Das Gefieder ist grau und sieht fast kuschlig aus, die Augen sind geöffnet, der kleine Schnabel steht leicht offen. Der Zusammenstoß hat sie unvermittelt aus dem Leben gerissen.

Ich grabe ein kleines Loch unter dem Schneeball und begrabe sie dort. Wer weiß, wann wir selbst gegen eine Scheibe fliegen.

Freitag, 18. April 2014

Biblisches

Calendula hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass mein einfaches Kartoffelbild, das auch immer wieder mal Blogheader ist, Anklänge an eine Skulptur von Franz Gutmann auf dem Friedhof St. Trudpert hat.
(Dieses Foto ist von Andreas Praefcke, der die Verwendung des Fotos freigegeben hat)

Gutmanns Skulptur heißt "Gebet" und ist inspiriert durch den Psalm "Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir". Ich muss sagen, dass ich die Gestaltung an einem Friedhof eher gruselig finde.*

Nun sind diesem Blog ja biblische Themen nicht fremd, wenn auch eher apokalyptische. Für meine Kartoffelskulptur kann ich aber keine biblische Inspiration anführen. Zu Fragen des Kartoffelanbaus sind nämlich sowohl Altes als auch Neues Testament sehr zurückhaltend.

Nachtrag 19.4.: Noch eine künstlerische Interpretation dieses Themas findet man hier.

*Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich hier die Geschichte des Totengräbers vom 20 km entfernten  Dorf N. erzählen soll. Besser nicht. 

Mittwoch, 16. April 2014

In Calendulas Revier

Die Arbeit zwang mich an den Bodensee, der eigentlich zu Calendulas Revier gehõrt. Ganz neue Erfahrung: Man kann dort keine hässlichen Sachen fotografieren, weil's da offenbar keine gibt. Stattdessen:
(So kann ich nicht arbeiten!)

Mit Befriedigung habe ich aber festgestellt, dass der Wein dort auch noch nicht weiter ist als mein Pankower Nordhang...


Aber wer sagt's denn: Jetzt beim Fotoformatieren stelle ich fest, dass das gar keine Rebe ist, sondern ein etwas traurig guckender Holzgnom (war mir beim Fotografieren gar nicht aufgefallen). Manchmal zeigen sich die Merkwürdigkeiten eben erst auf den zweiten Blick...

(Warum habe ich das Gefühl, dass die Natur mir hier einen Spiegel vorhält?)

Dienstag, 15. April 2014

Die Bodenbirnen-Saison beginnt

Meine ersten Saatkartoffeln habe ich eigentlich schon letzte Woche gelegt, leider wurden sie dieses Jahr erst sehr spät geliefert. Dieses Jahr habe ich die Rosa Tannenzapfen, den Roten Erstling und die Acht-Wochen-Nüdeli. Die letzte Sorte kenne ich noch gar nicht, sie soll sehr früh sein; die eine Saatkartoffel, die ich verkostet habe, schmeckte auf jeden Fall exzellent.

Wie die Dinger eigentlich heißen, ist nicht so einfach. Das folgende Bild ist aus dem wunderbaren Kleinen Bayerischen Sprachatlas von dtv, in dem zu ganz unterschiedlichen Dingen dargestellt wird, wie sie in den verschiedenen bayerischen Gegenden genannt werden. 


Bei den Kartoffeln bin ich im Bodenbirnen-Gebiet aufgewachsen,* die Kater hießen bei uns Baula. Mit Erstaunen habe ich auch festgestellt, dass meine Heimat in Bayern eines der wenigen Gebiete ist, wo Tannenzapfen einfach Tannenzapfen heißen, woanders sind das Moggl, Zecken, Buttel- oder Butzenkühe oder Bätzla. 

Kein Wunder, dass uns ansonsten keiner für voll nimmt.  

*Im Bayerischen Wald heißen die Kartoffeln also anscheinend Feidhendl. Hallo?

