Everybody's fucked in their own special way

Donnerstag, 10. Januar 2013

Arbeiten für Elyseos (3)

(Fortsetzung von hier)

Nicht nur am Dreikönigstag habe ich danals im Januar viel Zeit in der Taverna verbracht. Die Arbeit im Olivenhain konnte ja nur am Vormittag stattfinden, wenn die Taverna geschlossen war. Ab dem frühen Nachmittag musste aber der Grill vorbereitet werden, die ersten Dörfler kamen auf ein Glas Wein oder Retsina, die Kartoffeln wurden geschält etc. Ich saß dazwischen, mit dem Wein, der am Vortag übrig geblieben war und mit recht beschränkten Griechisch-Kenntnissen. Für leichte Konversation (wo ist das Postamt, der Wein schmeckt gut, viel Arbeit, bitte ein Glas Wasser, was für Arschlöcher) genügte es, alles darüber hinaus war hoffnungslos. Also saß ich zwischen den örtlichen Bauern und Handwerkern, hörte griechisches Radio ("Agapi mou..s'agapo..."), sah mir auf dem jahrzehntealten Schwarzweiss-Fernseher heftig kommentierte griechische Daily Soaps an und lernte so langsam ein anderes Griechenland kennen. Die Touristenorte im Umkreis waren im Winter praktisch unbewohnt, die Einwohner verbrachten die Zeit in Korfu-Stadt. Das Kaff, in dem die Taverna war, hatte relativ wenig mit Tourismus zu tun, so dass hier Leute mit normalen Berufen wohnten und das Leben auch im Winter noch weiterging. In der Taverna trafen sich dann auch verschiedene Leute aus dem Umkreis, Deutsche und Engländer, die auf Korfu ihr Glück versuchten. Da es im Winter allgemein an Abwechslung mangelte, waren alle auch an einem Schwatz mit einem Neuankömmling interessiert.
 (Elyseos bringt seine Schäfchen ins Trockene)

Ich hatte eigentlich vorgehabt, die Umgebung bei den angenehmeren Januartemperaturen etwas genauer zu erkunden. Da aber die Tage recht kurz waren, war der Radius für Wanderungen eher begrenzt. Den Pantokrater, den immerhin fast 1000 m hohen Berg, der den Nordteil der Insel überragt, habe ich dann erst erkunden können, als ich viele Jahre später mit dem Auto dort unterwegs war.

(Aphroditi. In den Fässern: Wein und Olivenöl)
Elyseos Mutter Aphroditi half in der Taverna mit, ihr Alter war für mich nicht zu schätzen. Über die Jahrzehnte, die ich sie gekannt habe, sah sie eigentlich immer gleich aus. Das letzte Mal, als ich in Korfu war, war sie bettlägrig und musste gepflegt werden. Ab und zu saßen wir zusammen in der Taverna und versuchten, uns über Esel zu unterhalten (aus den genannten Gründen eher schwierig). Ab und zu kam der Nachbar vorbei, ein alter Mann, der Adonis hieß. Aphroditi und Adonis waren schon ein Anblick.... (Beim letzten Mal konnte ich nur noch Adonis Grab am örtlichen Friedhof besuchen).

So langsam wurde es dann aber wirklich Zeit, sich um die Oliven zu kümmern. Die Ernte sollte allerdings mein Verhältnis zu Kostas, den Esel, nicht sonderlich verbessern.

Aber davon beim nächsten Mal.


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