Everybody's fucked in their own special way

Freitag, 4. Januar 2013

Arbeiten für Elyseos (1)

Es ist ziemlich genau zwanzig Jahre her. 

Ich quälte mich mit meinem Studium und hatte das Gefühl, eine Zeitlang etwas ganz anderes machen zu müssen. Elyseos, einen Taverna-Wirt aus Korfu, kannte ich damals seit gut fünf Jahren. Bei meinem ersten Interrail-Trip war ich mit der Fähre auf Korfu gelandet und hatte mich vom Hafen weg von Campingplatzbesitzern in ein Nest im Norden der Insel schleppen lassen. Der Strand war ganz nett, der Ort allerdings jeweils mehrere Kilometer von den Touristenhochburgen entfernt und mit Bussen nur schlecht angebunden, so dass die meisten Rucksackler schnell das Weite suchten. Ich fand es jedoch sehr nett im Schatten der knorrigen Olivenbäume, bei einem ersten Ausflug in den etwa zwei Kilometer entfernten Ort war ich dann das erste Mal in Elyseos Taverna. Großer Grill, keine Speisekarte, keine aufgeschriebenen Preise, man bekam einfach alles aufgetischt, dazu roten Landwein, der vom Faß in leere Ouzo-Flaschen abgefüllt wurde. 

Ich fand das alles ganz nett, war aber überzeugt, dass man das richtige Griechenland sicher nicht auf Korfu finden könne, und machte mich weiter auf den Weg. In den nächsten Jahren landete ich dann aber immer wieder in dem Kaff im Norden Korfus und trabte dann jeden Abend vom Campingplatz in den Ort in die Taverna. Dort begaben sich merkenswürdige und erhabene Begebenheiten.

(Symbolbild: Rucksack unter Olivenbaum; irgendwie liegen hier nur noch die alten Negative rum; muss die mal wieder entwickeln lassen)

Elyseos hatte (und hat) neben seiner Taverna einen kleinen Olivenhain und Ferienwohnungen. Als ich mich am Ende meiner Sommerreise 1992 nach ein paar Tagen wieder nach Deutschland verabschiedete, meinte er, ich könne ja auch einmal im Winter zur Olivenernte kommen. Das wurde bei mir über die Zeit fast zur fixen Idee, in dem Maße, in dem mich mein Studium mehr und mehr nervte. Irgendwann im Spätherbst 1992 kündigte ich mich dann für den Januar 1993 an. Anfang Januar machte ich mich dann auf den vom Sommer gewohnten Weg, Zug nach München, Nachtzug nach Ancona, am Abend dann auf die Fähre nach Korfu. Anders als im Sommer war es jedoch nicht ratsam, mit Schlafsack an Bord zu schlafen, ich legte mich mit meinem Kram irgendwo in die Gänge; viel war ohnehin nicht los. 


Zwei  Tage, nach dem ich zu Hause losgefahren war, kam ich am Abend im Hafen von Korfu an. Außer mir nur Griechen auf Familienbesuch. Anders als ich es gewohnt war, war es schon am frühen Abend dunkel. Da der Bus in den Norden nur drei Mal täglich fuhr, ließ ich mich mit dem Taxi zur Taverna fahren. 

In der Taverna wurde ich freundlich begrüßt; ob ich tatsächlich erwartet worden war, ließ sich nicht so richtig feststellen. Ich bekam von dem Rotwein, den die anderen Gäste vorher stehen gelassen hatten und zeigte mein Gastgeschenk (eine Flasche Himbeergeist, ich werde nie vergessen, wie ein Vertreter der Dorfjugend nach einem Schluck beinahe kollabierte, weil er etwas Likörartiges erwartet hat). Die Flasche steht, nach allem was ich weiß, immer noch in der Vitrine, zumindest war sie da noch bei meinem letzten Besuch 2010. 

Elyseos gab mir einen Schlüssel zu einer Ferienwohnung, zwei Kilometer vom Ort entfernt, bei seinem Olivenhain. Ich solle am nächsten Tag um neun bei Kostas, dem Esel, warten, dann könne die Arbeit beginnen. 

Natürlich kam alles ganz anders. 

(Fortsetzung folgt)

Kommentare:

  1. Ohh... spannend! Schreibe bitte schnell weiter!

    Liebe Grüße und Dir auch ein wunderbares neues Jahr,
    Deine Christiane

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    1. Ich krame gerade noch ein paar alte Fotos raus... das waren noch andere Zeiten, als man nur einen Film für die ganze Reise hatte. Geht bald weiter, Andreas

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  2. Oh ich bin schon sehr gespannt...schreib bloss schnell weiter! Korfu- da kommen auch bei mir Erinnerungen- alles gute (bis auf den Flughafen!) :-)
    Herzensgruß
    E. Blumenstengel

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    1. Der Fährhafen ist noch viel schlimmer (das hatte ich schon verdrängt). Da die Fähren immer frühmorgens losfuhren, habe ich dort so manche Nacht mit dem Schlafsack verbracht (damals war mein Rücken offenbar noch belastbarer).
      Es geht bald weiter, liebe Grüße,
      Andreas

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