Montag, 14. April 2014

History Lesson (Pt.II)

Irgendwo im Allgäu, vier junge Burschen finden sich in einem Garten zusammen. Sie räumen den alten Schuppen aus und stellen überrascht fest, dass M.s Oma offenbar seit Jahrzehnten alte Klobürsten gesammelt hat. Auch wenn Oma nun protestierend daneben steht, die müssen raus, es muss Platz für andere Sachen geschafft werden. Zum Beispiel für das Schlagzeug von M., das er sich gebraucht gekauft hat*, oder für verschiedene Verstärker, die mit Hilfe von Vater Z. zusammengelötet wurden. 

Die Burschen sind etwa 15, 16 und haben in den letzten Monaten Sachen zusammen getragen, die zum Musizieren nützlich sein könnten. J. hat einen Bass, der zwar nur drei Saiten hat, aber er versichert, dass er ohnehin nur auf einer spielen würde, das sei alles kein Problem. A., der Jahre später mal unter dem merkwürdigen Pseudonym Ackerbau** schreiben wird, hat eine gebrauchte Gitarre, die sogar (zumindest anfangs)*** mit sechs Saiten bespannt ist. Das Problem ist eher, dass A. keinen einzigen Gitarrenakkord kennt, sondern nur mit dem Barré-Zeigefinger über das Griffbrett schrubbt. Da die Gitarre, genau wie der Bass, auch nicht gestimmt ist, wirkt sich diese Wissenslücke aber nicht wesentlich aus. Mi. hat ein Mikro, da er kein Instrument spielt, muss er singen. 

Ich kann mich nicht erinnern, wie wir Strom in den Schuppen gekriegt haben, aber irgendwann ging es los. Ein Freund hatte ein paar Wochen vorher erklärt, es klinge gut, wenn man auf der Gitarre einfach auf den Bünden spiele, auf denen Punkte seien. Deswegen bekommt das erste Lied, das innerhalb von 10 Minuten im Schuppen geschrieben wird, die klassische Akkordfolge e-G-a-H. Es gibt noch einen Refrain, der allerdings nur auf der Gitarre gespielt wird, da der Bassspieler ihn sich nicht merken kann.  Das Ganze wird schnell auf einem tragbaren Cassettenrekorder aufgenommen.

Nach der Probe geht es an die frische Luft und man beginnt, die ersten Biere zu trinken. Da es keine Schalldämmung in dem Schuppen gibt, hat die Nachbarschaft Anteil nehmen dürfen; ein Wunder, dass niemand die Polizei geholt hat. M.s Eltern erklären, dass man sich schleunigst einen Proberaum besorgen müsse. Ihre Hoffnung, dass der Spuk von selbst ein Ende nimmt, hat sich nicht erfüllt. Die vier Musikanten scheinen ja auf den Krach sogar noch stolz zu sein. Es fehlt noch der Bandname, man nimmt den Beruf, in dem Bassist J. vor kurzem eine Lehre begonnen hat, und schreibt ihn falsch.

Die Welt ist feindlich, aber die Sonne scheint. Wir sind Punks und keiner kann uns etwas anhaben. Schnell noch unseren Bandnamen auf die Lederjacke geschrieben. Wir wissen nicht viel, aber wir wissen, dass das Können nicht so wichtig ist wie die Haltung. Und die haben wir. 


Das war vor genau dreißig Jahren, am 14.04.1984.



*Das Geld für das Schlagzeug hatte M.s Mutter ihm mit der Erwägung geliehen, mit Tanzmusik könne man ja ein hübsches Sümmchen verdienen. Ha! 
**Eine Zeitlang war damals mein Spitzname "Bauer". Auch wenn wir aus einer ländlichen Gegend kamen, war das nicht als Kompliment gemeint.
***Einige Jahre lang ging fast mein gesamtes Taschengeld für Gitarrensaiten drauf. Lag an der dynamischen Spielweise.

Samstag, 12. April 2014

Nachvollziehbar....

....dass die Leute mit der Suchanfrage "Spargelschäler kompostierbar" bei mir landen. Meinetwegen auch "Beängstigende Bilder" (weit vorne bei Google: Die Tina-Kartoffel). "Dinosauria Kacke" ist schon weniger klar. Und "Frau erschlafft" und "Scheiß Sonntag" kapiere ich nicht.

Freitag, 11. April 2014

Bestandsschutz

Irgendwo habe ich hier mal geschrieben, dass Kram, der länger als ein paar Wochen in Berlin auf der Staße rumliegt, Bestandsschutz hat. Das gilt auch in anderer Hinsicht: Vor nunmehr fast zwei Monaten habe ich über die Verschönerung von Fassaden mit Matsch in der Invalidenstraße geschrieben. An einigen Häusern wurde fleißig geputzt, bei anderen tat sich nichts. Inzwischen habe ich mich an das Muster an der Wand eigentlich gewöhnt; in ein paar Jahrzehnten wird das wohl als Beispiel origineller Fassadengestaltung in Berlin am Anfang des dritten Jahrtausends durchgehen. 



Donnerstag, 10. April 2014

Satanisches

Das ist der 666. Post auf diesem Blog. Das muss doch etwas bedeuten?² Deswegen hier noch einmal eine Sammlung der verstörendsten satanistischen Bilder dieses Blogs.³




² Nö.
³ Leider fehlt mir bei den hochgestellten Zahlen die 1 und danach geht's nicht mehr weiter. Fußnoten in Zukunft also nur von 2 bis 3. (Sorry Holgi, aber bei mir funktioniert das nicht).  

Dienstag, 8. April 2014

Kinderwünsche gehen in Erfüllung

"Ich möchte einmal Eistee trinken, Schokolade essen, einen Film über Römer sehen und dabei meine Lieblingsmusik hören."

Ließ sich einrichten: J.S. vor den Fernseher mit der ersten Episode von "Herr Rossi sucht das Glück" (In der Steinzeit/Im alten Rom), dazu Ennio Morricone "The good, the bad and the ugly" in der Anlage, vor dem jungen Mann Eistee und Schokolade. 

Wenn alle Wünsche so leicht zu erfüllen wären. 

Montag, 7. April 2014

Verschnaufpause

Eigentlich dachte ich, dass die Stadtreinigung dieses Jahr gründlich gewesen sei. Aber auch im April gibt es noch Weihnachtsbäume, die entkommen konnten. Einen sah ich letzte Woche aus Zufall in einem Hauseingang, erschöpft an die Wand gelehnt.

Mal sehen, wie lange er sich noch den Häschern entziehen kann.

Die Flucht von diesem hier war wohl weniger glücklich....

Sonntag, 6. April 2014

Vollflorist

Wer sagt, dass nur Frauen Blumen attraktiv drapieren können? Auch der Hausmann mit Sinn für's Dekorative kann hier entzückende Dinge gestalten. Hier ein Blumengruß, speziell einem Herren in Bottrop gewidmet (wo ist Fleurop, wenn man die mal braucht?).


Der Frühling kommt...


... die Berliner ziehen die Socken aus (zumindest im Invalidenstraßen-Umfeld).

Und nahe der Invalidenstraße traut sich einer aus dem Winterversteck und guckt ganz verschämt in die Straße, jeden Tag ein bisschen prachtvoller...




Samstag, 5. April 2014

Ein jglichs hat seine Zeit

Samstagmittag. Der Himmel ist etwas verhangen, die Luft angenehm kühl, man fühlt schon, dass bald ein Regen kommen wird, aber gerade geht nur ein leichtes Lüftlein. Der übliche Betrieb der Großstadt ist fast nicht mehr zu spüren, man hört nur allerhand Vögel wie von weit her, wie sie sich gegenseitig etwas vorsingen. Selbst die Flugzeuge, die regelmäßig kommen, sind heute leiser. Sollten die Piloten nach dem Streik beschlossen haben, langsamer zu fliegen?

Es ist an der Zeit, den Rasen zu mähen.

Prähistorisches

J.S. hat hier eine seltene Szene aufgezeichnet: Das Monster kratzt an einem Felsen, in dem sich eine versteinerte Flasche Bier befindet (rechts die Gebeine eines Monsteropfers, links eine nicht versteinerte Flasche).

Freitag, 4. April 2014

Donnerstag, 3. April 2014

I felt like a tourist

Besuch aus alten Tagen, D., den ich noch von der Einschreibung an der Uni kenne, also wird die erste Frühlingssonne für eine kleine Stadttour genützt. Mit dem Ausflugsboot über die Spree, von Nikolaiviertel bis Haus der Kulturen der Welt. Mit der U-Bahn dann nach Kreuzberg, die Oranienstraße entlang bis zum Görlitzer Bahnhof. An der U-Bahnstation fragt uns ein Typ, der auf einem Absperrgitter sitzt, ob wir Haschisch kaufen wollen. Wollen wir nicht, D. und ich setzen uns lieber gegenüber vors Café. Kaum sitzen wir dort, hält ein Polizeiauto an der Straße, eine Beamtin, mit ein paar Waffen behängt, und ihr Kollege steigen aus und gehen in Richtung Typ, der das interessiert zur Kenntnis nimmt. Wenn ich es richtig gesehen habe, hatte der sowieso ein paar Kompagnons in der Nähe, die bei Bedarf die Ware vorbeigebracht hätten; ausgeklügelte Logistik. Der Typ muss seine Jacke ausziehen, es kommt noch ein Polizeiauto und noch mehr Beamte. D.  ist ganz beeindruckt: Das alles wegen Haschverkaufs? Da hätte man in Bayern doch andere Vorstellungen von Berliner Polizeitaktik. Ich kann nur mit den Schultern zucken, weil ich keine Ahnung habe, wie die Gepflogenheiten hier sind. Inzwischen kommt ein anderer Typ auf unseren Tisch zu, der nicht verkaufen, sondern kaufen will, und uns deswegen fragt, wie er zum Görlitzer Park kommt. Da ich nach 17 Jahren schon ein bisschen Berlinerisch assimiliert bin, mache ich es, wie es in Berlin erwartet wird: Ich weise einen Weg, obwohl ich keine Ahnung habe, wo dieser Park sein könnte. Der Polizeieinsatz löst sich langsam auf; der Typ bleibt auf dem Absperrgitter sitzen.

Kurze Pause, dann kommen auf einmal mehrere Limousinen laut hupend um die Ecke gefahren, bremsen und stellen sich auf der Straße vor dem Café quer. Es handelt sich offensichtlich um eine türkische Hochzeit, die Braut steigt aus, die ein unglaubliches Tüllkleid anhat, mit dem sie jetzt mehr oder weniger die Straße fegt. 


Es steigen noch mehr Hochzeitsgäste aus, irgendeiner macht die Musik lauter, die Brautjungfern tanzen auf der Straße herum, während der Verkehr auf der Kreuzung zum Erliegen kommt. Die Musik wird vorsichtshalber so laut gedreht, dass man das Hupen gar nicht hört. Die Brautjungfern waren sicher jede mindestens drei Stunden beim Friseur und sind herausgebrezelt, dass das Zusehen eine Freude ist. Frisuren, bei denen Amy Winehouse neidisch geworden wäre. Die Gesellschaft tanzt noch ein bisschen herum, ich unterhalte mich mit D., der schon vor über 20 Jahren meinen griechischen Musikgeschmack ertragen musste, über die gemeinsamen Wurzeln der türkischen und griechischen Folklore. Die Brautjungfern lassen sich von den anderen Gästen fotografieren und stellen die Fotos gleich mit ihren Smartphones auf Facebook ein und schauen sich kichernd die Fotos an. Die Braut gibt das Signal zum Aufbruch; alle steigen ein, die Autos fahren weiter. 

Etwas später brausen verschiedene Transporter der Bereitschaftspolizei mit Blaulicht vorbei und warten dann 100 Meter entfernt am Straßenrand. Noch mehr Drogen? Noch eine Hochzeit? Wir wissen's nicht. 

Das Ganze hat vielleicht eine Dreiviertelstunde gedauert; mir, der ich geruhsamere Pankower Verhältnisse gewohnt bin, verursacht dieser Trubel leichten Schwindel. 

Rätselhafte Stadt. I felt like a gringo tourist. 



Mittwoch, 2. April 2014

Lug und Trug

Wenn ich schon dabei bin, Fehler zu korrigieren oder gar einzugestehen,* kann ich ja gleich weiter machen. Mein Frühlingspost zu den frühen Kartoffelpflanzen war natürlich spektakulär,** litt allerdings unter einem winzigen Fehler - die Pflänzchen waren doch keine Kartoffeln, wie ich jetzt beim Umgraben merkte. Im Beet waren zwar ein paar Kartöffelchen übrig, die auch schon austrieben, aber das Kraut, das ich abgebildet habe, war einfach nur irgendein Unkraut. 

Die gute Ruthie hat's gleich gesehen und ich habe ihr nicht geglaubt!*** Schmach und Schande! Wenn ich jetzt feststelle, dass meine ganzen Tomatenpflanzen in Wirklichkeit Löwenzahn sind und meine Petersilie (ach, lassen wir das...), dann werfe ich mich in der Invalidenstraße vor einen Bagger (da die nur rumstehen und selten fahren, eigentlich auch nicht gefährlich. War halt immer schon ein Schisser).**** 

Ich entschuldige mich bei Ruthie und bei allen Lesern, die hier zu Recht erwarten, fundierte fachliche Informationen zu Verbraucherschutz, Altersversorgung und Beauty zu erhalten. Kommt (vielleicht) nicht wieder vor.*****
(Symbolfoto: Der Teer ist aber sowas von am Dampfen...)


*Es wäre beruhigender, wenn dieses Phänomen nur auf den Blog beschränkt wäre.
**Im Rahmen der hiesigen Möglichkeiten.
***Sondern sogar gönnerhaft auf meinen Fehler beharrt. Sollte ich das mit gelungener Berliner Assimilation erklären? Ne, ich war schon immer so. 
****Der Hang zur Melodramatik ist aber, glaube ich, neu.
*****Manchmal schreibe ich solche Posts nur, weil ich Spaß habe, Fußnoten zu setzen. Wenn ich in Blogspot noch hochgestellte Ziffern formatieren könnte, wäre ich im Himmel

Dienstag, 1. April 2014

April, April

"Schatz, da ist ein Erpel in unserem Garten!"

Er starrte in Richtung seiner Gespielin,  die ihn rätselhafterweise von der Straße aus (vorwurfsvoll?) ansah; die Nachbarskatze machte dem dann durch ungeschicktes Anschleichen ein Ende.

J.J. schaute gar nicht vom Frühstückstisch auf, da er dachte, wir wollen ihn reinlegen. 

(Da die Tiere so nett waren, das am ersten April zu veranstalten, verblogge ich's noch mal schnell. Fotos durchs Küchenfenster, deswegen noch schlechter als gewohnt.)

Verflogen in Berlin

Frau Tonari hat nachgefragt, wo denn bei meiner Darstellung des Tegel-Anfluges Hellersdorf bliebe. Also habe ich mir meine restlichen Fotos noch einmal angesehen, ob sich da was findet. Die erste Entdeckung war, dass ich gleich das erste Foto in dem Beitrag falsch zugeordnet habe. Der Beitrag ist inzwischen korrigiert, auf dem Foto sieht man Hohenschönhausen und nicht, wie zunächst geschrieben, Ahrensfelde/Marzahn. Das kommt halt davon, wenn Zugereiste sich so etwas anmaßen.

Dafür habe ich mir das richtige Ahrensfelde/Marzahn-Foto genauer angesehen und kann jetzt auch die Hellersdorfer Ergänzung liefern:


Man sieht vorne links Ahrensfelde, in der Mitte die Hochhäuser von Ahrensfelde/Marzahn, von der unteren Mitte bis zur Turbine am rechten Bildrand verläuft etwa die Märkische Allee. Die kleine Siedlung in der linken Bildmitte ist Hoheneiche, schräg rechts daneben die Ahrensfelder Berge*. Dahinter sieht man am linken Bildrand Hellersdorf (vielleicht kann Frau Tonari hier noch ein markantes Bauwerk erkennen). Die Landsberger Allee/Landsberger Chaussee geht etwa waagrecht durch die Bildmitte. Links neben der zweiten Flugzeugturbine befinden sich die wunderbaren Marzahner Gärten der Welt.




*Die heißen so.